Syke - Im Angesicht des Wahnsinns.

Im Angesicht des Wahnsinns.

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Mediengruppe Kreiszeitung

Von Michael Walter. Es gibt Augenblicke im Leben, die kann man einfach nicht fassen. Da stehst du im ersten Moment einfach nur sprachlos daneben und versuchst unbewusst, zu ignorieren, was da gerade passiert. Und erst eine geraume Weile später werden einem die Dimensionen klar.

Der Flugzeuganschlag 2001 auf das World Trade Center war so ein Moment, das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo – und jetzt die Terrormorde von Paris.

Und wenn man dann ganz langsam begreift, was da geschehen ist, kommt irgendwann dieser Moment, wo man sich unwillkürlich fragt: Was machen wir hier eigentlich? Und die ehrliche Antwort lautet meist: Im Angesicht des Wahnsinns beschäftigen wir uns mit völlig banalen Dingen. Ob irgendwo ein Haus kleiner oder größer gebaut werden soll, ob die Straßenbeleuchtung heller oder dunkler wird oder eine halbe Stunde lang der Strom ausfällt: Im Angesicht des Wahnsinns wird das ungefähr so wichtig wie wenn in Hamburg eine Currywurst platzt.

Ich selbst saß Freitag Abend im Gleis 1 und hab mir einen komödiantischen Chanson-Abend angesehen. Und als ich hinterher überlegte: Wie fasst du das jetzt am treffendsten zusammen, stellte ich fest, dass zur gleichen Zeit in Paris eine Horde fanatischer Idioten über 100 Menschen niedergemetzelt hat. Ich kann das jetzt nicht mehr schreiben! Die Betroffenen mögen‘s mir verzeihen, aber ich krieg‘s einfach nicht hin. Und es ist auch, siehe oben, völlig unwichtig.

Wichtig ist: Ich will nicht, dass fanatische Idioten – egal welcher Couleur – mir vorzuschreiben versuchen, was ich zu denken, was ich zu glauben und wie ich zu leben habe. Ich will nicht, dass wir Angst haben müssen, wenn wir demnächst ins Kino, ins Restaurant oder zum Fußball gehen, ob jemand nicht vielleicht eine Bombe schmeißt oder mit einem Sturmgewehr in die Menge ballert.

Im Angesicht des Wahnsinns bin ich genauso hilflos wie alle anderen. Aber ich will das nicht. Ich will es nicht!

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