„A bissle wie nachhause kommen“

Sybille Bullatschek und Syke - das passt irgendwie: Zwei ausverkaufte Vorstellungen im Gleis 1

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„Wer isch heut des erschte Mal hier?“ - So angestrengt Sybille Bullatschek auch in die Runde blickt: Es sind nicht viele Finger, die da im Gleis 1 hochgehen. 

Syke - Von Michael Walter. Es ist später Abend, die Vorstellung seit knapp einer halben Stunde vorbei. Immer noch steht die Frau in Rosa im Foyer, verkauft ihre eigenen Devotionalien wie Kaffeebecher T-Shirts, Buttons oder DVDs und hält dabei das eine oder andere kleine Schwätzchen. Als Sybille wird sie von den einen angesprochen. Als Frau Bullatschek von anderen. Wenn man derart mit seiner eigenen Bühnenfigur verschmilzt, hat man's vermutlich geschafft.

„Sybille ist für mich ein absoluter Glücksgriff“, hat Ramona Schukraft mal gesagt. Das ist die Frau hinter der „Pflägekraft der Herzen“. Weil sie durch Sybille das machen kann, was ihr am meisten bedeutet: Gleichzeitig Leute unterhalten und ein Stück öffentliche Anerkennung schaffen für die vielen Menschen, die in Pflegeberufen tätig sind und sich dort aufopfern. Oft zu Bedingungen, unter denen andere morgens nicht mal das Haus verlassen würden.

Dass ihr das eine Herzenssache ist, hat sie auch jetzt im Gleis 1 wieder hervorgehoben. Und die gut 200 Zuschauer, die sie am Freitag und am Samstag dort gesehen haben, nehmen ihr das ab. Sie ist glaubwürdig, diese Kunstfigur mit dem schwäbischen Dialekt und dem überschäumenden Temperament, das sie ein ums andere Mal in chaotische Situationen stolpern lässt. Von denen sie dann ihrem Publikum erzählt. Mittlerweile im vierten Bühnenprogramm. Und ob Ramona oder Sybille: Längst hätte sie es nicht mehr nötig, nach Syke zu kommen. Sie tut es aber trotzdem. Zum neunten und zehnten Mal an diesem Wochenende. „A bissle wie nachhause kommen“, ist das für sie, sagt sie. Und auch das nehmen die Leute ihr ab.

Ihr Publikum repräsentiert dabei einen breiten Altersmix und stammt keineswegs mehrheitlich selbst aus der Pflegebranche - zumindest nicht im Gleis 1. Und es nimmt mitunter bemerkenswerte Anreisewege auf sich.

Ramona Schukraft macht auf der Bühne das, was sie im Prinzip immer macht, wenn sie Sybille Bullatschek ist: Sie schildert den Alltag im Seniorenheim „Haus Sonnenuntergang“ mit seinen beiden Flügeln Nord-Corega und Süd-Corega und erzählt von den Kalamitäten, in die Sybille durch ihre naiv-gutmütige Art oft kommt. Etwa wenn sie und ihre Kollegin wegen des Personalmangels notgedrungen ein paar Senioren mit zur Forbildung nehmen müssen und Sybille am Ende nachts und im Baströckchen auf der Polizeiwache endet.

Eigentlich ist das alles nicht umwerfend komisch, sondern eher irgendwas zwischen heiter-skurril und nettgrotesk. Dass im Saal trotzdem immer wieder Leute Lachkrämpfe kriegen, das ist das Besondere an diesem Phänomen Sybille Bullatschek.

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