Süße und herzhafte Versuchungen

Eis, Burger und gebrannte Mandeln: Wie Syker vom Coronavirus profitieren

Burger, Pommes und Pizzen gibt es bei Muhammad Sajjad Ashraf. Seit wenigen Tagen steht er mit seinem Stand auf dem Parkplatz vor Wagner Wohnen.
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Burger, Pommes und Pizzen gibt es bei Muhammad Sajjad Ashraf. Seit wenigen Tagen steht er mit seinem Stand auf dem Parkplatz vor Wagner Wohnen.

Syke/Barrien - Ganz ohne Zweifel: Die Corona-Krise belastet uns. Sie schränkt uns alle ein, bedroht unsere Gesundheit, sorgt für Stress und Streit. Doch es gibt sie auch: Die kleinen Momente, an denen die Pandemie für Veränderungen sorgt, die gar nicht so unerwünscht sind. Wenn Not erfinderisch macht, profitieren hier und da auch die Bürger davon.

Die vielen abgesagten Jahrmärkte, Messen und Festivals in diesem Jahr beispielsweise haben dafür gesorgt, dass Betreiber von Verkaufsständen nach alternativen Standorten suchen. Drei von ihnen haben in diesen Tagen so einen Standort auf Syker Boden gefunden. Sie sorgen für so manche leckere Abwechslung im grauen Corona-Alltag.

Eistag bei Carstens

„Ich hatte Gänsehaut“, beschreibt Petra Carstens ihre Gefühle, als sie am 1. Mai ihren Eisstand vor der eigenen Haustür öffnete: Dort standen die Kunden in langer Reihe – natürlich in den vorgeschriebenen Abständen zueinander. Mit einem so großen Andrang hatte sie niemals gerechnet, umso mehr freute sie sich darüber. Die Warteschlange reichte über die Lindenstraße hinweg bis auf den Schützenplatz.

Petra Carstens hatte sich bei der Stadtverwaltung und dem Gewerbeaufsichtsamt um eine Erlaubnis zum Öffnen ihres Eiswagens bemüht. Nachdem sie ein Schutzglas über dem Verkaufstresen angebracht hatte, erhielt sie die Genehmigung, denn alle weiteren Hygienevorschriften befolgt sie ohnehin sorgfältig und zuverlässig.

Die Warteschlange vor dem Eisstand von Petra Castens reicht bis auf den benachbarten Schützenplatz. 

Auch wenn das Gewerbeaufsichtsamt die Aufstellung des Carstenschen Kinderkarussells untersagt, sind Petra und Reinhard Carstens glücklich, dass wenigstens das Eisgeschäft wieder anläuft. Es ist seit Jahresbeginn die bisher einzige Einnahmequelle. „Bis August herrscht hier Ruhe, da läuft nichts“, bedauert Reinhard Carstens und befürchtet, dass sich auch danach nicht sofort etwas ändert. Um so dankbarer sind sie für die große Resonanz. Sie werden weiterhin von freitags bis sonntags jeweils zwischen 14 und 18 Uhr zum „Eistag bei Carstens“ einladen.

Zoomburger – „mit Liebe gemacht“

„Schmeckt anders als bei McDonald’s, oder?“ Muhammad Sajjad Ashraf lacht. Er kennt die Qualität seiner Produkte. Seit wenigen Tagen bietet er auf dem Parkplatz vor Wagner Wohnen, direkt an der Bundesstraße 6, seine Burger, Pommes und Pizzen an.

„Made with love“ ist der Claim, mit dem Ashraf seine Produkte anbietet. Was heißt das konkret? Ausschließlich frisches Angus Beef kommt auf die Burger-Brötchen, dazu viele frische Zutaten und eine eigene Saucen-Kreation. Tiefkühlware ist tabu. Nicht ohne Stolz berichtet er von einem Test von Kult-TV-Essenstester Thomas „Jumbo“ Schreiner, bei dem sein Burger bei mehr als 20 Teilnehmern auf Platz drei landete.

Seit er im Jahr 2014 mit der Marke „Zoomburger“ den Verkauf von Fast Food begonnen hat, konnte sich Ashraf mehr und mehr auf dem Markt etablieren. Zunächst in Bremen, wo er seit 2017 im Viertel ein Ladengeschäft betreibt, mittlerweile auch mit vier Foodtrucks.

Die sind für gewöhnlich auf Street Food Festivals oder Messen im ganzen Bundesgebiet unterwegs – oder auch auf großen Musikfestivals wie Deichbrand oder Rock am Ring. Aber natürlich nicht in diesem Jahr. Also machte er sich auf die Suche nach neuen Standorten für seine Trucks.

Ein Freund schlug Syke vor. Zügig einigte sich Ashraf mit dem Barrier Einrichtungshaus an der Bundesstraße. Dort gibt es ab sofort täglich von 12 bis 21 Uhr Zoomburger, handgemachte Pizzen und Pommes. Zwischen 12 und 15 Uhr gibt’s 15 Prozent Rabatt.

Gebrannte Mandeln am Hachepark

Es duftet nach gebrannten Mandeln, Lakritze, Schokolade und Lebkuchen. Erinnerungen an den Besuch auf der Kirmes kommen hoch. Nur die Musik und die vielen Fahrgeschäfte drumherum fehlen. Symon Veldkamp steht in seinem Stand mit der Aufschrift „Veldkamp Mandelmanufaktur“. Er ist Schausteller in sechster Generation. Normalerweise verkauft er seine Süßwaren unter anderem auf der Osterwiese, dem Bremer Freimarkt und am Hamburger Dom. „Ich mache mein Leben lang nichts anderes.“ Seit einer Woche steht er auf dem Syker Hachepark zwischen Famila und Aldi und verkauft seine Süßwaren. „Erst mal zwei Wochen probeweise“, sagt er. Anfang des Jahres ist er mit seiner Frau Jenny und den vier kleinen Töchtern nach Syke gezogen – als Winterquartier. „Feste vier Wände zu haben ist was ganz anderes.“

Alles für Naschkatzen: Symon Veldkamp bietet in seinem Stand am Syker Hachepark Lebkuchenherzen, Schokofrüchte und gebrannte Mandeln an.

Dem Ersten Stadtrat Thomas Kuchem habe Veldkamp seine derzeitige Situation geschildert. „Wir haben im Moment ja keine andere Verdienstmöglichkeit. Und so versuchen wir uns, über Wasser zu halten“, sagt er. „Die letzte Veranstaltung war der Hamburger Weihnachtsmarkt. Da hatten wir unsere letzten Einnahmen.“ Trotz allem hat er seinen Optimismus nicht verloren: „Wir lieben beide das, was wir machen. Das macht uns Spaß“, erzählt er über sich und seine Frau.

Ein Herr stellt sich vor den Stand und schaut sich die Auslage an. „Was darf’s sein?“, fragt Veldkamp. „Ich bin noch in der Findungsphase, es gibt hier ja so viel Auswahl“, antwortet der Mann mit einem Lachen. Naschkatzen können sich montags bis samstags von 13 bis 19 Uhr eindecken.

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