NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann will Pflege

DRK sucht händeringend Verstärkung: 56 offene Stellen

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Berichten ihren Gästen aus dem Alltag in der Tagespflege: (v.l.) Christina Raatz und Christopher Pohle im Gespräch mit (sitzend) Volker Meyer, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Edith Heckmann sowie (dahinter) Rudolf Frenken, Axel Knoerig und Ulrike Hirth-Schiller.

Syke - Von Anke Seidel. Mit 989 Mitarbeitern gehört das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zu den größten Arbeitgebern im Landkreis Diepholz – und sucht händeringend Verstärkung: 56 offene Stellen meldet das DRK, das im Landkreis Diepholz sowohl den Rettungsdienst versorgt als auch Kindergärten und Senioren-Einrichtungen betreibt.

„Sagen Sie mir, was Sie können – wir finden einen Job für Sie“, formuliert es die hauptamtliche DRK-Vorsitzende Ulrike Hirth-Schiller bewusst salopp. Vor allem in der Pflege fehlen Fachkräfte. Das kann Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, nur bestätigen.

Jährlich benötigt Deutschland 20.000 weitere Pflegekräfte

„Dass wird noch schlimmer!“, prophezeit der Unions-Politiker bei seinem Besuch in der DRK-Tagespflege „Am Vorwerk“, in der 13 Senioren einen lebenswerten Alltag erleben: Gemeinsam essen, basteln, einkaufen oder ins Kino gehen – für Betagte ohne Familienanschluss kann das unbezahlbar sein.

Laumann, vor seinem Minister-Amt Bevollmächtigter für Pflege der Bundesregierung, weiß: Jahr für Jahr steigt der Bedarf an Pflegekräften bundesweit um 20.000, „wenn wir das so weiter machen wollen wie bisher“. Der Gesundheitsminister weiß genauso, dass die landesweit unterschiedlichen Pflegesätze für eine fatale Dynamik sorgen. „Es gibt kein Bundesland, in dem die Pflege so schlecht behandelt wird wie in Niedersachsen“, stellt er vollmundig fest. Pflegekräfte in Niedersachsen würden im Schnitt 500 Euro weniger verdienen als in Nordrhein-Westfalen. Das kann Ulrike Hirth-Schiller nur bestätigen. Vor allem im Südkreis nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen (NRW) findet sie keine Fachkräfte – genauso im Einzugsbereich von Bremen, denn auch dort verdienen Pflegekräfte deutlich besser. Um das zu ändern, sieht der Minister auch die kommunalen Spitzenverbände in der Pflicht.

Welche Leistungen sind für gute Versorgung notwendig?

„Umgekehrt werden Pflegebedürftige aus Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen gebracht, weil der Heimplatz da etwa 400 Euro billiger ist“, stellt Laumann fest – und will die Pflege bundesweit aufgewertet wissen. „Pflege ohne Tarifverträge ist eine Katastrophe!“, nennt er ein Handlungsfeld. Zweites Manko für Laumann, der auch Bundesvorsitzender der CDU-Arbeitnehmer-Organisation CDA ist: „Die Pflege in Deutschland ist nicht organisiert.“ Analog zur Ärztekammer müsse es für den Pflegebereich eine eigenständige und unabhängige, schlagkräftig Lobby geben: „Als Teil des deutschen Gesundheitssystems.“ Vor allem aber braucht es, so der CDU-Mann, eine klare und wissenschaftlich fundierte Antwort auf die Frage: „Welche Pflegeleistungen braucht man, um einen alten Menschen gut zu versorgen?“ Laumann ist fest überzeugt: „2020 und 2021 werden spannende Jahre!“

Doch bis dahin – daran lässt Ulrike Hirth-Schiller keinen Zweifel – ist es ein dornenreicher Weg: „Viele kleine Träger werden das nicht überleben.“ Das DRK qualifiziere Helfer intensiv für ihre Aufgaben, aber eine offizielle fachliche Anerkennung gebe es dafür nicht. Wie wertvoll solche nicht-examinierten, aber kundigen Kräfte sind, beschreibt Ulrike Hirth-Schiller so: „Sie sind wichtig für die Atmosphäre, sie machen das Haus warm.“

Unabhängig davon lässt Laumann bei seinem Besuch in Syke keinen Zweifel daran, wie wichtig ihm solche Einrichtungen sind – besonders für alleinstehende Senioren. „Ich möchte das in jedem Dorf haben“, wünscht sich der Minister – und fügt hinzu: „Kindergärten und Tagespflegen sollten nicht zu weit auseinander liegen...“

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