„Sucht bleibt ein großes Thema“ / Sie wünschen sich mehr Mitglieder

Guttempler haben 2017 ordentlich zu tun

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Arnold Rath (links) und Frank Brosig hoffen auf viele Gäste beim morgigen Herbstball.

Landkreis Diepholz - „Oh nee, jetzt kommen wieder die alten Knacker und erzählen mir, was ich eh schon weiß!“ So lautet häufig die Reaktion von jungen Leuten, wenn er und sein Mitstreiter ihnen beim ersten Beratungsgespräch in der Fachklinik gegenübersitzen, erzählt Arnold Rath, Pressesprecher und Suchthelfer bei den Guttemplern, und lacht.

Gerade die Generation, die mit dem Internet großgeworden ist, betet dann erst mal herunter, was sie sich im Netz über ihre Sucht angelesen hat. „Und dann frage ich sie: ,Was hat dir das bisher genützt?’ Dann wird es oft still.“

So entwickeln sich nach der ersten Ablehnung häufig sehr interessante Gespräche, in denen die Jüngeren die Älteren nach ihren Erfahrungen fragen. Leider bleibe es häufig dabei, denn nach dem Aufenthalt in der Fachklinik fänden die jungen Leute weder den Weg in die regelmäßigen Gesprächsgruppen der Guttempler noch in die Mitgliedschaft. Das bedauern Rath und Kreisbeauftragter Frank Brosig, denn sie sind überzeugt, dass gerade die Gemeinschaft, das miteinander Reden den Menschen guttut – und ihn gesund hält. „Rückfälle haben wir nur sehr selten. 80 Prozent können wir durch Gespräche helfen.“

Ein offenes Ohr für jeden

105 Mitglieder zählen die Guttempler im Landkreis und etwa 250 kommen in die Gesprächsgruppen jede Woche, denn Sucht ist laut Rath nach wie vor ein großes Thema. Viele Menschen gerieten aus unterschiedlichsten Gründen in Situationen, mit denen sie nicht zurechtkämen. Die Fachkliniken in Diepholz und Bassum, die die Guttempler besuchen, seien ausgelastet. 10 bis 14 Leute würden meist von den Ärzten zum Beratungsgespräch geschickt.

Somit hatten die Ehrenamtler 2017 gut zu tun. „Wir haben ein offenes Ohr für jeden“, so Rath. Dazu kamen Versammlungen und gesellige Veranstaltungen wie Kohl-essen oder ein Ausflug in die Lüneburger Heide. Auch beim Tag der offenen Tür in der Klinik in Sulingen sind sie mit einem Info-Stand vor Ort gewesen. Leider seien kaum Gespräche zustande gekommen, denn das Thema Alkoholsucht sei nach wie vor schwierig. „Ab und zu nimmt sich einer mal ganz verstohlen einen Flyer mit“, erzählt Brosig.

Jeder willkommen, der abstinent leben möchte

Dabei gehören den Guttemplern nicht nur Suchtkranke an. „30 bis 40 Prozent kommen wegen der Geselligkeit, die bei uns eine große Rolle spielt. Hinzu kommen die Angehörigen. Bei uns ist jeder willkommen, der abstinent leben möchte. Wir haben Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten.“

Und was wünschen sich die Guttempler für das kommende Jahr, außer weitere Mitglieder? „Eine bessere Zusammenarbeit mit den Ärzten“, sagt Rath. Mit einigen bestehe schon ein guter Kontakt, aber es dürften gerne mehr sein. Viele Mediziner bekämen eine Einladung zu den Versammlungen der Guttempler, aber kaum jemand komme. Dabei könne man wunderbar Hand in Hand zum Wohle der Betroffenen arbeiten.

Lernen, mit Problemen umzugehen

Leider versuchten manche Ärzte, den Patienten allein durch Medikamente zu helfen. „Aber damit wird das eigentliche Problem nicht gelöst“, glaubt Rath und hofft, dass mehr Ärzte ihren Klienten den Weg zu den Guttemplern weisen. „Wir können nicht alle Probleme lösen, aber wir können helfen, besser mit ihnen umzugehen.“

Gewissermaßen den Abschluss des Jahres bildet für die Guttempler der Herbstball, zu dem sie für Samstag, 25. November, alle einladen, die abstinent feiern möchten. Los geht es um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) im Gasthaus Freye, Bassum-Osterbinde. Es gibt Büfett und Tanz. Anmeldungen bei Frank Brosig unter Telefon 04241/4470.

juk

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