Versuchter Totschlag oder Körperverletzung?

Student würgt Sykerin in der Neujahrsnacht

Syke - Von Dieter Niederheide. Einen Strafprozess wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung hat der Syker Jugendrichter jetzt ausgesetzt. Auf Anregung des Oberstaatsanwalts soll sich ein Student, der in der Neujahrsnacht eine Sykerin (20) bis zur Atemlosigkeit würgte, stattdessen wegen versuchten Totschlags verantworten.

Der Jugendrichter wird das Strafverfahren an das Landgericht Hannover – den Wohnsitz des Angeklagten – abgeben, wo es vor der Jugendstrafkammer als Schwurgerichtskammer verhandelt werden könnte.

Beim Landgericht Hannover wird geprüft, vor welchem Gericht das Strafverfahren letztlich stattfindet. Zur Diskussion steht auch die Einschaltung eines Sachverständigen, um die Schuldfähigkeit zu prüfen. Der Jugendrichter beendete den Strafprozess im Gerichtssaal mit den Worten: „Ich bin der Meinung, dass wir heute nicht entscheiden können.“

Der Heranwachsende ist angeklagt der vierfachen gefährlichen Körperverletzung sowie der Bedrohung. Es war in der Neujahrsnacht 2018, als in einer Wohnung in Syke die Lage eskalierte. Der Heranwachsende: „Die Nacht ist aus dem Ruder gelaufen.“ Der Alkohol habe bei ihm eine entscheidende Rolle gespielt. Bevor er auf der Silvesterfete eintraf, hatte er an anderer Stelle schon „vorgeglüht“.

Als er in der Wohnung der Gastgeberin mehrfach erbrach, entstand der Streit, in dessen Verlauf der junge Mann vor dem Haus in Syke die 20-jährige Sykerin brutal anging. Laut Anklage würgte er die Frau noch, als sie schon am Boden lag.

Zum Landgericht verwiesen

Die Frau sagte als Zeugin aus: „Ich habe in dem Moment mit meinem Leben abgeschlossen.“ Sie bekam Atemprobleme und hatte Würgemale, die noch einige Zeit Schmerzen bereiteten.

Die Aussage der Zeugin war für den Oberstaatsanwalt Anlass zur Anregung, das Strafverfahren an eine höhere Instanz abzugeben. Vor der Entscheidung wurden dennoch die anderen Zeugen gehört. Einige hatten den Angeklagten von der am Boden liegenden Frau fortgerissen. Ein Heranwachsender aus Barrien, dem ins Gesicht geschlagen und an den Hals gefasst wurde, sagte aus, dass die Sykerin am Boden lag und nicht mehr atmete. Ein Heranwachsender aus Syke wollte den Angeklagten beruhigen und wurde von diesem ebenfalls gewürgt. Im Ringen mit dem 20-Jährigen kam zudem ein Klappmesser ins Spiel, das ihm einer der jungen Männer in einer Rangelei entreißen konnte. Der Angeklagte soll gedroht haben: „Wenn ihr die Polizei oder meine Eltern ruft, bringe ich euch um.“

Rubriklistenbild: © dpa

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