Barrier Kirchengemeinde gestaltet ältesten Teil des Friedhofs neu

Struktur statt Flickenteppich

Ein Anfang ist gemacht: Pastorin Katja Hedel (Mitte) sowie Kerstin Bach (links) und Gisela Schwarz vom Friedhofsausschuss der Barrier Kirchengemeinde wollen den „löchrigen“ unteren Teil des Friedhofgeländes wieder zu einem würdevollen Ort umgestalten.
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Ein Anfang ist gemacht: Pastorin Katja Hedel (Mitte) sowie Kerstin Bach (links) und Gisela Schwarz vom Friedhofsausschuss der Barrier Kirchengemeinde wollen den „löchrigen“ unteren Teil des Friedhofgeländes wieder zu einem würdevollen Ort umgestalten.

Barrien – Kinder aus den Tagesstätten Talita Kumi und Lüttjet Speelhus haben den Barrier Friedhof aufgehübscht. Als Teil eines langfristigen Projekts des Kirchenvorstands zur optischen Umgestaltung.

Im zur Bundesstraße gelegene Teil des Friedhofs haben die Kinder sieben Bäume gepflanzt und drei Blumenbeete angelegt. Dafür gab es knapp 1 700 Euro Fördergelder von der Bingo-Stiftung. Außerdem haben sie Nistkästen gebaut, die an den älteren Bäumen auf dem Gelände befestigt werden sollen.

Nur ein kleines Steinchen in einem größeren Mosaik. Denn die Neugestaltung des Friedhofs beschäftigt den Kirchenvorstand schon seit Jahren und wird auch noch weitere Jahre Thema bleiben.

Ziel ist es, aus dem unteren Teil des Geländes wieder „einen Ort der Ruhe zu machen, an dem Angehörige gern veweilen“, erklärt Pastorin Katja Hedel. Im Moment ist er das nicht. Und das hat seine Gründe.

Da wäre zunächst mal die Bundesstraße selbst. Als 1861 der Friedhof geweiht wurde, war der Verbrennungsmotor noch nicht mal erdacht, geschweige denn erfunden. Und niemand hätte sich damals vorstellen können, dass auf der Straße vor dem Eingangstor mal 20 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs sein würden. Heute bewirkt das zumindest im unteren Teil des Geländes eine ständige Geräuschkulisse. Aber wegdiskutieren oder wegwünschen lässt sich die Straße nicht.

Und dann wären da die Lebensumstände der Menschen, die sich in den letzten Jahrzehnten extrem verändert haben. Das wirkt sich auch auf die sogenannte Friedhofskultur aus. Die große Familie mit drei Generationen oder mehr unter einem Dach, wie sie früher üblich war, gibt es heute kaum noch. Die Menschen leben allein oder in kleineren Familienverbänden. Und oft weit weg von ihren Eltern und Großeltern. Folge: Große Familiengrabstätten sind längst nicht mehr gefragt.

Auf dem unteren Teil des Barrier Friedhofs haben sich daher mit der Zeit unübersehbare Lücken aufgetan. Wo die Ruhezeiten abgelaufen sind, sind große alte Familiengräber verschwunden. Mangels Nachfrage konnten die Grabstellen nicht neu vergeben werden. Ein Flickenteppich von Gräberfeld war die Konsequenz. „Es gab einen geordneten Plan. Aber der löst sich seit Jahren langsam auf“, sagt Katja Hedel. „Das ist aber auf allen alten Friedhöfen ein Problem.“

Die Flächen abtreten will die Kirchengemeinde nicht. Also lautet der Beschluss: „Wir gestalten diesen Teil so, dass die Grabstellen auch wieder gewürdigt werden können“, so die Pastorin. Heißt: Mit Bäumen und Blumenbeeten. Im Frühjahr kommt noch ein Blühstreifen als Biotop für Insekten dazu.

Am höher gelegenen Teil des Friedhofs lassen sich die veränderten Lebensumstände bereits gut ablesen: Dort dominieren kleinere Grabstellen. Wenig Blumen, dafür viele Grünpflanzen, viel Mulch und viele Kieselsteinchen. Daneben sind Rasengräber angelegt mit lediglich einer Namensplakette an der Einfriedung. Wer will, kann einen Grabstein im unmittelbar angrenzenden Beet aufstellen, das von der Kirchengemeinde gepflegt wird. Und dahinter liegt das Gräberfeld für Urnenbestattungen.

Alles Grabformen, bei denen sich die Angehörigen nicht um Pflege kümmern müssen. Und übrigens auch ein Zeichen, dass Barrien schon sehr städtisch geprägt ist. Katja Hedel: „Je weiter man raus aufs Land kommt, desto häufiger findet man noch die traditionellen Bestattungsformen.“

Von Michael Walter

Drei Tage waren die Kinder beschäftigt. Die von der Kita Talita Kumi haben gegärtnert, die vom Lüttjen Speelhus haben Nistästen gebaut.

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