School for Ghana: Heiligenfelder Verein sammelt Spenden für Projekt

Strom aus der Sonne Westafrikas

Unterricht an der Da Vinci School in Accra: Mit Maske und im Freien. Die unteren Klassen dürfen inzwischen wieder zur Schule gehen. Für den Realschulzweig dürfte es vermutlich aber erst 2022 wieder losgehen.
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Unterricht an der Da Vinci School in Accra: Mit Maske und im Freien. Die unteren Klassen dürfen inzwischen wieder zur Schule gehen. Für den Realschulzweig dürfte es vermutlich aber erst 2022 wieder losgehen.

Heiligenfelde – Shepherd’s Heart ist in Heiligenfelde ein Begriff: Die Kirchengemeinde unterstützt seit vielen Jahren diese christliche Organisation, die in Ghana mehrere Schulen betreibt. Dieses öffentlich relativ prominente Engagement überschattet ein wenig, dass es im Ort eine zweite Organisation gibt, die etwas ganz ähnliches macht: Den Verein School for Ghana.

Er unterstützt eine Schule, die Regina Barg – ehemals Bassum – in der Hauptstadt Accra gegründet hat und leitet.

„Uns gibt’s seit 2014“, sagt der Vereinsvorsitzende Ralf Stege und erzählt die Vorgeschichte: Regina Barg ist die ehemalige Leiterin des Grundschulzweigs der Lukasschule in Bassum. „Unser Sohn ging dort zur Schule, darüber kennen wir uns.“ Ungewöhnlich: „Mit der Zeit hat sich ein Freundeskreis aus Eltern und Lehrern gebildet. Regina gehörte dazu.“ 2012 verwirklichte Barg dann einen Lebenstraum und wanderte nach Westafrika aus. Zunächst nach Nigeria – dort war es aber wegen bürgerkriegsähnlicher Zustände nicht sicher – und dann nach Ghana. Dort gründete sie in der Hauptstadt Accra eine Schule, die sie bis heute selbst leitet. Und ihr Freundeskreis in Deutschland beschloss, sie nach Kräften dabei zu unterstützen.

„Wir haben sehr lange rumgedoktert, bis wir einen Verein gegründet und die Satzung so finanzamtskonform hatten, dass wir auch Spendenquittungen ausstellen dürfen“, erzählt Stege. Denn darum geht es: Spenden zu sammeln, die zu Unterhalt- und Betriebskosten der Schule beitragen. „Als wir den Verein soweit hatten, war Regina schon ein Jahr an ihrer Schule aktiv.“

Die Da Vinci School am nördlichen Stadtrand von Accra gehört zu den wenigen, die Deutschunterricht anbieten und ist deshalb relativ beliebt. Zuletzt waren dort rund 200 Kinder in den Jahrgängen 1 bis 9 – viel, findet Ralf Stege. Denn die Schule ist nur klein. Dazu kommt noch eine Vorschulgruppe plus die Nursery – quasi eine Krippe.

„Wenn die Eltern arbeiten, wissen sie oft nicht, wohin mit den Kindern“, erklärt Stege. „Deshalb müssen die ganz kleinen von Anfang an mit zur Schule. Sonst müssten sich die älteren um ihre jüngeren Geschwister kümmern und könnten selber nicht zur Schule gehen.“

Wegen der Corona-Pandemie musste die Schule im März 2020 von einem Tag auf den anderen schließen. Wie alle anderen in Ghana auch. Und sie blieb geschlossen bis Januar 2021. Lediglich der Abschlussjahrgang durfte sich zehn Wochen lang auf seine Prüfungen vorbereiten. „Regina war fast das ganze Jahr völlig allein in der Schule“, erzählt Stege. „Das war für sie sehr befremdlich.“ Seit Januar haben zumindest die Grundschuljahrgänge wieder Unterricht. Für die weiterführenden Jahrgänge wird es wohl erst 2022 wieder losgehen. Ein Grund: Keine Schule, keine Schüler. Keine Schüler, kein Schulgeld. Kein Schulgeld, keine Einnahmen. Und keine Einnahmen, keine Gehälter. Fast alle Lehrer mussten sich während der Schulschließung neue Jobs suchen. Und längst nicht alle sind danach wieder zurück gekommen.

Ungewohnte Situation: Regina Barg war seit März 2020 fast ein ganzes Jahr völlig allein in ihrer Schule.

„Es werden neue Lehrer akquiriert“, sagt Stege. „Aber dazu müssen erstmal Gehälter gezahlt werden können. Da kommen wir als Förderverein wieder ins Spiel.“

Und für eine zweite Baustelle, die Regina Barg buchstäblich bevorsteht: eine Solarstrom-Anlage. „Es gibt relativ häufig Stromausfälle in den Randbezirken, zum Teil über mehrere Tage“, weiß Stege. „Wenn der Strom dann wiederkommt, gibt es heftige Überspannungen. Ich hab gerade erst mit Regina telefoniert. Sie sagt, es vergeht kein Tag, an dem in Accra nicht irgendwo ein Gebäude wegen dieser Überspannungen in Brand gerät. Davor hat sie große Angst.“ Deshalb ist der Plan, den Strom für die Da Vinci School aus Sonnenenergie selbst zu erzeugen. Für Ralf Stege eine naheliegende Idee. „Ghana liegt in Äquatornähe. Da scheint von 6 bis 18 Uhr die Sonne, und das an 300 Tagen im Jahr.“

Ralf Stege vom Fördervereins School for Accra.

Im April hat der Verein eine Fundraising-Aktion dafür gestartet. Mit bisher allerdings eher bescheidenem Erfolg. Ralf Stege vermutet: „Auf Fundraising gibt es keine Spendenquittung. Deswegen haben viele wieder Abstand genommen.“ Weshalb der Verein jetzt einen zweiten Anlauf startet und versucht, die Solarstromanlage über Spenden zu finanzieren.

Weitere Infos

www.school-for-ghana.de

Von Michael Walter

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