Disharmonie im Kirchenchor

Streit um Impfstatus: Syker Chorleiter Svavar Sigurdsson kündigt nach Auseinandersetzung

Der Syker Kirchenchor und Svavar Sigurdsson (r.) gehen künftig getrennte Wege.
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Der Syker Kirchenchor und Svavar Sigurdsson (r.) gehen künftig getrennte Wege.

Personalwechsel bei den Chören der Syker Christus-Kirchengemeinde: Svavar Sigurdsson, seit knapp sechs Jahren der Leiter des Gospelchores GoSpellOn und des Syker Kirchenchores, hat zum 31. März gekündigt. Die Brisanz dieser Entscheidung liegt in den Hintergründen, die zumindest teilweise zur Trennung geführt haben.

Syke – Sigurdsson ist nicht geimpft, und dieser Umstand soll nach Informationen dieser Zeitung letztlich zum Zerwürfnis zwischen Chorleiter und seinem Arbeitgeber, dem Förderverein für Gospel- und Kirchenmusik, geführt haben.

Erst in den vergangenen beiden Monaten war das Problem innerhalb der Chöre offenkundig geworden. Einzelne geimpfte Chormitglieder brachten ihren Unmut über den Impfstatus ihres Chorleiters zum Ausdruck. Daran hätten auch die vorgelegten Testzertifikate Sigurdssons nichts geändert.

Es ist schon verwunderlich, dass der Impfstatus eines Menschen ans Licht gebracht werden muss.

Svavar Sigurdsson

Auf Nachfrage dieser Zeitung bittet der Isländer um Verständnis, dass er zu internen Angelegenheiten keine Aussagen treffen möchte. Er betont allerdings auch: „Es ist schon verwunderlich, dass der Impfstatus eines Menschen ans Licht gebracht werden muss.“

Dr. Ulrich Ellinghaus, der sowohl Chormitglied als auch Vorsitzender des Fördervereins ist, berichtet davon, dass das innerhalb des Kirchenchores anders gesehen worden sei. „Einige Chormitglieder hätten sich mehr Offenheit mit dem Thema gewünscht“, erklärt er auf Nachfrage. Sie fühlten sich von ihrem Chorleiter „hinters Licht geführt“.

Ellinghaus weist im Zuge der bevorstehenden Trennung noch auf einen weiteren Faktor hin. Einige Mitglieder der Chöre hätten nach fünf Jahren unter Sigurdsson den Wunsch geäußert, „dass da mehr Dynamik reinkommt“. Es habe Unzufriedenheit mit dem gegeben, was die Chöre auf die Beine stellten.

Einige Chormitglieder hätten sich mehr Offenheit mit dem Thema gewünscht.

Dr. Ulrich Ellinghaus

„Svavar Sigurdsson hat immer betont, dass er kein Chorleiter, sondern Musiker ist“, erklärt Ellinghaus. Das habe unter anderem dazu geführt, dass einige Dinge, die zur Arbeit eines Chorleiters gehörten, von Mitgliedern des Chores übernommen wurden. „Das kenne ich so von anderen Chorleitern nicht.“ Hätte es diese Problematik nicht gegeben, „hätten wir vielleicht noch eine Weile weitergemacht“, mutmaßt Ellinghaus.

Svavar Sigurdsson verlässt die Kirchengemeinde Syke.

Chorleiter und Chormitglieder haben sich seit Monaten vor jeder Probe eigenverantwortlich getestet. „100-prozentig sicher ist man natürlich nie“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins. Die Vorbehalte gegen Sigurdsson kann dieser auch rückblickend nicht verstehen. „Wie das gehandhabt wird – diese Wut einiger – ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Der Streit am Ende der gemeinsamen Arbeit legt sich wie ein Missklang über „gute Jahre mit den beiden Chören“, wie Sigurdsson betont. Auch Ellinghaus möchte „nicht von verlorenen Jahren sprechen“. Sigurdsson sei es gelungen, dem Chor viel neues Gospel-Liedgut zu vermitteln. „Wir blicken dankbar auf fünf gemeinsame Jahre und auf eine Vielzahl toller Konzerte.“

Ellinghaus hob auch die „gewisse Lockerheit des Vortragens“ bei Sigurdsson durchaus anerkennend hervor. Im Vergleich zu anderen Leitern seien allerdings Elemente wie Stimmbildung vielleicht zu kurz gekommen.

Ein neuer Chorleiter könnte „einen anderen Spirit ‘reinbringen“, ist Ulrich Ellinghaus zuversichtlich. „Ich bin sicher, dass wir mehr Input und mehr Auslastung bekommen.“

Sein Optimismus begründet sich vor allem in der Person des designierten Nachfolgers: Der Förderverein ist sich einig mit Ralf Wosch, der als Kirchenkreiskantor nicht nur über ein hohes Renommee, sondern auch über eine gute Vernetzung verfügt. Von beiden Parteien gibt es eine mündliche Zusage über die gemeinsame Zusammenarbeit.

Kreiskantor Ralf Wosch steht als Nachfolger von Sigurdsson bereit.

Das Vertragsverhältnis von Förderverein und Sigurdsson endet spätestens Ende März; die beteiligten Parteien stehen derzeit noch in den Abstimmungsverhandlungen über eine mögliche Verkürzung. Erst wenn der eine Vertrag abgeschlossen ist, soll ein neuer aufgesetzt werden. Wosch werde die Leitung beider Chöre übernehmen, „soweit die das auch wollen“.

Für den isländischen Musiker ist die derzeitige Situation ohnehin kompliziert. „In diesem Land“, betont der 54-Jährige, „ist es als soloselbstständiger Musiker im Moment sehr, sehr schwierig.“

Von Frank Jaursch

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