Forscherin fordert integratives Management

Claudia Pahl-Wostl stellt Strategien gegen Wasserstress vor

Fordert einen neuen Umgang mit der Ressource Wasser: Claudia Pahl-Wostl.
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Fordert einen neuen Umgang mit der Ressource Wasser: Claudia Pahl-Wostl.

Landkreis Diepholz – Wasser ist das Lebenselixier. Aber wenn es in 30 Jahren noch qualitativ hochwertig und bezahlbar zur Verfügung stehen soll, muss schnellstmöglich ein Kurswechsel her. Das ist die Botschaft von Professorin Claudia Pahl-Wostl von der Universität Osnabrück. Sie gilt als eine der einflussreichsten Forscherinnen der Welt. Ihre Themen:

Nachhaltigkeit, Management von Wasserressourcen und ökologische Landwirtschaft. Auf Einladung der Grünen erklärte die Chemikerin und Molekularbiologin (Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück) am Freitag im Dorfgemeinschaftshaus Syke-Heiligenfelde, wie der Paradigmenwechsel gestaltet und warum schnell gehandelt werden muss.

Über knapp 60 Zuhörer freuen sich Gerhard Thiel und seine Frau Martina Thiel-Wolf für die Gastgeber an diesem Abend. Einziger Wermutstropfen: Die visuelle Technik funktioniert nicht, Claudia Pahl-Wostl muss ohne Präsentation auskommen. Doch Fakten und Forderungen sind auch so von elementarer Brisanz. Wasser ist knapp – auch in Deutschland, „wenn man den Bedarf der Ökosysteme berücksichtigt“, erklärt die Professorin.

Vom Wasserstress in Australien mit sehr stark ausgeprägten, extrem trockenen Regionen sind die Menschen hierzulande zwar noch entfernt. „Aber es gab schon Konflikte in den drei trockenen Jahren“, gibt die Forscherin zu bedenken. 2018, 2019 und 2020 waren Ausnahmejahre: Solche Dürreperioden seien in den vergangenen 70 Jahren nicht beobachtet worden, so die Forscherin: „Das ist wirklich ein neues Phänomen!“ Ganz zu schweigen davon, dass 2018 sogar 80 Prozent der Flächen betroffen gewesen seien, mahnt sie mit Verweis auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.

„Es muss nicht zum Konflikt kommen, wenn wir die Wasserressource anders managen“, betont Claudia Pahl-Wostl. Sie hat zuvor drei Zahlen genannt, die schnellen Handlungsbedarf zeigen: Die Landwirtschaft in Spanien verbrauche mittlerweile 70 Prozent des Trinkwassers – in Deutschland dagegen vergleichsweise wenig: „1,3 Prozent entfällt auf die Bewässerung der Landwirtschaft“, erklärt die Professorin. Aber: „Man muss damit rechnen, dass die Landwirtschaft in Zukunft höhere Ansprüche hat.“ Auch die Forstwirtschaft habe Bedarf.

22 Prozent verbrauche die öffentliche Wasserversorgung. Aber auch die Energieversorgung benötige einen großen Teil. Ein weiteres Problem: die zunehmende Belastung des Grundwassers mit Nitraten, immer wieder ein Konfliktthema: „Seit 30 Jahren wird über intensive Landwirtschaft diskutiert“, stellt die Professorin emotionslos fest – und übt Kritik am Biogas-Boom: „Es war gut gemeint“, aber die Gärreste auf den Äckern zu entsorgen, habe zur Verschärfung der Nitrat-Problematik geführt. Ganz zu schweigen davon, dass die Pachtpreise förmlich explodiert seien.

Und was ist die Lösung? „Man muss integrativ denken.“ Die Ressource Wasser müsse über Grenzen hinweg als Prioritätsthema betrachtet und behandelt werden. Der entscheidende Schlüssel dabei: naturnahe Gestaltung von Flüssen, Bächen und Auen. „90 Prozent der Feuchtgebiete sind verschwunden“, blickt die Forscherin auf den Status quo. Aber es seien die Feuchtgebiete, die eine zentrale Bedeutung für das Ökosystem hätten.

Dass Renaturierung über Länder- sowie Verwaltungsgrenzen hinweg und mit gemeinsamer Beteiligung der unterschiedlichen Interessensgruppen gelingen kann, erläutert die Referentin am Beispiel der Emscher, eines Nebenflusses des Rheins. Unmissverständlich fordert die Forscherin mehr Flexibilität. Sowohl auf der politischen Ebene als auch in der Verwaltung brauche man eine neue Kooperationskultur, „damit wir endlich mal vorankommen“.

Aber das geht mehreren Zuhörern nicht weit und nicht schnell genug: „Wir müssen jetzt handeln!“, fordert Sylvia Holste-Hagen als Bundestagskandidatin der Grünen – und mahnt, dass Mikroplastik und Abbaureste aus der Antibiotika-Behandlung von Tier und Mensch ungefiltert in den Wasserkreislauf gelangen. Ein Zuhörer fordert strikten Landschaftsschutz: „Die Wissenschaft sagt, dass wir 30 Prozent unserer landwirtschaftlichen Flächen in Ruhe lassen müssen, damit die Böden regenerieren können.“ Genauso kritisch sei die Versiegelung von Flächen. Laut ist die Forderung nach einem Kurswechsel: „Die aktuelle Politik fördert das aktuelle System.“

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