Motorradveteranen von vor 1914 gehen in Wachendorf auf Pionierfahrt

Strampeln, bis die Zündung kommt

Man mag es nicht glauben, aber die Organisatoren (v.l.) Hans Göbel, Kurt Harries und Bernd Tafel trauen sich mit diesen mehr als 100 Jahre alten Motorrädern am Sonnabend auf zwei Ausfahrten, bei denen die Maschinen fast 100 Kilometer zurücklegen. - Fotos: Archiv, bt

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Kurt Harries veranstaltet am Wochenende zum dritten Mal eine VFV-Pionierfahrt und erwartet dazu etwa 20 Fahrrad- und 40 Motorrad-Oldtimer.

Diese von Johannes Götze aus Berlin gesteuerte Bradbury, Baujahr 1911 mit Seitenwagen gehört auch zu den Zweirad-Veteranen, die an der Pionierfahrt teilnehmen.

Hinter dem Kürzel VFV verbirgt sich der Veteranen-Fahrzeug-Verband, dem bundesweit etwa 3200 Mitglieder und 220 Clubs in aller Welt angehören. Die Teilnehmer an dieser dritten VFV-Pionierfahrt Niedersachsen müssen über Talente und Eigenschaften verfügen, die bei den meisten Verkehrsteilnehmern heute eher selten sind: Geduld, technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und eine gewisse Leidensfähigkeit. Denn ihre Fortbewegungsmittel sind historische Motorräder bis (!) Baujahr 1914. Es sind unvergleichliche Kuriositäten, die mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefahren werden müssen und viel liebevolle Zuwendung und Pflege benötigen. Aber die Maschinen danken es ihren Besitzern, indem sie auch mit 100 und mehr Betriebsjahren auf dem Buckel noch immer zuverlässig schnurren.

Bis sie allerdings schnurren, müssen die Fahrer kräftig arbeiten, denn in der Motorrad-Steinzeit, aus der die Clement, Progress, Bradbury, oder Terrot stammen, gab es noch keinen elektrischen Anlasser. Da muss gestrampelt werden, bis die Zündung einsetzt. Und weil es auch noch keine Kupplung gab, wird der Motor vor jeder roten Ampel abgewürgt.

Nur mit viel Erfahrung lässt sich diese Prozedur umgehen, der ja anschließend wieder das mühevolle Antreten folgen muss. Das Zauberwort lautet „vorausschauend fahren“. Vor der Ampel die Fahrt so drosseln, dass man ohne anzuhalten bei Grün durchfahren kann.

Unter jedem Motorrad liegt ein kleiner Ölauffangbehälter, denn die Motoren müssen immer optimal geschmiert sein. Nicht zu fett, weil dann die Keilriemen rutschen würden, und natürlich nicht zu mager, damit sich nichts festbrennt.

Die Ölzufuhr ist ohnehin eine Wissenschaft für sich: Einige Maschinen haben über dem Motor zwei Tanks. Einen für den Treibstoff und einen für das Öl, das unterwegs per Handpumpe zugefügt wird. Viele andere technische Details erfordern ebenfalls Improvisationstalent und Geduld.

Am Sonnabend starten die Teilnehmer zu ihrer ersten Ausfahrt um 10 Uhr. Dann geht es von Wachendorf über Süstedt, Uenzen, Bruchhausen-Vilsen und Hoyerhagen nach Bücken, wo sie von Dieter Mühlenbruch erwartet und mit Kaffee und Kuchen für die Rückfahrt fit gemacht werden. Dann geht es über Haendorf, Heiligenberg und Süstedt zurück nach Wachendorf.

Nachmittags beginnt eine zweite Rundfahrt, die zum Erbhof nach Thedinghausen und zurück über Felde und Osterholz führt. Insgesamt liegen gut 85 Kilometer vor den Motorrad-Veteranen. Doch die Streckenführung wurde so geplant, dass die Teilnehmer unterwegs von Ampeln verschont bleiben. Aber dafür sind die Straßen nicht überall eben. An den Steigungen kann den kleinen Motoren mit teilweise nicht viel mehr als einem PS schon mal die Puste ausgehen. Dann ist wieder der Fahrer gefragt, der zur Unterstützung in die Pedale treten muss. Das alles ist schnell vergessen, wenn es mit rasanten 30 bis 35 km/h volle Pulle bergab geht.

Eröffnet wird das Treffen schon am Freitag, 27. Mai, mit einer Fahrrad-Veteranen-Rundfahrt, die etwa 16 Kilometer lang ist und über Schnepke zum Syker Waldstadion führt. Die Tour beginnt um 15 Uhr, gegen 17.30 Uhr werden die Teilnehmer in Wachendorf zurück erwartet, wo ein Grillfest gefeiert wird.

www.Veteranen-Fahrzeug-Verband.de

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