Strafprozess eingestellt

B6-Unfall: Lkw-Fahrer zahlt 1300 Euro

Syke/Barrien - Von Dieter Niederheide. Noch immer leiden vier Menschen an den schweren Verletzungen, die sie bei einem folgenschweren Verkehrsunfall am 28. Januar auf der Bundesstraße 6 in Barrien erlitten haben. Jetzt wurde gegen einen 33-jährigen Lastwagenfahrer aus dem Raum Hannover wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amtsgericht Syke verhandelt.

Der Mann hatte gegen einen Strafbefehl in Höhe von 2000 Euro Einspruch eingelegt. Am Ende der Beweisaufnahme wurde das Strafverfahren auf Anregung des Verteidigers mit Einverständnis der Staatsanwältin eingestellt. Der Kraftfahrer zahlt eine Geldauflage von 1300 Euro.

Die Beweisaufnahme – es wurden neun Zeugen angehört – ergab, dass den Angeklagten nur eine geringe Schuld am Unfallgeschehen trifft. Es hieß, dass er zumindest einen zu geringen Sicherheitsabstand zu dem Auto vor ihm eingehalten hatte. Der Lastwagenfahrer war auf den Wagen eines 75-jährigen Landwirts aus der Region aufgefahren.

Zum Unfallhergang: In den Vormittagsstunden befuhr der Landwirt mit seinem Auto die Bundesstraße. Er wollte abbiegen – so seine Angabe vor der Strafrichterin –, deshalb habe er die Geschwindigkeit verringert und den Blinker gesetzt.

Der Fahrer des ihm folgende Lastwagen (Zugmaschine mit Hänger) fuhr auf das Auto auf und schob es in die Gegenfahrbahn. Dort kollidierte das Auto mit einem entgegenkommenden Wagen, in dem zwei Frauen (76 und 78 Jahre) und der Fahrer (77) aus Bremen saßen. Der Bremer Wagen touchierte anschließend die Leitplanke.

Die alarmierten Einsatzkräfte mussten die Frauen aus dem demolierten Auto bergen. Die Frauen erlitten schwerste Verletzungen mit Knochenbrüchen, wurden operiert, lagen längere Zeit im Krankenhaus und werden noch ärztlich behandelt. Erheblich verletzt wurde auch der Landwirt, der ebenfalls operiert werden musste und nach eigenen Angaben seinen Landwirtschaftsbetrieb nicht mehr weiterführen kann.

In der Beweisaufnahme stand die Frage im Raum, ob der Landwirt zum Abbiegen tatsächlich den Blinker gesetzt hatte. Der Angeklagte gab an, dass das Auto vor ihm plötzlich eine Vollbremsung gemacht habe. „Er bremste auf Null ab“, sagte der Kraftfahrer. Ein Abbiegevorgang sei für ihn nicht erkennbar gewesen.

War der Blinker

wirklich gesetzt?

Zeugen konnten sich zum Teil nicht mehr erinnern, ob der Blinker aktiv war. Eine Polizeibeamtin sagte allerdings aus, dass der Blinker blinkte, als sie sich dem Wagen des Landwirts näherte. Dann habe der Landwirt selber den Blinker ausgeschaltet. Der Verteidiger hielt der Polizistin vor, dass sie das im Bericht nicht vermerkt habe. Der Landwirt sagte selber: „Ich habe mich eingeordnet zum Abbiegen und den Blinker gesetzt. Das mache ich immer so.“

Ungeklärt blieb die Frage, ob der Landwirt zum Unfallzeitpunkt angeschnallt war. Er selbst gab an: „Ich schnall‘ mich grundsätzlich immer an.“

Vom Verteidiger kam der Anstoß ein analytisches Gutachten zur Klärung des Geschehens einzuholen. Es gehe ihm darum, den Grad der Fahrlässigkeit, die seinem Mandanten zur Last gelegt werde, festzustellen.

Am Ende wurde das Verfahren eingestellt. Von der Versicherung gab es bereits eine Schadensregulierung.

Rubriklistenbild: © dpa

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