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Digitaler Impfpass startet holprig: „Werden echt auf den Arm genommen“

Bei der Ausstellung des digitalen Impfpasses für unseren Fotografen ist Rena Inhülsen von der Syker Hache-Apotheke am Montagnachmittag noch mehrfach aus dem System geflogen.
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Bei der Ausstellung des digitalen Impfpasses für unseren Fotografen ist Rena Inhülsen von der Syker Hache-Apotheke am Montagnachmittag noch mehrfach aus dem System geflogen.

Apothekerinnen und Apotheker brauchen dieser Tage starke Nerven und müssen schnell reagieren können. Erst kürzlich wurden sie praktisch über Nacht in einer Hauruck-Aktion des Gesundheitsministeriums bei der kostenlosen Maskenabgabe eingeplant. Jetzt hat das Ministerium offenbar ebenso kurzfristig beschlossen, unter anderem die Apotheken mit der Ausstellung des neuen digitalen Impfpasses zu beauftragen.

Landkreis Diepholz – „Die Informationen waren eine Katastrophe“, sagt Apothekerin Edith Siebel aus Rehden. Immerhin konnte sie am Montagvormittag Zertifikate ausstellen – anders als viele andere, die mit zusammengebrochenen Servern aufgrund der hohen Nachfrage kämpfen mussten. Das war natürlich nicht auf den Kreis Diepholz beschränkt, auch im Landkreis Rotenburg kam es zu Störungen.

Apothekerin fühlt sich von spontan geforderten Aktionen auf den Arm genommen

Schon am Wochenende habe sie sich am heimischen Laptop mit der Zertifikat-Ausstellung vertraut gemacht, berichtet Siebel. Nur wenige Tage zuvor hatte sie erfahren, dass die Apotheken die neuen digitalen Impfpässe ausstellen sollen. Gab es etwa erneut keinerlei Vorwarnung, wie schon damals bei den Masken? „Nein, überhaupt nicht. Nicht im Ansatz!“, ärgert sich die Apothekerin. „Erst die Masken, dann die Tests, jetzt die Zertifikate. Da werden wir echt so auf den Arm genommen!“

Am Montag fand sich folgender Hinweis auf dem für die Ausstellung der digitalen Impfpässe erforderlichen Verbändeportal der deutschen Apothekerschaft (www.mein-apothekenpotal.de und www.mein-apothekenmanager.de): „Unsere Hotline ist überlastet, bitte sehen Sie von Anrufen bzgl. des digitalen Impfzertifikats ab, Sie werden zeitnah detailliert von uns informiert.“

Zeitaufwand: 10 Minuten pro Person und digitalem Impfpass

Dennoch gelang es Siebel, sich auf der Plattform anzumelden und am Vormittag bereits fünf digitale Impfpässe auszustellen. Auf den Smartphones der Kunden einrichten tut sie diese dann allerdings nicht. „Ich möchte nicht mit den Smartphones fremder Leute rumhampeln“, sagt Siebel. Stattdessen gibt es einen ausgedruckten Zettel mit dem erforderlichen QR-Code – dann könne sich jeder selbst damit auseinandersetzen. Viel Zeit würde nämlich schon allein bei der Ausstellung draufgehen. „Es dauert pro Person bestimmt zehn Minuten.“

Einige Kilometer weiter in der Syker Hache-Apotheke waren die Angestellten ebenfalls von der Ankündigung des Gesundheitsministeriums überrascht. „Der Vorlauf war genauso schlecht wie damals. Es war ein Déjà-vu“, sagt Inhaberin Rena Inhülsen. Richtig verärgert scheint sie allerdings nicht zu sein. „Diesmal bin ich ziemlich zufrieden“, erklärt Inhülsen stattdessen. Erstens sei ihre Apotheke durch die technischen Vorbereitungen auf das E-Rezept bereits für die Impfpass-Ausstellung gewappnet gewesen. Und zweitens: Auch wenn sie und ihre Mitarbeiter anfangs Probleme gehabt hätten, auf das Portal zu kommen: „Seit 11 Uhr klappt alles reibungslos.“ Rund 20 Impfpässe hätten sie bis 15 Uhr bereits ausgestellt. Von zehn Kunden, die bereits vor 11 Uhr da gewesen seien, hätten sie die Telefonnummern notiert. „Die, die morgen verreisen wollen, haben alle schon ihren digitalen Impfpass“, so Inhülsen.

Manche Apotheken werden auf Mitte der Woche vertröstet bis das System läuft

Für Interessierte hat Inhülsen derweil noch einen Hinweis: Sie sollten die Corona-Warn-App oder die App CovPass bereits in der aktuellen Version installiert und eingerichtet haben, wenn sie vorbeikommen.

Während die Syker Apothekerin für den Serverzusammenbruch am Morgen Verständnis zeigt – es sei schließlich ein ähnlicher Ansturm wie beim Online-Verkauf von Konzertkarten – schauten die Mitarbeiter der Uhlhorn-Apotheken auch am Nachmittag noch in die Röhre. „Wir haben noch nichts ausstellen können“, berichtet Eva Block als stellvertretende Leiterin der Mühlen-Apotheke in Twistringen. Sie könne sich zwar auf dem Portal anmelden, allerdings sei das Modul nicht freigeschaltet. Eigentlich müsste sie die Daten der Kunden dort angeben, mit dem Impfpass abgleichen und dann einen QR-Code angezeigt bekommen. Doch das war auch am Montagnachmittag noch nicht möglich. Auf Nachfrage habe sie dann die Auskunft erhalten, dass das Portal Mitte der Woche funktionieren sollte.

Gelassen bleibt die Apothekerin dennoch. „Man hat gelernt, da entspannter mit umzugehen als beim letzten Mal“, sagt sie mit Rückblick auf das Maskenchaos und lacht. Auch die Kunden seien deutlich entspannter und hätten Verständnis für die Situation. Ein Andrang wie bei den Gratis-Masken sei bislang ausgeblieben. Aber, so Block: „Das Telefon klingelt schon häufiger.“

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