Überaltert und kaum mehr präsent

VVV Syke steht vor dem Aus

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Der VVV Syke kreist bereits seit einiger Zeit vorwiegend nur noch um sich selbst. Hier wird Helmut Kastens (links) gerade vom Vorsitzenden Volker Galperin und Gabriele Beständig zum Ehrenmitglied ernannt. Die Aufnahme stammt vom Mai 2014.

Syke - Von Michael Walter. Der VVV Syke ist derzeit im 117. Jahr seines Bestehens. Es könnte gut sein, dass er das 118. nicht mehr erlebt. Der Verkehrs-, Verschönerungs- und Bürgerverein steht vor der Auflösung. Das bestätigte gestern der Vorsitzende Volker Galperin im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Das grundlegende Problem ist nicht neu, und der VVV ist nicht der einzige Verein, der darunter leidet: Eine überalterte Mitgliederstruktur und zu wenig frisches Blut. „Die Rekrutierung ist eigentlich null“, drückt Galperin es etwas militärisch aus. Seit 2009 ist er Vorsitzender des VVV. „In dieser Zeit haben wir genau ein neues Mitglied bekommen.“

Als der Verein 1901 gegründet wurde, boomte Syke gerade als Wochenend- und Sommerfrische für die Bremer. Vorrangiges Ziel war es damals, den Ort – Stadt wurde Syke erst 1926 – attraktiv zu vermarkten und eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Mit der Zeit wandelte sich der Schwerpunkt. Der VVV verstand sich zunehmend als eine Art Bindeglied zwischen den anderen Syker Vereinen – als eine Art Über-Verein. Und seit etwa den 1990er Jahren lag die Betonung im Selbstverständnis vorwiegend beim „Bürger“-Verein.

Aktuell hat der VVV noch 81 Mitglieder. Gar nicht mal wenig. „Aber die meisten davon stehen nur noch auf dem Papier“, sagt Galperin. Auch das kennt man von anderen Vereinen: Die tatsächlich Aktiven kann man an den Fingern zweier Hände abzählen. Beim VVV kommt erschwerend hinzu: „Sechs Mitglieder aus unserem erweiterten Vorstand sind körperlich nicht mehr in der Lage, aktiv mitzuarbeiten“, so Galperin. Denn der VVV ist nicht nur vom Gründungsdatum her einer der ältesten Syker Vereine, sondern auch in Bezug auf die Mitglieder.

Versuche neue Menschen zu interessieren, schlugen fehl

„Unser Durchschnittsalter liegt weit in der zweiten Hälfte der 70er“, sagt Galperin – der da selbst keine Ausnahme bildet. Er liegt mit seinen 78 Lenzen genau in diesem Bereich.

Alle Versuche, neue Menschen für den Verein zu interessieren, sind laut Galperin in den letzten Jahren fehlgeschlagen. Als Beispiel erwähnt er den 2015 eingeführten „Runden Tisch“. Das Prinzip: Einen externen Experten zu einem gerade aktuellen Thema einladen und hinterher drüber diskutieren. „Sechsmal haben wir das gemacht, einmal im Monat. Außer uns selbst war niemand da. Ausnahme: Als es um moderne Bestattungsformen ging. Da hatten wir genau ein Ehepaar zu Gast.“

Zuletzt ist der VVV 2016 öffentlich präsent gewesen, als er am Hohen Berg das Denkmal zum „Gesseler Goldschatz“ eingeweiht hat.

Und nun? – Eine Fusion mit dem Verein Rund ums Syker Rathaus wäre möglich, aber schwierig umzusetzen, sagt Galperin. Einfacher sei es, den VVV aufzulösen, und wer mag, tritt dann dem anderen Verein bei. Im November soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung darüber beraten. Wie etliche andere im Verein hofft auch Galperin auf machbare Vorschläge, den VVV zu retten. „Aber dazu müsste es schon in Richtung Wunder gehen“, sagt er. „Und ich meine ein großes Wunder.“

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