Stefan Schridde: Geplante Obsoleszenz ist alles andere als eine Verschwörungstheorie / Handel und Hersteller stärker in die Pflicht nehmen

Diese Tsttur ist ngelneu und funktioniert einwndfrei

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Stefan Schridde und seine Gastgeberin Helma Evers von der Syker VHS.

Von Michael Walter. Wenn die Hersteller ihre Geräte so bauen würden wie vor 30 Jahren, würden sie viermal länger halten, als sie es tatsächlich heute tun. – Diese These vertritt der diplomierte Betriebswirt Stefan Schridde. Er sprach Dienstag Abend vor kleiner, aber aufmerksamer Zuhörerzahl im Kreismuseum über geplante Obsoleszenz.

Obsoleszenz ist, wenn Dinge früher als nötig ihren Geist aufgeben und durch neue ersetzt werden müssen, weil Reparieren sich für den Käufer entweder nicht lohnt oder von vornherein gar nicht möglich ist. Und geplant ist sie, weil dahinter betriebliche Entscheidungen der Hersteller stecken. „Dafür gibt es mehrere Motive“, sagt Schridde. „Arglist ist nur eins davon.“

Seit 2011 beschäftigt sich der Management-Coach, ehemalige Konzerneinkäufer und Controller damit. 2012 hat er den Verein „Murks? – Nein danke!“ gegründet und voriges Jahr unter dem gleichen Titel ein Buch veröffentlicht.

„Als ich angefangen habe, haben viele geplante Obsoleszenz für eine Verschwörungstheorie gehalten“, sagt Schridde. Inzwischen kann er Aussagen von Unternehmensvorständen und Konzernleitungen vorlegen, die ganz offen zugeben, dass es das tatsächlich gibt.

Beispiele für geplante Obsoleszenz kann Schridde im Dutzend aus dem Ärmel schütteln: Fest verklebte Akkus, die sich nicht auswechseln lassen. Gibt der Akku den Geist auf, muss gleich ein neues Gerät her. Verklebte statt verschraubte Gehäuse, die eine Reparatur erst gar nicht zulassen. Hitzeempfindliche Elektronikbauteile, die gezielt an der wärmsten Stelle im Gerät verbaut werden. Zu kurze Kohlebürsten bei Elektromotoren, die vorzeitig zum Totalschaden führen. Mixer, die nicht für den Betrieb über mehr als eine Minute geeignet sind, weil sonst ein winziges Plastikteil durchschmilzt, das ohne Weiteres auch aus Metall sein könnte.

Sind denn die Konstrukteure zu dämlich, um das besser zu machen? „Die Ingenieure möchten ja gern bessere Arbeit abliefern“, sagt Schridde. „Sie dürfen es bloß nicht.“ Weil in den Unternehmen die Panik herrscht: Wenn alles lange hält, kauft ja niemand was Neues.

„Falsch“, sagt Schridde. „Die Leute hätten dann mehr Geld übrig. Wenn alles so lange hält wie vor 30 Jahren, hätten wir im konsumptiven Bereich allein in Deutschland im Mittel 100 Milliarden Euro zusätzlich auf der Hand. Jedes Jahr. Das Problem für die Unternehmen ist bloß: Dieses Geld wächst dann woanders über den Tresen.“ Auch der Spruch „Qualität kostet Geld“ ist für Schridde nur eine Ausrede. „Material und Herstellung machen bloß einen Bruchteil der Gesamtkosten eines Produkts aus. Mehrkosten an einzelnen Bauteilen fallen da überhaupt nicht ins Gewicht.“ Außerdem: „Viele Hersteller betreiben ja sogar zusätzlichen Aufwand, um die Lebensdauer ihrer Produkte zu verkürzen. Etwa indem sie Akkus fest im Gehäuse verkleben.“

Und wie ändern wir das? „Wir müssen den Handel und die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen“, sagt Schridde. Beide könnten sich zu oft damit herausreden, der Verbraucher hätte sich ja vorher besser informieren können. „Das ist so, als wenn einem auf der Kirmes das Portemonnaie geklaut wird und die Polizei hinterher sagt: Ja haben Sie denn unseren Leitfaden zum Verhalten auf Jahrmärkten gar nicht gelesen?“

P.S.: Inzwischen haben wir übrigens sehr günstig eine gebrauchte Tastatur im Internet mit einem funktionierenden „A“ erstanden.

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