Kritik an der Stadt Syke

Starkregen in Gessel und Ristedt: „Wir hatten richtig Angst“

Chaos herrscht im Keller von Hartmut Seidel. Die Streifen an den Wänden verraten, wie hoch das Wasser in den Räumen stand.
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Chaos herrscht im Keller von Hartmut Seidel. Die Streifen an den Wänden verraten, wie hoch das Wasser in den Räumen stand.

Am Sonntagabend setzte in Syke Regen ein. Starker Regen. So starker Regen, dass es binnen weniger Minuten mancherorts zu kleineren Überflutungen kam. Besonders betroffen waren einige Straßen in Gessel und Ristedt. Betroffene äußern Kritik an der Stadt Syke, die sich in der Folge erklärt.

Gessel – Fassungslos steht Hartmut Seidel im Keller seines Hauses am Gesseler Goldrenettenweg. Er trägt Gummistiefel, denn andernfalls wären seine Füße nass. Es riecht muffig und modrig, um ihn herum herrscht Chaos. Am Sonntagnachmittag war noch alles in Ordnung, doch dann kam der Regen.

Zu diesem Zeitpunkt saß Hartmut Seidel noch auf der Terrasse. Dann begab er sich ins Haus. „Da hörte ich es im Keller schon plätschern“, sagt er. Durch das Kellerfenster drang das Wasser in sein Haus ein, stand schnell etwa 80 Zentimeter hoch und spülte Dreck und Schlamm an. Seidel alarmierte die Feuerwehr, die zunächst das Wasser von der Straße und anschließend aus seinem Keller pumpte. Dennoch steht der Gesseler, der nicht gegen Elementarschäden versichert ist, nun vor einem Schaden von mehreren Tausend Euro. „Dabei ist es nicht unsere Schuld“, schimpft er verzweifelt, „das Wasser kam aus der Klinkerstraße.“

Gärten in Ristedt und Gessel unter Wasser

Nur wenige Meter Luftlinie vom Goldrenettenweg entfernt, im Akazienweg, wohnt Karin-Victoria Nieke mit ihrem Ehemann Bernd Nieke-Meyer und den vier Hunden. Auch hier hat das Unwetter von Sonntagabend Schäden hinterlassen, wenn auch nur im Garten. „Wir hatten richtig Angst, es war heftig“, sagt Nieke. Der Whirlpool und der Rasenmähroboter fielen den Wassermassen zum Opfer; auch das Schäden, auf denen das Ehepaar wohl sitzen bleiben wird. Wie bei ihrer Nachbarin Petra Mintken, die ihre Schildkröte Lucky vor dem Ertrinken retten musste, lief das Wasser aus dem angrenzenden Regenwasserkanal über und floss in die Gärten. Das ärgert Nieke, die Vorwürfe erhebt: „Der Graben ist zugewuchert. Schon seit zwei Jahren machen wir die Stadt darauf aufmerksam, aber es passiert nichts.“

Ein Opfer der Flut wurde der Rasenmähroboter von Bernd Nieke-Meyer und Karin-Victoria Nieke, die die Höhe der Flut zeigen.

Folgt man dem Graben, so endet dieser nach zwei weiteren Grundstücken an der Klinkerstraße, wo er durch ein Rohr unter der Straße hindurchgeführt wird. Doch noch zwei Tage später ist das Wasser an dieser Stelle nicht abgelaufen. Von dort sei es, so Hartmut Seidel, zunächst in die Klinkerstraßen und anschließend in den Goldrenettenweg und seinen Keller gelaufen. Zu insgesamt 16 Einsätzen rückten die Feuerwehren aus und die Frage, die sich nun stellt, ist: Hätte das Chaos vom Wochenende, das auch Ristedt betraf, verhindert werden können?

Glück im Unglück hatte Schildkröte Lucky, da Frauchen Petra Mintken sie rettete.

Die Antwort darauf kennt Lars Brunßen: „Dann müsste man eine Kanalisation verbauen, durch die man hindurchgehen kann“, sagt der Vertreter des Tiefbauamts der Stadt Syke. „Es gibt gesetzliche Vorgaben, durch die wir verpflichtet sind, Regenmengen von dreijährigen Starkregenereignissen ableiten zu können. Am Sonntag fielen aber 41 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, das ist die Menge eines 50-jährigen Ereignisses“, klärt der Ingenieur auf. Der Graben hinter den Häusern werde „regelmäßig“, also nach Bedarf etwa alle ein bis zwei Jahre, gereinigt. Warum das Wasser dort so schlecht abläuft, das wolle die Stadt prüfen: „Wir gucken, ob man etwas machen kann.“

Unter Wasser stand der Garten von Karin-Victoria Nieke und Bernd Nieke-Meyer.

Die Problematik im Goldrenettenweg liege allerdings, da die Straße ein Privatweg ist, beim Eigentümer, der dort für die Kanalisation verantwortlich ist. „Das ist für die Betroffenen schlimm“, weiß Brunßen. Auch Thomas Kuchem, Erster Stadtradt von Syke, kennt die Sorgen, derer er sich annimmt: „Wir haben uns dem Thema Katastrophenschutz verschrieben und sind mit der Feuerwehr in verschienenden Szenarien unterwegs. Nur: Das kostet alles Geld.“ Doch er und Brunßen versprechen: „Wir lassen unsere Bürger nicht im Regen stehen.“

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