Projekt „Wir sind stark!“

Siebtklässler entwickeln Gespür für Gefahrensituationen

Geschlossene Gesellschaft: Eine Außenstehende soll Anschluss an eine der verschiedenen Gruppen finden – gar nicht so leicht. Diese Übung war Teil des Präventions-Projekts „Wir sind stark!“. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Michael Walter. „Ey, was willst du in meinem Tunnel? Tickst du? Komm, verpiss dich, da hinten stehen meine Kumpels, von denen kriegst du gleich richtig aufs Fressbrett!“

Durchaus einschüchternd, wie der hochgewachsene Mann im schwarzen Kapuzenpulli da auf den schmächtigen Teenager losgeht. Zum Glück ist die Situation nur gespielt. Der vermeintliche Rohling ist Ingo Müller von der Syker Polizei und der enge Fußgängertunnel, in dem diese Szene spielt, wird von den Klassenkameraden des Teenagers simuliert, die dazu eine Gasse bilden.

Das Ganze ist Teil des Projekts „Wir sind stark!“, bei dem es um Strategien gegen Gewalt und um Zivilcourage geht. Der komplette siebte Jahrgang der Realschule nimmt daran teil. Jede Klasse zwei volle Tage lang. Donnerstag war der Auftakt, die letzte Klasse hat ihren Termin erst im Dezember.

„Versucht auf keinen Fall, den starken Mann zu spielen“

Schulsozialarbeiterin Brunhilde Maskos arbeitet mit den Schülern die Tunnel-Situation auf: „Was ist euch dabei durch den Kopf gegangen? Was hätte man denn machen können?“ Die Meinungen der Schüler sind geteilt: Den Mann ignorieren und einfach weitergehen, sich zur Not an ihm vorbeidrängeln, sagen die einen. Auf keinen Fall, sagen die anderen. „Wollen wir das nochmal spielen und ich verhalte mich wie ein richtiger Täter?“, schlägt Ingo Müller vor. Keiner hat Lust darauf. Müller nickt: „Ich glaube, das würde für euch nicht gut ausgehen. Es kann in so einem Fall nur den Rückzug geben. Versucht auf keinen Fall, den starken Mann zu spielen.“ Abhauen und Hilfe rufen lässt sich das zusammenfassen.

Umgekehrt gibt es aber auch Situationen, wo Eingreifen gefordert ist. Das lernen die Schüler bei anderen Aufgaben. Zum Beispiel, wenn im Bus Leute angepöbelt oder bedrängt werden. Da geht es dann darum, sich Verbündete zu suchen und gemeinsam den Opfern beizustehen.

Doch Zivilcourage zu zeigen, ist gar nicht so einfach. Das merken die Jugendlichen schon auf ganz niedrigen Level: Bei einem Spiel, in dem die Regel lautet, zu allem Ja zu sagen – und das machen die Schüler auch konsequent. Selbst wenn die Aussage, um die es geht, ihnen Bauchschmerzen bereitet: Die Sommerferien auf eine Woche verkürzen? Keiner traut sich, Nein zu sagen. „Aber genau darum geht es“, sagt Brunhilde Maskos. „Nein sagen zu können und dazu zu stehen.“

Am jeweils zweiten Tag geht es für die Klassen dann um gegenseitiges Vertrauen. Etwa sich fallen und von den andern auffangen zu lassen.

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