Starautor Bernhard Hennen adelt „Namenlose Tage“ mit ungewöhnlicher Lesung

Ein entspannter Großmeister

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Ein Geschichtenerzähler im besten Sinne: Bernhard Hennen, Schöpfer der „Elfen“-Romanreihe, bei seiner Lesung in Syke.

Syke - Von Frank Jaursch. Die Lesung war noch keine zehn Sekunden alt, da war die Stoßrichtung des Abends schon klar: „Jahre des Bittens, Bettelns und Flehens sind vorbei“, verkündete Matthias Müller auf der Bühne des Jugendhauses mit sichtbarer Zufriedenheit, „jetzt ist Bernhard Hennen da.“ Und der Stargast der Namenlosen Tage antwortete mit einem Schulterzucken und einem trockenen „Die haben meine Kinder entführt. Was sollte ich machen?“.

Der Samstagabend mit dem Besuch des Starautors war das unbestrittene Highlight bei der 19. Ausgabe des 48-Stunden-Events rund um Gesellschaftsspiele, Tabletop, Fantasy und Rollenspiel. Mehr als vier Millionen Bücher aus seiner Feder wurden bislang verkauft, allein sein Erfolg „Die Elfen“ – quasi die Keimzelle eines ganzen Universums – verkaufte sich im deutschsprachigen Raum 450.000 Mal.

Natürlich warb Hennen vor den gut 70 Zuhörern pflichtschuldigst für sein aktuelles Werk „Drachenelfen – Die letzten Eiskrieger“ und gab auch einen kurzweiligen Ausschnitt daraus als Appetitmacher zum Besten („und da ich ein Schurke bin, lese ich jetzt nicht weiter…“). Unterm Strich aber war der Anteil an Gelesenem so klein, dass der Abend nur mit viel Fantasie die Bezeichnung „Lesung“ verdient hatte. Denn der recht kleine, fast zierliche Autor ist ein Großmeister im Geschichtenerzählen.

So schilderte er, wie Geschichten aus seinem „echten“ Leben es mitunter 1:1 in seine Romane schaffen – etwa der Tag, an dem seine kleine Tochter auf der Treppe seines Elternhauses dem schlecht gelaunten Schäferhund seiner Eltern begegnete und die kritische Situation auf instinktiv-kreative Art meisterte – durch ein Kneifen in die Nase.

Hennens Lesung in Syke wirkte wie ein Besuch im Freundeskreis. Entspannt erzählte er drauflos und hielt auch mit allerlei Insider-Geschichten aus dem Bestsellerautoren-Alltag nicht hinterm Berg. Zudem nahm er sich für jede der vielen Fragen aus dem interessierten und bestens informierten Publikum ausführlich Zeit.

Dass auch eine Anhängerschaft mit exzellentem „Elfen“-Wissen ihre Tücken haben kann, dokumentierte eine andere der zahllosen Anekdoten: Einer Nebenfigur gab Hennen in einem Band grüne Augen, in einem anderen blaue. Dies fiel einer Leserin auf. Ihre Beschwerde hatte eine erklärende Passage im folgenden Band zur Folge: Die Augenfarbe ändere sich „je nach Lichteinfall“.

Hennen plauderte von Plänen und Problemen, von bizarren Charakternamen und lieb gewonnenen Bösewichtern. Vom Kampf mit Lektorinnen und von den Untiefen in den 30-seitigen Verträgen für die Veröffentlichung seiner Werke im englischsprachigen Raum.

Zudem verkündete der 49-Jährige, ein Stück weit zu den Wurzeln seines Schaffens zurückzukehren: Für das Rollenspiel-System „Das Schwarze Auge“, das er maßgeblich mitgestaltete, wird er in den kommenden Jahren mehrere Bücher schreiben. Den Prolog des ersten Buches „Nordwärts“ aus der Phileasson-Saga las er als echte Premiere in Syke vor. Hennen beschrieb diesen Schritt als „Rückkehr zu etwas, das ich immer sehr gemocht habe“.

Bis tief in die Nacht blieb Hennen in Syke und drückte mit seinem Besuch den Namenlosen Tagen nachdrücklich seinen Stempel auf. Doch auch ohne die Lesung wäre die 19. Zusammenkunft dieser kauzigen, kontaktfreudigen, freundlichen Menschen im Jugendhaus am Lindhof ein Erfolg gewesen, betonte Organisator Alexander Lenz.

Erstmals knackte die Veranstaltung die 300-Gäste-Grenze, zudem sorgten weitere Stargäste für Staunen – etwa die Illustratorin Sabine Weiß, die quasi pausenlos die Charaktere der Rollenspieler zu Papier brachte und so zum Leben erweckte. Und während am Sonntagnachmittag in der Diele noch die letzten Partien „Galaxy Defenders“ oder „Zombicide“ gespielt wurden, genoss das von allen Seiten hoch gelobte Orga-Team für einen Moment das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

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