Star-Autor Bernhard Hennen liest im September bei den „Namenlosen Tagen“ in Syke / Vorverkauf läuft

Leinwand-Träume und charmante Bösewichter

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Bernhard Hennen ist am 26. September zu Gast in Syke, um aus seinem aktuellen Buch „Drachenelfen – Die letzten Eiskrieger“ zu lesen. Und vielleicht für das eine oder andere Tabletop-Spiel.

Von Frank Jaursch. Es ist das große Highlight für die 19. „Namenlosen Tage“: Mit Bernhard Hennen, dem Erschaffer der „Elfen“-Welt, kommt der neben Wolfgang Hohlbein erfolgreichste deutschsprachige Fantasy-Schriftsteller nach Syke. Am Sonnabend, 26. September, liest er ab 18 Uhr bei den nächsten „Namenlosen Tagen“ im Jugend- und Kulturzentrum am Lindhof aus seinem aktuellen Bestseller „Drachenelfen – Die letzten Eiskrieger“. Karten gibt es für fünf Euro unter anderem in den Geschäftsstellen der Kreiszeitung. Im Interview mit der Kreiszeitung sprach Hennen über seine Arbeit, lieb gewonnene Bösewichte und seine Beziehung zu den Fans.

Herr Hennen, am 26. September lesen Sie bei den „Namenlosen Tagen“ in Syke. Wissen Sie, was Sie dort erwartet?

Bernhard Hennen: Ich lass‘ mich überraschen. Conventions kenne ich, was die Namenlosen Tage im DSA-Universum sind, weiß ich auch, da ich lange, lange Zeit als Spieler und auch als Autor teilweise in diesem Spieleuniversum tätig war. Ich rechne einfach damit, eine Menge Gleichgesinnte da zu treffen.

Es müsste Ihnen eigentlich liegen, was dort passiert – unter anderem wird auch viel Tabletop gespielt. Ihre Affinität dazu ist ja auch bekannt. Wie sehen Ihre eigenen Erinnerungen an Conventions aus?

Hennen: Ich bin regelmäßig in Hamburg einmal im Jahr auf einer großen Tabletop Convention, der „Tactica“. Und ich bin auch jetzt im November in Belgien auf der Tabletop Convention „Crisis“. Mit dem Tabletop-Hobby bin ich schon sehr eng verbunden, ich stelle da regelmäßig eigene Spiele vor. Als ein Projekt nebenbei arbeite ich auch zurzeit an einem Tabletop-Regelwerk. Mal schauen, wann es dann rauskommt. Es wird ein historisches Werk zum Russlandfeldzug von 1812.

Die Kontakte sind inzwischen so gut, dass die Perry Twins, zwei recht bekannte Miniaturen-Designer, die unter anderem die Figuren zu „Herr der Ringe“ gemacht haben, auch schon Figuren für dieses Spiel gemacht haben.

Finden Sie denn bei den Namenlosen Tagen auch Zeit, sich selbst ins TT-Treiben zu stürzen?

Hennen: Ach, das muss man schauen. Je nachdem, wie sehr ich eingeplant bin bei den Namenlosen Tagen, könnte ich da vielleicht ja auch mal spielen. Ich hatte mir eigentlich schon den ganzen Tag genommen, und da wird die Lesung ja der kleinste Teil sein. Sicher wird dann noch genug Zeit für ein Skirmish-Spiel, ‘ne Runde Saga oder etwas in diese Richtung übrig bleiben.

Sie gelten ja als ein Autor, der auch sehr viel den Dialog mit seinen Lesern pflegt. Ist es Ihnen schon oft passiert, dass Ihre Leser besser über Ihre Werke und das Elfen-Universum Bescheid wissen als Sie selbst?

Hennen (lacht): Das kommt immer wieder mal vor. Besonders kritisch ist es, wenn man auf so einer Veranstaltung nach einem Roman gefragt wird, den man vor 20 Jahren geschrieben hat und den der fragende Leser eine Woche zuvor gelesen hat. Wenn dann die Sprache auf Nebenfiguren kommt, dann wird es schon mal spannend… Aber inzwischen habe ich ein, zwei tolle Tricks unter anderem von Herrn Hohlbein gelernt, wie man das elegant umschifft.

Verraten Sie uns einen solchen Trick?

Hennen: Wenn man in großer Runde nach so was gefragt wird, sagt man einfach: „Ja, ich würd‘ da jetzt gerne drauf antworten, aber es wäre ein schrecklicher Spoiler für alle, die das Buch noch lesen möchten. Kommen Sie doch am Ende der Lesung kurz zu mir, und dann plaudern wir drüber.“ Und dann sagt man halt am Ende der Lesung demjenigen auch ganz offen: „Tut mir leid, so genau erinnere ich mich nicht mehr dran.“ Dann vermeidet man die Blöße in großer Runde und kann aber auch am Ende demjenigen, den die Frage brennend interessiert, reinen Wein einschenken.

Wenn man über die Jahrzehnte so ein Universum gestaltet wie Sie mit den „Elfen“, da hat man Dutzende Hauptpersonen und hunderte Nebenpersonen. Haben Sie eine Kartei, oder wie arbeiten Sie, um den Überblick zu behalten?

Hennen: Zu den „Elfen“- Romanen ist es tatsächlich so, dass ich ein sehr großes internes Glossar habe, das nur ich nutze. Das ist inzwischen über 350 Manuskript-Seiten lang. Da geht es um Haupt- und Nebenfiguren, Augenfarben, Lieblings-Redewendungen, Beschreibungen von Schauplätzen, Links, wo ich was im Werk wiederfinde. Es gibt nichts, das tödlicher ist, als wenn man sich so grob erinnert: In der Mitte des Romans ist doch etwa das und das passiert mit dieser Nebenfigur, man sich aber kein Schlagwort ausdenken kann, das einen präzise zur Stelle führt. Dann kann man endlos suchen.

Und manchmal passiert eben auch, dass man im Kopf einen Plan hat, den während des Schreibens relativiert und sich dann zwei, drei Jahre später nicht mehr ganz genau erinnert, welchen Weg man gegangen ist. Man hat dann die Dinge, die man ursprünglich machen wollte, noch sehr klar im Kopf, musste aber im Roman aus Zeitgründen oder dramaturgischen Gründen etwas abkürzen. Wenn man dann anfängt, danach zu suchen, kann man nur scheitern, weil es den Text gar nicht gibt.

Haben Sie schon mal Anregungen von Fans bekommen, die Sie dann in Ihre Werke aufgenommen haben?

Hennen: Da muss man heutzutage leider sehr aufpassen. Ich bin gerne auf Lesungen lange im Dialog mit den Lesern und plaudere mit denen. Meine Signierstunden sind berüchtigt, weil sie schon mal gerne über zwei bis drei Stunden gehen.

Übers Internet bin ich da etwas weniger „gesprächig“, da dies leicht zu sehr ausufert und zeitlich nicht zu stemmen ist. Sehr kritisch ist auch Folgendes: Ich plaudere gerne mit jungen Autoren über Projekte, aber seit drei, vier Jahren nehme ich keine Exposés oder Romane mehr an, um mal reinzuschauen. Das ist weder böser Wille noch Arroganz. Ich hatte halt leider zweimal in der Vergangenheit das Pech, dass ich Texte geschickt bekommen habe, die Ideen enthielten, die ich in ähnlicher Form für ein eigenes Projekt hatte. Wenn dieser Text aber noch nicht publiziert ist, dann kann ich ihn, so wie zurzeit die Rechtslage ist, begraben. Sollte ich dennoch publizieren, dann müsste ich im ungünstigsten Fall meine Tantiemen mit anderen teilen. Das ist ein ganz neues Problem für Schriftsteller.

Gibt es Figuren aus dem „Elfen“-Universum, von denen Sie sich nicht trennen wollen würden?

Hennen: Ja, das passiert immer wieder. Bei den aktuellen „Drachenelfen“-Romanen zum Beispiel habe ich im ersten Band zwei Nebenfiguren eingeführt, Volodi und Kolja, und eigentlich sollten die beiden schon gegen Ende des ersten Bandes das Zeitliche segnen. So war es fest eingeplant. Aber irgendwie waren sie auf ihre böse Art charmant, und ich konnte mich nicht von ihnen trennen. Jetzt sitze ich am fünften „Drachenelfen“-Band, und zumindest zu Beginn sind beide immer noch dabei. Die zwei haben sich im Zyklus inzwischen bestimmt 200, 300 Seiten eigene Handlung dazugegaunert. Die sind halt sehr plastisch, sehr farbig, und es macht Spaß, über sie zu schreiben.

Es haben sich auch rundherum nette Anekdoten entwickelt. Ich nenne Volodi und Kolja wegen der Dinge, die sie tun – und wie sie die tun – intern immer die Russen-Mafia. Im letzten Jahr habe ich eine E-Mail von einem Staatsanwalt bekommen, der viel mit der Russen-Mafia zu tun hat. Er erzählte, dass er gerade einen Fall verhandele, bei dem er jeden Tag aufs Neue das Gefühl habe, meine Fleisch gewordenen Romanfiguren stünden vor ihm.

Ein anderer Charakter ist der Zwerg Hornbori, dem viele Leser schon den Tod gewünscht haben.

Hennen: Oh ja, immer wieder, aber gerade deshalb macht es schon Spaß, ihn zu schreiben. Inspiriert worden ist er durch einen Ex-Verteidigungsminister, den wir vor gar nicht so langer Zeit hatten, der dann recht abrupt sein Amt aufgeben musste. Hornbori ist die Verkörperung des politischen Aufsteigers um jeden Preis und jemand, der noch Glück dabei hat und den Kopf immer aus der Schlinge zieht. Und ich weiß, dass er eine der bestgehassten Figuren des Zyklus ist.

Gab es schon Anfragen, das Elfen-Universum zu verfilmen?

Hennen: Keine ernst zu nehmenden, nein. Ich würde den Stoff natürlich sehr gerne im Fernsehen oder auf der Leinwand sehen, aber es sollte schon besser verfilmt sein als etwa die vor 20 Jahren gemachten Xena-Filme. Die Messlatte für Fantasy-Produktionen liegt inzwischen so unglaublich hoch. Man muss sich nur ansehen, was „Game of Thrones“ für einen Etat hat. Die Zuschauer erwarten etwas Vergleichbares, und das sehe ich ehrlicherweise in Deutschland nicht. Bedauerlicherweise ist es in Deutschland eher so, dass Gelder von hier nach Amerika fließen, um dort Großproduktionen Wirklichkeit werden zu lassen, als dass man es im eigenen Land macht. Obwohl die Möglichkeiten in Babelsberg und anderswo durchaus da wären.

Ich glaube, wäre ich ein amerikanischer Autor, wäre ich einer Verfilmung deutlich näher, als ich der als deutscher Autor jemals kommen werde.

Sie haben im Live-Stream des Heyne-Verlags einen Hinweis darauf gegeben,dass Sie etwas zu den Schattenkriegen planen. Gibt es da schon etwas Konkretes?

Hennen: Nein. Es ist so, dass Exposés durchaus vorliegen, ich aber nicht sagen kann, ob es in zwei, fünf oder acht Jahren passiert. Es ist schon so, dass ich gerne einen eigenen Zyklus über die Schattenkriege schreiben möchte. Wenn dies geschieht, werden es mindestens drei Bände sein, denn die Hauptfigur Alathaia ist eine sehr, sehr starke Gegenspielerin für die Elfenkönigin Emerelle.

Konzeptioniert ist die Geschichte. Wann ich sie umsetzen kann, das steht allerdings noch in den Sternen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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