Erst kam Corona, und dann die Krankheit

Für Ene ist nichts mehr, wie es war: Syker sucht Stammzellenspender

Kampfgeist in Doppelpack: René Biesicke und seine Frau Anja Lenz wollen die schwierige Zeit der Krankheit des 49-Jährigen gemeinsam durchstehen. Sie hoffen für die Typisierungsaktion des TSV Ristedt am 11. August auf viele Freiwillige.
+
Kampfgeist in Doppelpack: René Biesicke und seine Frau Anja Lenz wollen die schwierige Zeit der Krankheit des 49-Jährigen gemeinsam durchstehen. Sie hoffen für die Typisierungsaktion des TSV Ristedt am 11. August auf viele Freiwillige.
  • Frank Jaursch
    vonFrank Jaursch
    schließen

Ene ist Vollblutstürmer. Schon so manches Tor hat René Biesicke, den alle nur Ene nennen, in seiner Karriere als Hobbykicker erzielt. Seit Langem schon startet der 49-jährige Syker für die Oldiemannschaft der SG Ristedt-Gessel, bildete dort mit Michael Rauert ein gefürchtetes Sturmduo. In diesem Jahr ist alles anders. Erst kam Corona. Und dann kam die Krankheit. Und für Ene ist seitdem nichts mehr, wie es war.

  • René Biesicke aus Syke leidet an einer seltenen Knochenmarkerkrankung.
  • Ärzte raten dem zu einer Knochenmarks-Transplantation.
  • Der TSV Ristedt lädt zu einer Blutspende- und Typisierungsaktion ein

Ristedt – Biesicke leidet an Primärer Myelofibrose (PMR), einer seltenen Knochenmarkerkrankung. Diese chronische Krankheit kann sich zu einer Akuten Myeloischen Leukämie entwickeln. Ärzte raten ihm zu einer Knochenmarks-Transplantation. Damit, so die Aussage der Mediziner, sei PMR heilbar.

Am Anfang kam der Kopfschmerz. Anfang Mai weiß Biesicke die Schmerzen, die den ganzen Tag über nicht weggehen wollen, noch nichts recht einzuordnen. „Ich war noch nie krank“, erklärt der gelernte Zimmermann, der als Mitarbeiter des BBM-Baumarkts in Barrien ebenso bekannt ist wie als Kicker in Ristedt.

Knochenmarkerkrankung: Ene fällt nach Diagnose in tiefes Loch

Später gesellen sich Schwindelgefühle und schnelle Erschöpfung hinzu. „Und Kollegen haben schon gesagt, ich säh’ so gelb aus.“ Seine erste Überlegung: Ist das Covid-19? Der Test fällt negativ aus. Doch sein Arzt veranlasst weitere Untersuchungen: Großes Blutbild, Ultraschall. Dort fällt die vergrößerte Milz auf. „Da hab ich schon was geahnt“, sagt Biesickes Frau Anja Lenz.

Eine Computer-Tomografie gibt Entwarnung: Es ist kein Gehirntumor. Weniger gut ist das Resultat der Knochenmarkentnahme. Die Diagnose PMR steht. Und Ene fällt erst mal für ein paar Tage in ein tiefes Loch.

Kumpel Uli Brunner weiß von der Situation, bringt den Teamkameraden der Oldiemannschaft beim Training die schlechten Nachrichten bei. „Wir sind alle gut miteinander befreundet, unternehmen viel miteinander“, erzählt Sturmpartner Michael Rauert. Die Nachricht ist auch fürs Team ein Schock. Rauert: „Da sagte erst mal keiner mehr was.“

Genug Zeit für Suche um nach passendem Knochenmarkspender

Unterdessen führt Biesicke im Krankenhaus Bremen-Mitte ein Gespräch mit dem Facharzt. Er bekommt Tabletten gegen die Symptome. Und darüber hinaus noch eine wichtige Aussage: Die Krankheit hat keinen so rasanten Verlauf wie Leukämie. „Er sagte: Wir haben Zeit, nach dem passenden Knochenmarkspender zu suchen“, erinnert sich Anja Lenz.

Unterdessen grübelt Michael Rauert, wie man helfen kann. Er selbst hat vor zwei Jahren an einer Typisierungsaktion teilgenommen. Aber die nächste Blutspende in Ristedt, bei der man eine Typisierung organisieren könnte, ist erst im Dezember.

Im Dezember? Von wegen! In einem Gespräch mit einem Vorstandsmitglied des TSV Ristedt erfährt Rauert: Für Dienstag, 11. August, ist ein Sondertermin in der Ristedter Sporthalle dazwischengeschoben worden. Rauert fragt nach: Ob da vielleicht auch eine Typisierung möglich ist?

TSV-Vorstand und Blutspendedienst vom Roten Kreuz (DRK) machen’s möglich. Von der ersten Anfrage bis zum „grünen Licht“ vergehen kaum zwei Stunden. DRK und Deutsche Stammzellspender-Datei (DSD) verbinden die Blutspende mit der Typisierung. Heißt: Jeder Blutspender bekommt ein kleines Röhrchen Blut extra abgezapft. „Zwei gute Taten auf einmal“, sagt Anja Lenz. Auch für die an Leukämie erkrankte Eva-Sophie aus Barrien wurde vor einiger Zeit eine Typisierungsaktion gestartet.

Typisierungsaktion in Syke: Ene hofft auf einen Treffer

Dass gerade bei dieser Typisierung der passende Spender für Biesicke dabei ist, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das weiß auch Ene: „Aber auch wenn’s mir nicht hilft – vielleicht hilft es ja einem Anderen.“

Anja Lenz und René Biesicke gehen durch eine schwere Zeit. „Früher hab ich immer nur gerackert. Gearbeitet, Fußball gespielt. Und jetzt... muss ich mich selbst beim Rasenmähen öfter mal hinsetzen.“ Ene hat schlechte und weniger schlechte Tage. Aber sein Kampfgeist ist zurück. „Ich will wieder gesund werden“, sagt er.

Schon hunderte Treffer hat Ene in seiner Karriere erzielt. Im Training, in Spielen. Nun wartet er auf den wichtigsten Treffer seines Lebens – auf den genetischen Zwilling, der vielleicht schon in den vier Millionen Einträgen des Zentralen Knochenmarkspender-Registers schlummert.

Blutspende- und Typisierungsaktion in Syke-Ristedt

Der TSV Ristedt lädt für Dienstag, 11. August, von 16.30 bis 19.30 Uhr zu einer Blutspende- und Typisierungsaktion in die Sporthalle Ristedt, Alte Schulstraße, ein. Erstspender werden gebeten, ihren Personalausweis mitzubringen.
Registrierte Spender haben die Möglichkeit, sich unter www.tsv-ristedt.de für einen Wunschtermin zu registrieren. Wegen der Corona-Krise gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln. Für die Spender wird gegrillt, es gibt Salate und Eis.

Von Frank Jaursch

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Meistgelesene Artikel

„Wirtschaftsethik“-Projekt in der achten Klasse / Interview mit Stammzellforscher aus Köln

„Wirtschaftsethik“-Projekt in der achten Klasse / Interview mit Stammzellforscher aus Köln

Unternehmen und Azubis finden nicht zueinander

Unternehmen und Azubis finden nicht zueinander

Lieber Zeit- als Sachspenden

Lieber Zeit- als Sachspenden

Großtagespflege im alten Pfarrhaus?

Großtagespflege im alten Pfarrhaus?

Kommentare