Städtische EDV relativ sicher vor Hackern – aber wer rein will, kommt auch rein

Alles nur eine Frage des Aufwands

Syke - Von Michael Walter. Kriminelle, die sich übers Internet in die EDV der Stadtverwaltung einhacken und Daten ausspähen oder gar die Steuerung ganzer Anlagen kapern – Ist so ein Szenario reine Science Fiction oder eine reale Bedrohung?

Ratsmitglied Wolfgang Reß macht sich jedenfalls Sorgen, seit er einen Bericht darüber im Computer-Magazin c‘t gelesen hat. Dort waren es Heizungsanlagen, die sich durch ihre Fähigkeit zur Fernwartung übers Internet als angreifbar erwiesen, indem sie auf Anfrage unverschlüsselt ihre Passwörter übertrugen. Und das waren in erschreckend vielen Fällen auch nach Jahren noch werksseitig eingestellte Standard-Kombinationen wie „xxxxx“, „12345“ oder „abcde“. Was Reß zur Frage führt: Ist sowas auch in Syke möglich?

Thorsten Hassel, der seit 16 Jahren im Rathaus die EDV betreut, muss auf diese Frage antworten wie Radio-Eriwan: „Im Prinzip nein, aber…“

Fakt ist: „Wir haben in Syke gar keine internetfähigen Heizungsanlagen“, so Hassel. Zwar können die Hausmeister im Schulzentrum die Heizung von ihrem PC aus steuern, dieses System ist aber nicht mit der Außenwelt verbunden und kann somit auch nicht gehackt werden. Das Heizkraftwerk am Busbahnhof wird von Diepholz aus gesteuert. Die Stadt hat darauf gar keinen Zugriff.

Auch die Anlage im Theater ist nicht mit der Außenwelt verbunden. „Die wird von einem 25Jahre alten Rechner gesteuert. Der läuft noch mit Windows 2000“, sagt Hassel. „Solche Systeme fasst man für gewöhnlich nie wieder an, und das ist auch richtig so.“

Garantieren, dass niemand in die städtische EDV eindringt, will und kann Thorsten Hassel aber nicht. „Das ist wie bei einem realen Einbruch“, sagt er. „Wenn jemand genug kriminelle Energie und die nötigen Ressourcen hat, dann kommt er auch rein.“

Der Super-GAU wäre für die Stadt, wenn jemand das Computersystem der Kläranlage kapert und die Pumpwerke lahmlegt. „Dann laufen in der ganzen Stadt die Keller voll.“

So einfach geht das aber nicht. Zwar werden die Pumpwerke per Computer ferngesteuert. Dieses System ist aber nicht mit dem Internet verbunden. Allerdings hängt es an der EDV des Klärwerks, und die hat sehr wohl Internetzugang. Denkbar wäre es also schon, sich da irgendwie zwischenzuhacken.

Siehe oben: Wer unbedingt rein will, kommt auch rein. Über als Mail-Anhänge getarnte Viren, über die Telefonanlage, Möglichkeiten gibt es viele. „Man kann sogar Autos hacken, indem man über das Radio ein bestimmtes Lied abspielt. Das war tatsächlich fünf Jahre lang eine Sicherheitslücke.“

Thorsten Hassel ist allerdings überzeugt: Was das Rathaus betrifft, stünden Aufwand und Nutzen dabei in keinem Verhältnis. „Wir sind kein lohnendes Ziel.“

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare