Viele haben ein diffuses Bild

Image polieren: Syke will ins professionelle Stadtmarketing gehen

Wichtige Klammer für das Gemeinwesen: Die Hauptstraße in Syke.

Syke - Von Heinrich Kracke. Der Stapel eng gedruckter Tabellen hat schon jetzt Ausmaße angenommen, die ins Gewicht gehen, der Haushaltsplan 2015, der mit jedem Telefonbuch konkurrieren kann. Kommenden Mittwoch wird der Stoß Papier noch ein bisschen höher ausfallen, den Thomas Kuchem zum Tagungsort in die Volkshochschule trägt.

Die Etatberatungen der Stadt Syke gehen in die Schlusskurve, und auf der Zielgeraden wird der Kommunalpolitik ein Thema serviert, um das in früheren Jahren eher ein großer Bogen gemacht wurde. Die Wirtschaftsförderung kehrt in die Debatte zurück, das Stadtmarketing, und, mehr noch: Erstmals nach Jahren will die Stadt an ihrem Image feilen und sich das Engagement einen fünfstelligen Betrag kosten lassen. Für den neuen Vizechef im Rathaus rund 200 Tage nach dem Amtsantritt die erste große Herausforderung.

Stadt im Grünen? Bärentatze? Syke mit Y? Einfach nur Syke? Stadt des Goldschatzes? Oder alles zusammen? Die Liste der Slogans für die Stadt an der Hache ließe sich locker um weitere Facetten erweitern. „Vor meiner Bewerbung habe ich für mich zu klären versucht, was die Stadt Syke ausmacht, wofür sie steht, womit sie sich am klarsten positioniert, nach innen und nach außen“ sagt Kuchem und gibt sich selbst die Antwort. „Ich hatte den Eindruck eines eher diffusen Bildes.“

Nicht nur er. Seit Jahren schon wird in der Stadt erstens nach professioneller Wirtschaftsförderung und zweitens nach klaren Leitbildern gerufen. Ob in politischen Gremien oder in Wirtschaftsverbänden bis hin zur Werbegemeinschaft, mal per öffentlicher Forderung, mal hinter vorgehaltener Hand, aber immer in dieselbe Richtung: Andere Kommunen drohen der Stadt Syke zunehmend den Rang abzulaufen, hieß es klar formuliert, die Hachestadt müsse mit scharfkonturiertem Image Boden gutmachen.

Kuchem, ein ausgewiesener Stadtmarketing-Experte mit Einsatzgebiet unter anderem in Bonn, wunderte sich nicht denn auch schlecht über die Reaktionen, die ihm entgegengebracht wurden. „Dass eine Wahl zum 1. Stadtrat nicht von unterschiedlicher politische Farbe bestimmt wird, sondern dass sie einstimmig verläuft, das hat mich überrascht,“ sagt er. „Und dass ich in sämtlichen Wirtschaftsgremien, in denen ich mich vorgestellt habe, superpositiv empfangen wurde, ebenfalls.“ Er betrachte die Vorschusslorbeeren als klaren Auftrag, intensiv in die Wirtschaftsförderung einzusteigen.

Basis für das Konzept, das Kuchem am Mittwoch dem Haushaltsausschuss vorstellen will, ist die Kreation eines neuen identitätsstiftenden Logos. Gedacht sei nicht an irgend ein neues Motiv, das irgendwer zu Papier bringe, gedacht sei vor allem daran, die Bevölkerung ins Boot zu holen. „Wie sehen die Syker ihre Stadt? Was zeichnet das Gemeinwesen aus? Aus den Antworten soll sich das Logo entwickeln. Es steht stellvertretend für das Gemeinwesen.“

Bis hierhin werden ihm Politik und Wirtschaftsverbände mühelos folgen können. Der nächste Schritt fällt schmerzhafter aus: Eine professionelle Wirtschaftsförderung kostet Geld. Die Stadt Bonn hat sich das Eigenmarketing zuletzt 700.000 Euro kosten lassen. Und auch wenn es in Syke ein paar Nummern kleiner geht, liegt der Finanzbedarf immer noch dort, wohin er sich in den vergangenen Jahren überhaupt nicht mehr verirrte: In den satten fünfstelligen Bereich. Bisher schlugen halbherzige 7500 Euro zu Buche.

Wobei es mit dem Logo allein nicht getan ist. „Dann beginnt die Arbeit erst,“ sagt Kuchem. Der Internetauftritt der Stadt müsse dringend entmottet werden, „wir brauchen ein viel bessere Verlinkung“, in jeder städtischen Einrichtung müsse das Logo mit neuem Stadt-Slogan an Gebäuden, auf Briefköpfen, Flyern und sämtlichen öffentlichkeitswirksamen Materialien zu sehen sein, und er lade jetzt schon Vereine und Verbände ein, das Logo intensiv zu nutzen und es einzusetzen. „Je mehr Möglichkeiten wir schaffen, dass Menschen zufällig darüber stolpern, umso größer die Chance, dass sie beim nächsten Mal schon ein Bild vor Augen haben, wenn sie den Begriff Syke hören.“ Gleichzeitig stärke es die Stadt nach innen. „Es geht nicht mehr um die Politiker, um die Wirtschaftsunternehmen, um die Verwaltung – es geht um uns.“

Ansätze gebe es genug. Man brauche nur die Sicht von Außen, sagt Kuchem, ein bisschen davon habe er sich bewahrt. „Überrascht hat mich die Topografie. Syke – da denkt jeder an norddeutsche Tiefebene und flaches Land, so weit das Auge reicht. Aber Hoher Berg, Hachetal und beispielsweise Wolfsschlucht sprechen eine andere Sprache. Überrascht war ich von der guten Infrastruktur, vom lückenlosen Schulangebot, von den vielfältigen Kultureinrichtungen, die sich trotz Bremen-Nähe perfekt behaupten. Und als besonders wohltuend empfand ich die Hauptstraße. Eine richtig schöne Einkaufsmeile, die die Syker und die Menschen aus der Umgebung schätzen, und in der sie selbstverständlich ihre Einkäufe erledigen. Da liegt Syke im Vergleich mit anderen Städten dieser Größe ganz weit vorn.“

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