Stadt Syke spendiert Reben einen Umzug

Der Wein ist weg

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2008 hatte Sykes damaliger Bürgermeister Dr. Harald Behrens (rechts) die ersten Weinstöcke aus der französischen Partnerstadt La Chartre mit nach Syke gebracht. Insgesamt 45 Reben wurden an verschiedenen Standorten angepflanzt. Mit Folkard Wülfers (links) vom Weinhof Syke entstand dann die Idee, den Wein auch tatsächlich auszubauen und abzufüllen.

Syke - Von Michael Walter. Der Hohe Berg ist vieles: Naherholungsgebiet, Naturschutz-Biotop, Astroberg und die höchste natürliche Aussichtskuppe zwischen Nordsee und Steinhuder Meer. Eines ist er seit kurzem nicht mehr: Sykes einziger Weinberg auf innerstädtischem Gebiet. Denn der Wein ist weg.

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt ihn noch – er steht jetzt nur woanders. Doch der Reihe nach.

2005 hatte Sykes damaliger Bürgermeister Dr. Harald Behrens ein paar Weinstöcke aus der französischen Partnerstadt La Chartre mitgebracht und unter anderem am Hohen Berg anpflanzen lassen. Sie waren ein Geschenk, ein Symbol der Freundschaft. Daraus entwickelte Behrens gemeinsam mit Folkard Wülfers eine eigentlich recht nahe liegende Idee: Wie wäre es, wenn wir daraus tatsächlich Wein machen und abfüllen? Den könnte die Stadt dann als besonderes Geschenk zu besonderen Anlässen vergeben.

Wülfers betreibt in Henstedt einen Weinhof. Schon damals hatte er immer mal wieder besondere Tropfen in kleiner Auflage exklusiv als Syker Weine abfüllen lassen. Mittlerweile besitzt er zwei eigene Weinberge im Anbaugebiet Rheinhessen.

Mit seiner Hilfe und viel Zeit ist aus dieser Idee tatsächlich was geworden: Fünf Jahre später wurde der erste Syker Wein abgefüllt und unter dem Namen L'amitie (Freundschaft) ausgegeben.

Standort nicht geeignet 

Der Hohe Berg erwies sich jedoch als schwieriger Standort für die Weinstöcke. Ob es nun an zu viel Wind oder zu wenig Sonne lag: Die Reben mickerten eher vor sich hin. Deshalb hat die Stadt ihnen jetzt einen Umzug spendiert und sie auf das Gelände des städtischen Bauhofs verfrachtet. Dort hatten zuvor schon etliche der französischen Weinreben gestanden und waren insgesamt deutlich besser gediehen als die am Hohen Berg.

Zwei Rebsorten baut die Stadt auf ihrem Gebiet an: Die insgesamt eher seltene, aber in in La Chartre sehr beliebte Sorte Jasnière und einen Côteau du Loir. Wie viele Weinstöcke die Stadt zurzeit besitzt, wissen weder Stadtbiologin Angelika Hanel noch Bürgermeisterin Suse Laue so genau. 2008 hatte Harald Behrens 45 Stück mitgebracht. „Wir haben seitdem aber noch mehrfach welche nachbekommen“, denkt Hanel laut nach. „Von denen hatten aber etliche schon den Transport nicht heil überstanden.“

Um die 30 Weinstöcke wachsen jetzt an drei Standorten auf dem Bauhof. „Fünf oder sechs“ stehen am Rathaus. Von vieren, die am Freibad gepflanzt worden sind, haben zwei den letzten Winter nicht überstanden. Auch an der Olympiahalle sind welche gepflanzt worden. „Die sind allerdings nicht angegangen“, sagt Hanel. Etliche Stöcke hat Folkard Wülfers mit zu seinen Weinbergen genommen. Und auch beim Tennisverein hatte die Stadt einen Standort gefunden. „Da konnte mir der Bauhof bis jetzt noch nicht sagen, ob die den Winter überstanden haben“, so Hanel.

Weinlese 2017

Nicht jedes Jahr gibt es Wein von den Syker Trauben. „Wir wollen ja auch eine bestimmte Qualität haben“, sagt Suse Laue. „Da müssen wir den Pflanzen auch einfach Zeit geben.“ Dieses Jahr soll es wieder eine Lese geben. Damit Syke 2018 wieder einen Ehrenwein zum 45-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft servieren kann. Wie beim ersten Mal ein Cuvée aus den Syker Trauben und denen von Wülfers' Weinbergen – und damit immer noch echter Syker Wein.

Weinbau gehört nicht unbedingt zu den Syker Kernkompetenzen. Aber Hanel und und Laue sind zuversichtlich: „So wie ein Wein selbst, werden auch wir mit der Zeit immer besser.“

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