Eine Idee in vielen Köpfen

Böll statt Bier: Stadt soll sich um Wessels Hotel als Bibliotheks-Standort bemühen

Das Objekt der Begierde: Stadtverwaltung und Vertreter der Ratsfraktionen haben sich für eine Erhaltung des stadtbildprägenden Gebäudes von Wessels Hotel ausgesprochen. Ob ein Kauf im Zeichen der zu erwartenden Steuereinbußen finanzierbar und gewünscht ist, stellte Bürgermeisterin Suse Laue allerdings zumindest in Frage. Foto: Walter
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Das Objekt der Begierde: Stadtverwaltung und Vertreter der Ratsfraktionen haben sich für eine Erhaltung des stadtbildprägenden Gebäudes von Wessels Hotel ausgesprochen. Ob ein Kauf im Zeichen der zu erwartenden Steuereinbußen finanzierbar und gewünscht ist, stellte Bürgermeisterin Suse Laue allerdings zumindest in Frage.

Syke - Was wird aus Wessels Hotel? Diese Frage geistert derzeit in vielen Syker Köpfen herum. Nach dem Tod von Andrea und Ilse Delicat steht die imposante Immobilie an der Hauptstraße vor einer ungewissen Zukunft.

Noch vor der Öffnung des Testaments tritt aus mehreren Richtungen eine Idee ans Tageslicht: Wie wäre es, wenn die Stadt die Immobilie erwirbt und darin die Stadtbibliothek unterbringt?

Der Erste, der sich mit dieser Idee aus der Deckung wagte, war Heinfried Schumacher, SPD-Urgestein und langjähriger Vorsitzender der Stadtratsfraktion. 2018 hatte er sich aus der Arbeit in den Gremien zurückgezogen. So stellte er „als einfaches SPD-Mitglied“ den Antrag, seine Fraktion möge den Kauf von Wessels Hotel durch die Stadt beantragen.

Wessels Hotel soll gerettet werden

Seine Argumentation: Die Pläne, die Stadtbibliothek aus dem Rathausgebäude in die Hauptstraße zu verlegen, gebe es schon seit einigen Jahren. Bisher sei angedacht worden, „Neubauräumlichkeiten anzumieten“. Aber nun bestehe die Möglichkeit, das historische Gebäude für diesen Zweck zu erwerben.

Mit einem Kauf durch die Stadt, so Schumacher, werde garantiert, dass das Gebäude erhalten bleibt. „Die Syker ,Hausgesichter‘ werden alle abgerissen“, bedauert der Henstedter. Wessels Hotel sei seit 150 Jahren prägend für das Ortsbild – und allemal wert, gerettet zu werden. Den Hinweis auf die unsicheren Zeiten im Zuge der Corona-Krise mag er nicht recht gelten lassen. „In schweren Zeiten darf man die Gestaltung der Zukunft nicht außer Acht lassen“, so Schumacher.

Die Chancen, dass er breite Zustimmung für seine Idee bekommt, bezeichnete Schumacher als durchaus realistisch. Sein eigener Ortsvereinsvorsitzender Kenneth Bak habe im Gespräch die Idee als „interessant“ bezeichnet. „Und die CDU hat ja selbst eine Veranstaltung gemacht, bei der es um die Bibliothek in der Innenstadt ging.“

Stadt Syke soll aktiv werden

Heinfried Schumacher liegt mit dieser Einschätzung bemerkenswert nahe an der tatsächlichen Entwicklung. Denn auch in der Union hatten sich Mitglieder des Vorstandes ganz ähnliche Gedanken gemacht. Der Vorstand wollte die Stadt ermutigen, aktiv zu werden. „Wir sollten als Stadt nicht nur zugucken“, umschreibt es Wilken Hartje im Gespräch mit der Kreiszeitung. Schließlich handele es sich um ein Grundstück mit „Schlüsselfunktion für die Weiterentwicklung des Syker Gängeviertels“.

Innerhalb des Vorstandes habe es durchaus unterschiedliche Meinungen dazu gegeben, räumt Hartje ein. „Einige wollten diese Vision weiterspinnen, andere hatten kaufmännische Bedenken“, sagt Hartje. Den Christdemokraten sei es aber wichtig gewesen, den Antrag als Fraktion zu stellen. So einigte man sich schließlich auf einen Antrag, der die Verwaltung nur zu einem ersten Schritt beauftragt: Sie soll „kurzfristig Kaufpreisverhandlungen“ mit den Verantwortlichen der Immobilie aufnehmen.

Sykes Bürgermeisterin Laue zeigt sich offen

Bürgermeisterin Suse Laue zeigte sich durchaus dankbar über diese Signale aus der Politik. „Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet“, erklärt sie auf Nachfrage. Auch sie kann sich für die Idee, die Stadtbibliothek dort unterzubringen, durchaus begeistern. „Das wäre eine fantastische Immobilie dafür.“

Der Laueschen Schwärmerei folgte jedoch – wenig überraschend – das große Aber. „Ich weiß, wie hoch die Quadratmeterpreise in Syke vor Corona waren“, so Laue. Man müsse die aktuelle Bewertung des Grundstückes abwarten. Sie wisse, dass es noch weitere Interessenten für das Hotel gebe.

Laue wies darauf hin, dass Teile des Gebäudeensembles unter Denkmalschutz stünden. Zudem würde vor einer neuen Nutzung eine Sanierung erforderlich werden. Und dürfte nach ihren Vermutungen allein Kosten „im siebenstelligen Bereich“ verschlingen.

Hinzu kommt die große Unsicherheit darüber, was die künftigen Steuereinnahmen der Stadt angeht. „Wir wissen, dass wir eine ganz andere Einnahmensituation haben als vor Corona“, sagt Laue. Und sie schiebt gleich die Frage hinterher: „Kann ich mir dann so was noch leisten?“

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