Stadt lässt Flurkarten und Wirklichkeit vergleichen

Umpflügen der Wegeseitenränder: Kein Kavaliersdelikt

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Die Bepflanzung der Seitenränder hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass auch schon mal im Bogen um Bäume herumgepflügt oder -gesät wurde.

Syke - Von Frank Jaursch. „Kann man das nicht so machen wie die Leute in Twistringen?“ Es gibt nicht viele Themen, bei denen man in Syke diesen Satz häufiger zu hören bekommt. Doch das Thema Wegeseitenränder gehört mit Sicherheit dazu. Das heimliche Umpflügen und Vereinnahmen von öffentlichem Grund ist auch in vielen Syker Ortschaften ein Ärgernis geworden.

Vom Kavaliersdelikt zum echten Problem: An vielen Ackerflächen ist in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen, dass die Bewirtschafter es nicht ganz so genau nehmen mit dem Grenzverlauf – meist zu ihren Gunsten. Auf diese Weise verwandelt sich in vielen Kommunen hektarweise öffentlicher Grund zu Ackerboden.

Ein Ärgernis für viele: Natürliebhaber bemängeln, dass mit den verschwindenden Seitenrändern wertvoller Lebensraum für Kleinsäuger, Vögel und Insekten verlorengeht. „Gerade in der Landwirtschaft sollte man doch ein Interesse daran haben, dass es der Natur gut geht“, sagt eine Frau, die lieber unerkannt bleiben möchte.

Andere sehen auch den touristischen Aspekt: So manche Radwanderkarte sei zum Zeitpunkt der Drucklegung schon wieder nicht mehr aktuell, weil so mancher Pfad am Wegesrand bereits verschwunden ist. Links Ackerfläche, rechts Brombeeren: „Wenn mir hier ein Trecker entgegenkommt, muss ich ins Maisfeld“, sagt eine Anwohnerin. Sie möchte nicht, dass es den letzten verbliebenen Wegen genauso geht.

Blühstreifen auch in Syke denkbar

Warum nicht wie in Twistringen? Die Stadt ist im vergangenen Jahr dazu übergegangen, auf zuvor überpflügten Seitenrändern Blühstreifen einzurichten, um die Wegeseitenränder zugleich als Kompensationsflächen nutzen zu können.

Die Idee wird auch im Syker Rathaus mit Interesse verfolgt. Bürgermeisterin Suse Laue sieht mit einer gewissen Skepsis, ob die Nutzung als Kompensationsfläche tatsächlich sinnvoll ist. Der eigentlichen Problematik allerdings ist sie sich durchaus bewusst. „Manchmal muss man sich schon wundern, wie klein der Weg geworden ist“, schildert sie ihre eigenen Beobachtungen.

Syke sieht dort Handlungsbedarf – ebenso wie die Nachbarn aus Stuhr und Weyhe. Unter dem Dach der WIN-Region („Wir im Norden“) hat aus diesem Grund ein Unternehmen den Auftrag bekommen, die Flurkarten mit tatsächlichen Fotografien zu vergleichen und mögliche Überpflügungen festzustellen. Ziel der Aktion: Eine „ökologisch sinnvolle Nutzung“ der Seitenränder. „Dabei kommt's uns ja nicht auf einen halben Meter an“, so Laue. Die Bürgermeisterin weist darauf hin, dass nicht alle Landwirte sich öffentlichen Boden aneignen. „Es gibt ja auch viele Bauern, die sich genau an die Begrenzungen halten.“

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