Stadt gedenkt mit einer Ausstellung dem Einmarsch der Allierten vor 70 Jahren

Als der Krieg zuende war

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Färbermeister Karl Weinrich war das einzige zivile Todesopfer beim Einmarsch der Briten am 8. April 1945. Er wurde von einem deutschen Soldaten erschossen.

Syke - Von Michael Walter. Das Leben von Färbermeister Karl Weinrich endete vor seinem Haus an der Herrlichkeit: Ein junger deutscher Soldat hatte aus dem Hinterhalt auf einen britischen Infanteristen geschossen, dem Weinrich kurz zuvor die Haustür geöffnet hatte. Das Geschoss prallte links neben dem britischen Soldaten vom Türrahmen ab und traf Weinrich im Gesicht. Noch am gleichen Tag erlag er seinen Verletzungen. Karl Weinrich war das einzige zivile Todesopfer, das die Besetzung der Stadt am 8. April 1945 forderte.

Genau vier Wochen vor der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht gegenüber den Alliierten endete für Syke der Zweite Weltkrieg. 70 Jahre danach erinnert die Stadt mit einer Ausstellung daran, die vom 13. April bis zum 22. Mai im Rathaus zu sehen ist. Zur Eröffnungsveranstaltung in der Stadtbibliothek (Beginn: 19 Uhr) lesen Stadtarchivar Hermann Greve, Historikerin Gabriele Wichert und Bürgermeisterin Suse Laue aus zeitgenössischen Quellen wie zum Beispiel Tagebüchern.

Die Ausstellung selbst dürfte keine leichte Kost werden: Es gibt keine Exponate, sondern „nur“ zwölf großflächige Aufsteller mit Reproduktionen von Bildern, Dokumenten und ausführlichen Hintergrundinformationen dazu. Gestaltet hat sie der Grafikdesigner Ulrich Deppe. Hauptverantwortlicher für den Inhalt ist der Syker Stadtarchivar. Hermann Greve: „Wir werfen darin auch ein Streiflicht auf Syke im Luftkrieg. Die Stadt ist bereits seit 1940 in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum einen bei Angriffen auf Bremen, zum anderen bei Angriffen auf die Bahnstrecke.“

Am 7. April 1945 wurde in Heiligenfelde der erste britische Panzer gesichtet. Schon tags darauf waren die letzten deutschen Soldaten aus der Stadt vertrieben. Frieden sollte für die Einwohner aber erst gute drei Wochen später einkehren: Zwischen Syke und Weyhe hatten sich SS-Einheiten verschanzt – insgesamt rund 1500 Mann – um den Briten und den nachrückenden Amerikanern den Weg nach Bremen zu versperren. Beim Kampf um die Hansestadt kam es sogar zu deutschen Tieffliegerangriffen auf rückwärtige alliierte Stellungen in Syke. Greve: „Es gibt unzählige Zeitzeugenberichte über diese Ereignisse. Da sind zum Teil ganz gruselige Sachen passiert.“

Für die Zivilbevölkerung wurde die Situation zusätzlich verschlimmert durch die vielen Kriegsflüchtlinge aus den Ostgebieten, die ab März massenweise in Syke eintrafen, und die versorgt werden mussten. Und nach dem Einmarsch der Alliierten befürchteten nicht wenige Racheakte durch die befreiten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen. Greve weiß: „Es ist damals zwar durchaus zu Plünderungen gekommen und einzelne Landwirte, die ihre Zwangsarbeiter schlecht behandelt hatten, sind auch verprügelt worden.“ Es hat aber keine Toten gegeben – bis auf Karl Weinrich.

Von wo der tödliche Querschläger damals gekommen ist, konnte nie geklärt werden. Ein britischer Panzer hat hinterher zweimal auf den Turm der Christuskirche gefeuert. „Offenbar vermuteten die einrückenden Briten, dass der Todesschütze sich im Kirchturm aufhielt“, so Greve. „Die Tochter des Opfers ist jedoch der Auffassung, dass der deutsche Soldat, der den Schuss abgab, sich in einem kleinen Gehölz hinter dem Hansa-Haus verschanzt hatte.“

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