Aus „Lüttje Lüüd“ wird „Entdeckerkiste“

Stadt benennt Kita um

Die Tage sind gezählt: Auch das hölzerne Schild mit dem alten Namen Lüttje Lüüd dürfte bald der Vergangenheit angehören. Stadtratsmitglied Peter Ehrt ist wie eine ganze Reihe seiner Kollegen irritiert über das Vorgehen der Stadt in Sachen Unbenennung.
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Die Tage sind gezählt: Auch das hölzerne Schild mit dem alten Namen Lüttje Lüüd dürfte bald der Vergangenheit angehören. Stadtratsmitglied Peter Ehrt ist wie eine ganze Reihe seiner Kollegen irritiert über das Vorgehen der Stadt in Sachen Unbenennung.

Syke – Die Stadt hat eine waschechte plattdeutsche Ecke: Ein Dutzend Straßen tragen Namen „op Platt“. Die Anwohner leben Achtern Höben oder Bi de Kark, im Appelhoff oder am Beerboom. Dazu passt der Name des nahe gelegenen Kindergartens: Lüttje Lüüd ist er vor langer Zeit genannt worden. Doch der Name ist bald Geschichte: Zum Beginn des neuen Kita-Jahres am 1. August erhält der städtische Kindergarten einen neuen – dann wird aus Lüttje Lüüd die Entdeckerkiste. Dieser Umstand hat auf der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause für Unmut gesorgt.

Unmut im Stadtrat

„Quer durch den Rat“ habe es Irritationen gegeben, sagt Peter Ehrt, der für die CDU im Stadtrat sitzt. Der Unmut entzündete sich dabei im Wesentlichen an zwei Punkten. Zum einen wurde der Rat mit der Entscheidung vor vollendete Tatsachsen gestellt – Bürgermeisterin Suse Laue teilte die Umbenennung lediglich im Rahmen ihres Berichts mit. Der Rat als oberstes Gremium sei nicht einmal gehört worden.

Noch mehr Verwunderung löste die schriftliche Begründung der Umbenennung aus. Der Name stehe seit vielen Jahren „für einen Großteil der Syker Bevölkerung für einen Kindergarten mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Ausländern/Migranten/Flüchtlingen“, heißt es in dem Dokument, das auf der städtischen Homepage abrufbar ist. Und weiter: „Durch eine Umbenennung soll der Ruf der Kindertagesstätte wieder eine positive Richtung bekommen.“

Neuer Name, neues Glück?

Eine Erklärung, die Peter Ehrt einigermaßen auf die Palme bringt. „Wir können doch die Probleme nicht bewältigen, indem wir einer Kita einen neuen Namen geben“, ist er überzeugt.

Auch die Erklärung, die neue kirchliche Kita in Barrien trage den Namen Lütje Speelhus, und das könne zu Verwechslungen führen, überzeugt den Ratsherrn nicht so recht. „Da stellen wir das Plattdeutsche unter Schutz, und hier haben wir nichts Besseres zu tun, als den Namen verschwinden zu lassen?“ In seinem Bekanntenkreis habe niemand Verständnis für die Umbenennung des Kindergartens gehabt.

Dass Ehrt so allergisch auf die Veränderung reagiert, hat einen weiteren, persönlichen Grund. „Ich hab das alles schon mal erlebt“, erklärt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Familie Ehrt war im Jahr 1989 aus der DDR geflohen, hatte dort zuvor zahlreiche Umbenennungen miterlebt. Ehrt warnt: „Wir geben unsere Identität auf.“

„Wir geben unsere Identität auf“

In Reihen der Stadtverwaltung sieht man die Situation völlig anders. „Wir haben ja nicht einfach nur das Namensschild ausgetauscht“, reagiert Claudia Prößler, die für Kindergärten zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, auf die Beschwerden. Und wirbt mit großem Einsatz für die Veränderung. „Es kommt auf die Inhalte an.“ Und genau die, so Prößler, hätten sich eben in den vergangenen Wochen und Monaten durchaus verändert.

Das liegt zum einen an den veränderten Gruppen: Weil die letzte verbliebene Nachmittagsgruppe („Die grooden Racker“) mangels Interesse aufgelöst wurde, stehen nun zwei Ganztagsgruppen zur Verfügung.

Mehr als nur ein neuer Name

Viel wichtiger aber sind die personellen Entwicklungen: Im Sommer 2019 übernahm Britta Kirsten die Leitung der Einrichtung, nachdem ihre Vorgängerin Karin Buss in den Ruhestand gegangen war. „Durch die neue Einrichtungsleitung gab es viele neue Impulse“, so Prößler. Unter anderem wurde eine Lernwerkstatt ins Leben gerufen. „Die Mädchen und Jungen machen viele Entdeckungen, sind die totalen Entdecker geworden“, erklärt die Fachbereichsleiterin. „Um das darzustellen, war ein Namenswechsel notwendig.“

Ein möglicher neuer Name sei im Kreis der Mitarbeiterinnen seit Längerem ein Thema gewesen, bestätigt Prößler. Auch die Auswahl des neuen Namens hat sie in die Hände des Personals gegeben. Und zeigt sich hochzufrieden mit der Auswahl. „Als ich ihn gehört hab, habe ich gesagt: ,Passt!‘.  Ich könnte mir keinen besseren Namen vorstellen.“

Von Frank Jaursch

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