Heimatbund und Kreismuseum starten zweijähriges Projekt mit Zeitzeugen

Spurensuche in der Landwirtschaft

Die Schlachtung kann beginnen: Der Hausschlachter und seine Assistentin posieren mit Vorschlaghammer und Messer fürs Foto. Unklar ist, wann es entstanden ist und wer darauf zu sehen ist. Über Hinweise würden die Spurensucher sich freuen. Repro: Ernst Brochnig

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Einst verdienten 60 Prozent der Menschen im Landkreis Diepholz ihren Lebensunterhalt mit und in der Landwirtschaft, heute sind es noch fünf Prozent – zwei Zahlen, mit denen der Historiker Ralf Weber den Wandel in einem prägenden Wirtschafts- und Lebensbereich deutlich macht. Genau den stellen der Kreisheimatbund und das Kreismuseum in den Mittelpunkt einer Spurensuche: Mit einer Ausstellung, einem Buch und einem Film wollen sie den Wandel in der Landwirtschaft, die den Landkreis Diepholz nachhaltig geprägt hat, über ein Jahrhundert hinweg reflektieren und dokumentieren. Berichte, Fotos, Briefe und Erzählungen von Zeitzeugen haben dabei einen ganz besonderen Stellenwert. Im Betriebsausschuss Kreismuseum, der unter Leitung von Hermann Schröder (FWG) tagte, stellte Ralf Weber das auf zwei Jahre angelegte Projekt vor. Der Landschaftsverband Weser-Hunte unterstützt es.

Das Konzept ist mehrfach erprobt – zuletzt bei der Dokumentation über die Gaststätten im Landkreis mit dem Titel „Halte Rast, sei unser Gast“. Ehrenamtliche des Kreisheimatbundes sollen nun Zeitzeugen der Landwirtschaft in möglichst allen 15 Städten, Gemeinden und Samtgemeinden befragen. Denn ihre Erinnerungen sind Schätze, die in der heutigen Zeit eine längst vergangene Epoche erlebbar machen können.

„Sie sehen heute kaum noch Menschen, die auf dem Land arbeiten“, stellt Ralf Weber fest, während er im Betriebsausschuss großflächige Fotos präsentiert: Frauen in bunten Arbeitskitteln, die Rüben ziehen – einst begehrtes Viehfutter für den Winter.

Dann gewährt der Historiker auch einen Blick in die Küche eines Bauernhofes: Vier Menschen aus zwei Generationen stärken sich am blank gescheuerten Küchentisch mit Broten. Zur – scheinbaren – Idylle, die das Bild widerspiegelt, gehört auch der Familienhund unter dem Tisch.

Extrem gewandelt hat sich seitdem auch die Ernährung der Menschen. Das Foto eines fetten Schweines und des Hausschlachters in voller Montur, mit dem Vorschlaghammer über der Schulter, beweist das. Dieses Bild stellt der Syker Gästeführer Ernst Bochnig zur Verfügung.

Ort, Personen, zeitliche Datierung des Fotos sind jedoch nicht bekannt. Deshalb hoffen die Spurensucher auf konkrete Informationen: Wer Angaben zu dem Bild machen kann, sollte sich im Kreismuseum Syke (Telefon 04242/2527) melden. Museumsdirektor Ralf Vogeding engagiert sich genauso für das Landwirtschaftsprojekt wie Claus-Dieter Lösche als Vorsitzender des Kreisheimatbunds.

Wie haben sich Höfe im Landkreis Diepholz entwickelt? Welche Mitarbeiter waren dort einst beschäftigt? Mit welchen Handels-, Gewerbe- und Handwerksbereichen arbeiteten die Bauern damals zusammen? Diese und andere Fragen wollen die Ehrenamtlichen des Kreisheimatbundes möglichst vielen Zeitzeugen stellen. Außerdem möchten sie Vorsitzende von landwirtschaftlichen Vereinen sowie Mitarbeiter von Genossenschaften und Lohnunternehmen nach ihren ganz persönlichen Erinnerungen fragen.

Sie hoffen, bei diesen Gesprächen auch alte Bilder oder Briefe, Postkarten oder Akten für die Spurensuche entdecken zu können. Genauso arbeiten die Spurensucher mit den Archivaren im Landkreis, mit Heimatvereinen und Geschichtswerkstätten zusammen. Denn thematisieren wollen sie möglichst viele Facetten der Landwirtschaft von anno dazumal, vor allem im Zeitraum zwischen 1870 und 1970, aber auch darüber hinaus. Die Modernisierung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge gehört genauso dazu wie der Wandel in der Arbeitswelt, das ländliche Leben und die Traditionen – wie zum Beispiel Erntefeste.

Im Fokus stehen genauso besondere Epochen – wie die goldene Zeit des Schweinehandels zwischen 1890 und 1914 in Syke oder die Gänsezucht im Süden des Landkreises, ebenso der Tabak-Anbau in Sudwalde-Menninghausen.

In zwei Jahren soll das ehrgeizige Projekt abgeschlossen sein.

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