Gästeführung mit Christiane Tesch

Auf den Spuren großzügiger Gönner

Gästeführerin Christiane Tesch am Denkmal für Hauptmann Ernst Boden. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Dagmar Voss. Beim Rundgang durch die Innenstadt gelang es Gästeführerin Christiane Tesch am Freitagnachmittag, großzügige einstige Spender und ihre Vermächtnisse lebendig werden zu lassen.

Ausgehend vom Ernst-Boden-Platz wanderten die neun Gäste der Führung die Hauptstraße entlang, nahmen kleine Schlenker zu Lidl und der Kreissparkasse, bevor sie an der Christuskirche anlangten. Einige wenige gönnten sich am Ende noch Kaffee und Kuchen in der Alten Posthalterei.

Glück mit dem Wetter hatten sie auch, denn nach ein paar Tropfen ging es trocken bis zum Ziel – und da schüttete es pünktlich aufs vorletzte Wort aus Eimern.

Am Ausgangspunkt, dem Ernst-Boden-Platz, sorgte das Denkmal für Hauptmann Ernst Boden von 1881 für die Stein gewordene Erinnerung an diesen Wohltäter. Der 1770 geborene spätere Bürgermeister wurde von den napoleonischen Truppen von 1811 bis 1813 eingesetzt. Später allerdings kämpfte er 1815 in Waterloo auf der Seite der antinapoleonischen Koalition. Er starb 1850 und vermachte in seinem Testament 20 Hektar Wirtschaftsflächen an den Flecken, die pachtfrei weitergegeben werden sollten – an mittellose Männer mit tadellosem Lebenswandel. Erst 1964 erlosch die Ernst-Boden-Stiftung, das Grundvermögen war wohl größtenteils in Schul- und Wohnungsbau geflossen.

Weiter ging es zum alten Lüdecke-Haus. Doris Lüdecke vermachte es sowie einige Ländereien der Kirchengemeinde im Jahr 1951.

Auf dem Weg gelangten die Gäste zur Straßeneinmündung bei der Volksbank. Dort befindet sich der Stolperstein für Johanne Harf – um die es jedoch Christiane Tesch nicht ging. Vielmehr hatte sie Interessantes über einen Schlachter Löwenstein herausgefunden, der dort wohl sein Geschäft gehabt hatte. Auch der hatte 1899 ein Testament geschrieben: „Zu Gunsten armer Witwen und Waisen vermache die Summe von 2000 Mark…“ Hinterlegt und zinslich belegt wurde das bei der Sparkasse. Die Hälfte der Zinsen sollte der Bürgermeister jährlich im Februar an arme Witwen und Waisen verteilen; die andere Hälfte dem jeweiligen Synagogenvorsteher geben, der sie wiederum an Löwensteins Todestag ebenfalls an arme Witwen und Waisen israelitischer Herkunft verteilen sollte.

Zu den weiteren Wohltätern zählten der Apotheker Adolph Meyer und sein Vermächtnis von 1893, und Gertrud Preckel. Sie vermachte ihr Haus – heute steht dort der Supermarkt Lidl – der Kirchengemeinde, damit der neue zweite Pastor ein Dach über dem Kopf haben sollte.

Den krönenden Abschluss bildeten die drei Chorfenster der Christuskirche, gespendet 1885 von Ludwig Deneke, der sein Vermögen in Südamerika gemacht hatte und mit viel Geld in die Heimat zurückgekehrt war.

Ein letztes Wissensstückchen gab es bei der Posthalterei, in die Ernst Boden kurz vor seinem Tod gezogen war. Für einen 35-jährigen Syker war diese Begehung seiner Heimatstadt „ausgesprochen informativ mit vielen neuen Details“.

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