Im Stil von Heinz Erhardt

Marco Tschirpke begeistert mit seinem Musikkabarett

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Woher der Männername im Programm „Frühling, Sommer, Herbst und Günther“ kommt, erzählte Marco Tschirpke nicht. Sehr gute Unterhaltung bot er den Gästen dennoch.

Syke - Von Anika Bokelmann. Die Musik zu Beginn versprach einen Abend voller Unterhaltung: Zu der Melodie eines der bekanntesten amerikanischen Filmunternehmen betrat Marco Tschirpke am Freitagabend die Bühne im Gleis 1 in Syke. Darin hatten sich aber einige Dissonanzen verirrt – eine Andeutung auf den Verlauf des Abends mit Anekdoten, gespickt mit reichlich schwarzem Humor und nicht immer dem Ende, was man erwartete.

Im nahezu ausverkauften Saal präsentierte Musik-Kabarettist Tschirpke bei seinem vierten Auftritt in Syke sein aktuelles Programm nach dem gleichnamigen Buch „Frühling, Sommer, Herbst und Günther“. Wobei seine Gedichte, Prosatexte und Lieder keine Antwort darauf gaben, was es mit dem Männernamen in der Aufzählung auf sich hat. Überhaupt spielte Tschirpke mit den Erwartungen des Publikums: Häufig endeten seine Lieder, bevor sie angefangen hatten. „Lapsuslieder“ nennt der Künstler die Stücke, die höchstens eine halbe Minute lang sind. Auf das plötzliche Ende einer Anekdote herrschte sodann zunächst Schweigen, bevor sich die Pointe erschloss. „Komik auf homöopathischer Basis“, lautet Tschirpkes Erfolgsrezept.

„Ich schlage viele Bögen und noch mehr Haken“, hatte der Protagonist zu Beginn versprochen. So spielte Tschirpke auf diverse Stationen der Kunstgeschichte an, war aber schon bei der nächsten angelangt, bevor der Zuschauer sich in die vorige reingedacht hatte.

„Wohldurchdachte Zumutung“

Alltagssituation, beschrieben im Stil von Ringelnatz und Heinz Erhardt, bildeten den roten Faden des satirischen Abends. Dabei streifte Tschirpke auch das politische Geschehen mit einem Seitenhieb auf Fake-News und die Sondierungsgespräche, die er in seinem Gedicht „Der Meisenknödel“ verbildlichte.

Als „wohldurchdachte Zumutung“ beschrieb der Berliner sein Programm und betonte, dass er auf ein kritisches Publikum angewiesen sei: „Jeder Mist, der beklatscht wird, vermehrt sich.“ Buh-Rufe müssten begründet werden, fügte er hinzu.

„Jetzt können Sie sich den Abend schön trinken“

Im Gegensatz zu den kurzen Beiträgen und Gedankensprüngen erschien die Mail-Korrespondenz mit der Leiterin des August-Macke-Hauses episch lang. Letztlich mündete sie im Gedicht „Die Berichtigung“ und einem Gitarrenspiel, mit dem Tschirpke das Publikum in die Pause entließ – „jetzt können Sie sich den Abend schön trinken“.

Mit verwirrenden Anekdoten sowie einem gekonnten Klavierspiel ging es weiter. Ganz nach der Einstellung des Komponisten Schostakowitsch nach einem verschlafenen Eisler-Konzert, „bei schlechter Musik hätte man kein Auge zugetan“, sei er nicht böse, wenn jemand bei seinem Jazzstück, einer eigenwilligen Interpretation von „Monks Theme“ wegnicken würde, so Tschirpke.

Publikum fordert Zugabe

Gegen Ende des Abends widmete sich der Klavierkabarettist einer Geschichte um eine Gestütsbesitzerin und trug in diesem Zusammenhang Lieder und Gedichte mit dem Hinweis auf anstößige Passagen vor. Seine Anmerkung: „Es ist Geschmackssache.“ Eine ganz eigene Version des italienischen „Felicita“, in seinem Fall ein Pferdename, sorgte zum Abschluss für einen Höhepunkt. Denn schließlich mündet die Anbetung der Stute in der Erkenntnis „steuerlich absetzbar war Felicita“. Nach diesem enthusiastisch vorgetragenen Lied mit stimmungsvoller Beleuchtung verblasste die Zugabe in Form des Liedes „An meinen Vater“ nahezu.

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