Mitarbeiter fühlen sich unzureichend informiert

Sparprogramm bei Famila: Was heißt „100 Prozent“?

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Der Eingang des Famila-Marktes am Hachepark. Wegen des jetzt angelaufenen Personalprogramms der gesamten Bünting-Gruppe ist es zu Unmut in der Belegschaft gekommen.

Syke - Von Frank Jaursch. Der Hachepark ist längst zum heimlichen Stadtzentrum Sykes geworden, und Famila ist sein Herzstück. Der 7500-Quadratmeter-Markt wird sehr gut besucht, viele Syker erledigen dort gern ihre Wocheneinkäufe. Doch es rumort unter der Oberfläche. Die Stimmung unter den Mitarbeitern „ist nicht gut“, betont eine Mitarbeiterin im Gespräch mit der Kreiszeitung. Hauptgrund dafür ist die Einführung eines Personalprogramms, bei dem viele Mitarbeiter länger arbeiten müssen – ohne Lohnausgleich.

Die Famila-Kette gehört zur Bünting-Unternehmensgruppe aus Leer. Der Konzern hat stürmische Zeiten hinter sich: Nach mehreren defizitären Jahren hat die Leitung das Programm „Zukunft Bünting“ angeschoben – um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Ein Teil des Programms sieht Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten vor: Unter anderem unbezahlte Mehrarbeit (für Vollzeitkräfte eine Stunde pro Woche) und eine Umwandlung eines Teils des Gehalts in Gutscheine. Das Programm – das auf freiwilliger Teilnahme basiert – werde dabei von einer großen Mehrheit der Belegschaft mitgetragen. „Über alle Betriebsteile der Unternehmensgruppe Bünting hinweg liegt die Zustimmung inzwischen bei 90 Prozent“, sagte Bünting-Pressesprecher Dr. Christoph Prang.

Ganz so positiv scheint das Bild in Syke nicht zu sein. Mehrere Mitarbeiter fühlen sich unzureichend und zum Teil falsch informiert.

Sparprogramm ausführlich vorgestellt

In einer mehrstündigen Versammlung wurde den Sykern das Sparprogramm vorgestellt. Das Konzept sei „zu 100 Prozent freiwillig“, hieß es darin. Viele Mitarbeiter fassten diese 100 Prozent so auf, dass schon ein einziger Nein-Sager das Programm verhindern könnte. „Wir hatten das Gefühl: Nur wenn wirklich 100 Prozent von uns zustimmen, kommt das Programm“, erinnert sich eine Mitarbeiterin.

Da mehrere Arbeitnehmer in Gesprächen ihre Ablehnung signalisiert hätten, sei vielen das „Ja“ zur Mehrarbeit leicht gefallen. „Alle sagten: ,Dann haben wir ja nichts zu befürchten’“, schildert die Mitarbeiterin.

Im Anschluss an die Informationsveranstaltung hatte jeder Mitarbeiter einen individuellen Vorschlag erhalten, in dem aufgelistet wurde, wie die Umwandlung des Gehalts in einen „Waren- und Dienstleistungsbezug“, eine „Erholungsbeihilfe“ und einen Essenszuschuss erfolgen sollte.

Als einige Wochen später die Umsetzung des Sparprogramms erfolgte, seien manche Mitarbeiter aus allen Wolken gefallen. Viele Famila-Arbeitnehmer waren offenbar davon ausgegangen, dass die 100-Prozent-Klausel auch im individuellen Vertragsvorschlag aufgetaucht sei. „Jeder hat geglaubt, wir haben es schriftlich.“

Bünting-Sprecher weist Vorwürfe zurück

Der Bünting-Sprecher lässt den Vorwurf, es habe eine unzureichende oder falsche Information gegeben, nicht gelten. „Die Mitarbeiter wurden umfassend informiert“, betont Prang. Unterm Strich entstehe den meisten teilnehmenden Mitarbeitern netto kein finanzieller Nachteil, erklärt Prang. Zudem wurde das Programm auf drei Jahre befristet.

Es seien Informationsveranstaltungen für alle Märkte durchgeführt worden, der Vorstand habe sich mit mehreren Schreiben an die Mitarbeiter gewandt. Prang: „Und alle betroffenen Mitarbeiter wurden zusätzlich individuell befragt.“

Dieser Aussage widerspricht allerdings die Famila-Mitarbeiterin. Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern habe es nicht gegeben. Und damit sei zugleich eine Gelegenheit verloren gegangen, das vermeintliche Missverständnis rund um die 100-Prozent-Regelung im Vorfeld aufzuklären.

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