Spannende Geschichten aus der Bronzezeit / Archäologe Klaus Haller und sein Team boten eindrucksvolles „Spectaculum“

Im Reich der Beinbergen und Tüllenknebelharpunen

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Was trug die Frau von Welt vor 3000 Jahren? Die Museumsbesucher wissen‘s jetzt.

Syke - Von Dagmar Voss. Spannende Begegnungen konnten Besucher am Wochenende im Kreismuseum erleben, denn dort wurde ein Stück Menschheitsgeschichte lebendig. Der Osnabrücker Archäologe Klaus Haller und sein Team hatten in einem zweitägigen „Spectaculum“ anschaulich demonstriert, was die Wissenschaft heute über die Bronzezeit weiß; die Epoche von etwa 2000 bis 600 vor Christus.

Wie wurden Speere und Harpunen hergestellt? Wie schwer ist es, mit Pfeil und Bogen zu jagen? Wie hat man damals Feuer gemacht? Welche Schmuck- und Kleidungsstücke trug man (oder frau)? Und was haben damals die Kinder gespielt?

Die 12-jährige Ronja war Feuer und Flamme, nachdem sie lange genug beim Knochenspiel und bei dem Spiel mit dem Namen „1-3-5-7“ zugeschaut hatte.

Und wenn der in groben Wollstoff gekleidete Animateur nicht gerade die Knöchelchen warf, spielte er mit einem Stück Geweih auf seinem Lithophon; einem aus sechs großen Steinen gebildeten Riesenxylophon, das mit durchdringenden Klängen durch den Museumsgarten drang.

Nebenan präsentierte Thorsten Seifert seine Modenschau, die er nach langen Recherchen zusammengestellt hatte. Da gab es Blusen, Tuniken und Flügelhauben aus Wolle zu sehen, verschönert durch bronzene Kleiderfibeln oder Spangen, durch schmückende Tierzähne und Bernsteine an Ketten und Gürteln. „Wir haben da einiges kombiniert und dann selbst hergestellt, was aus Grabfunden in Dänemark oder Bayern dokumentiert wurde“, erklärte der Elektroingenieur und Goldschmied.

Sehr ungewöhnlich die Beinbergen: Dekorative Bronzeringe, die um den Unterschenkel getragen wurden.

Auch die anderen Akteure konnten spannende Geschichten über die Bronzezeit und das Leben damals erzählen. Zum Beispiel Jörg Nadler: Im richtigen Leben ist er Fischer an der Schlei in Schleswig. Im Museum berichtete er über den Fischfang in der Bronzezeit. Über Reusen und Stülpen, Angeln, Schlagschlingen und Netze sowie Krebsstöcke, Harpunen und Speere. Er zeigte, wie eine Tüllenknebelharpune hergestellt und benutzt wird. „Mit diesem für die Bronzezeit typischen Gerät jagte man große Fische: Welse und Hechte“, erklärte er. An einem langen Haselholzstab brachte er eine Spitze aus Geweih an, darauf dann eine weitere Spitze mit einer Schnur, die beim Wurf im Fisch stecken blieb und dann mitsamt Beute eingezogen werden konnte. „Diese Fangart wurde tatsächlich nicht nur hier bei uns in der Bronzezeit verwendet, sondern auch bei den Innuit oder in Japan.“

"Spectaculum" in Syke

Viele andere Kinder wollten probieren, wie das mit dem Feuerschlagen ging. Wie beim Schlagen eines Feuersteins gegen einen Stahl – „früher war das natürlich eher Pyrit oder Markasit“, so der Fachmann – Funken flogen, die dann auf bereits vorbereiteten Untergrund aus Heu und angebrannte Leinwand fielen und letztlich ein kleines Feuer in Gang setzten.

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