Plötzlich Bauland händeringend gesucht

In Syke entstand ein ganz neuer Stadtteil

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PLÖTZLICH ging alles ganz schnell: Das Baugebiet „westlich der Sulinger Straße“ in Syke ist ausgebucht. Oftmals sind es lediglich noch Restarbeiten, die auf den einzelnen Baustellen auszuführen sind.

SYKE/LANDKREIS (kra). Hier eine Handvoll neuer Bauplätze in Schnepke, dort ein knappes Dutzend in Clues. Sykes Politik wälzte kurz vor der Sommerpause noch einmal schwer die Bebauungspläne der einzelnen Ortschaften. Aus gutem Grund. Womit niemand mehr gerechnet hatte, war eingetreten: Die neue Lust am Neubau. Während Bauplätze in früheren Jahren angeboten wurden wie Sauerbier und sich nur wenige abenteuerlustige Bauherren erbarmten, klettert die Nachfrage zurzeit steil nach oben. Und ein Ende ist erstmal nicht in Sicht.

Das bestätigt auch Florian Brauer vom Gutachter-Ausschuss Sulingen-Verden der Katasterämter. „Im Landkreis Diepholz sind im Jahr 2014 insgesamt 367 Wohnbauplätze verkauft worden. Im ersten Halbjahr 2015 lagen dem Gutachterausschuss bereits 209 Kaufverträge für entsprechende Bauplätze vor,“ sagt er. Auch wenn der Verkauf von Bauplätzen in der zweiten Jahreshälfte meist etwas schwächer ausfalle, würden die Vorjahresumsätze wahrscheinlich erreicht oder übertroffen.

Alles also gut am Bau? Demnächst sprießen in jeder Gemeinde und jeder Stadt wieder die Baugebiete? Endlich wieder steigende Einwohnerzahlen allerorten? Nicht ganz. Bei den Bauplätzen wird die Region von einer schweren Unwucht heimgesucht. Der hohe Norden feiert Zuwächse, je weiter es nach Süden geht, desto schwieriger die Lage. „Der Umsatzschwerpunkt im Landkreis Diepholz liegt regelmäßig in den drei nördlichen Gemeinden Stuhr, Syke und Weyhe,“ sagt auch Brauer, „hier sind im ersten Halbjahr 2015 bereits 62 Bauplätze verkauft worden, dies entspricht etwa der Hälfte des Vorjahresumsatzes.“

Und tatsächlich wird es in den drei Nordkommunen eng. Ein leicht verregneter Vormittag im südwestlichen Zipfel der Stadt Syke. Maurerfirmen kutschieren Ziegelsteine heran, Dachdecker trotzen dem Nieseln hoch oben auf den Dachsparren, frisch gebackene Häuslebauer ziehen mit dem Rechen eine ebene Fläche vor der nagelneuen Terrasse. Das Baugebiet „Westlich der Sulinger Straße“ im Spätsommer 2015. Ein Baugebiet, das Schlagzeilen gemacht hat. Mit insgesamt 140 Bauplätzen war es die letzte riesige Fläche, die im nördlichen Landkreis Diepholz angehenden Häuslebauern angedient wurde. Der Start fiel vor Jahren ernüchternd aus. Kaum jemand, der das Finanzrisiko einging, das ein Neubau mit sich bringt, und wenn doch, dann lieber schick in einer Baulücke irgendwo im Zentrum.

Die dunklen Wolken westlich der Sulinger Straße haben sich in Luft aufgelöst. Kein mächtiges Werbeschild mehr, das den Blick auf freie Bauplätze versperrt. „Die Vermarktung ist abgeschlossen,“ sagt Jörg Städtler vom Immobilienservice der federführenden Kreissparkasse Syke. Lediglich ein einzige Grundstück stehe noch zur Disposition, aber auch dafür sei ein Interessent längst gefunden, die Beurkundung des Kaufvertrages stehe kurz bevor.

Ein Baugebiet, das vorrangig in den vergangenen zwei Jahren Karriere gemacht hat. Plötzlich ging es Schlag auf Schlag, innerhalb weniger Monate wechselten 33 Bauplätze den Besitzer. Praktisch über Nacht ist hier ein ganz neuer Stadtteil mit rund 500 Einwohnern entstanden.

Bleibt nur die Frage, ob die neue Lust am Bau anhält. Überregionale Experten reagieren skeptisch. Die N-Bank zieht für ihren niedersachsenweiten Wohnungsmarktbericht eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung zu Rate. Demzufolge wächst Niedersachsen bis 2019 auf rund acht Millionen Einwohner an, fällt dann aber innerhalb von zehn Jahren auf 7,2 Millionen zurück. Dieser Prozess verlaufe regional sehr unterschiedlich. Dynamische Regionen wie Hannover, Osnabrück oder der Bremer Speckgürtel profitierten. Überdurchschnittliche Bevölkerungsrückgänge seien im Süden und Nordosten des Landes zu erwarten, in weiten Teilen des Küstenraumes und im mittleren Niedersachsen südlich von Bremen. Klartext: Der Landkreis Diepholz dürfte sich höchst unterschiedlich entwickeln – wenn die Prognose stimmt.

Dass sie zutrifft, darauf deutet die Preisentwicklung für Bauland hin. „In den vergangenen beiden Jahren legten die Preise im Schnitt jeweils um vier Prozent zu“, sagt Florian Brauer vom Gutachter-Ausschuss, „im ersten Halbjahr 2015 hat sich die Lage etwas beruhigt, so dass zurzeit von stabilen Baulandpreise auszugehen ist.“ Allerdings verlief die Entwicklung zuletzt höchst unterschiedlich. Im Nordkreis stieg der Quadratmeterpreis um sechs Prozent, in den kleineren Orten im Südkreis trat sogar ein Rückgang zu Tage.

Was sich nicht beruhigt hat, ist die Nachfrage, zumindest im Nordkreis. „Uns liegen einige Anfragen vor“, heißt es aus nahezu jedem Immobilien-Büro der Region. Man könne sich sogar vorstellen, dass ein neues Baugebiet mittleren Ausmaßes durchaus gute Marktchancen genieße. Zwei Voraussetzungen freilich müsse es erfüllen: Erstens habe es in einer der drei Nordkreiskommunen zu liegen, und zweitens dürfe der Quadratmeterpreis nicht noch weiter wachsen. Ein niedriges Preisniveau allerdings bleibt das Problem. Die Erschließungskosten sind zuletzt beträchtlich gestiegen.

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