Siegmund Lange (87) lernte das Malen nach der Kriegsgefangenschaft – seitdem hat er mehr als 1000 Bilder geschaffen

„Es strömt einfach so aus mir heraus“

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Siegmund Lange in seinem Atelier in Barrien-Bülten. Auf dem Ölgemälde in seinen Händen hat er den Syker Mühlenteich abgebildet.

Barrien - Von Ulf Kaack. Die Malerei ist seit über sechs Jahrzehnten die ganz große Leidenschaft von Siegmund Lange. Der 87-Jährige aus dem Ortsteil Barrien-Bülten arbeitet stilübergreifend und legt in seinen Bildern eine bemerkenswerte Präzision an den Tag.

Wie viele Gemälde er in seinem Leben geschaffen hat? Siegmund Lange antwortet mit einem Achselzucken: „Das habe ich nie gezählt, aber es dürften weit mehr als 1000 gewesen sein. Ich habe einen großen Teil meiner Freizeit in meinem Kelleratelier an der Staffelei zugebracht.“

Vor allem Stillleben, Landschaften und die Darstellung von Blumen faszinieren den Autodidakten. Dabei bedient er sich selten einer Vorlage oder einer Skizze. „Die Bilder entstehen in meinem Kopf“, sagt er. „Ich habe die Motive wie eine reale Abbildung vor meinem inneren Auge und setze sie anschließend mit Pinsel und Farbe auf der Leinwand um. Es strömt einfach so aus mir heraus.“

Geboren wurde der Künstler in Litauen. Seine Familie war auf der Flucht vor der Roten Armee in den Westen, als er im Alter von 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen wurde. Kurz vor Kriegsende geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. Fünf Jahre währte dieser Leidensweg, der sein Leben prägte. „Danach lag ich zwölf Monate im Krankenhaus“, erinnert er sich. „Mein Bettnachbar war Kunstmaler und zeichnete ständig. Das weckte mein Interesse. Ich besorgte mir zunächst Kohle und Kreide, sattelte dann aber schnell auf die Ölmalerei um.“

Zu Beginn der 1950er-Jahre drückte Siegmund Lange nochmal dreieinhalb Jahre die Schulbank und holte an Bildung nach, was ihm kriegsbedingt versagt geblieben war. Anschließend arbeitete er in Bremen. Zunächst bei Borgward, später baute er Fernseher bei Nordmende. Die Kunst verlor er dabei nicht eine Sekunde aus den Augen.

Sein erstes Bild verkaufte Siegmund Lange 1954 kurz vor dem Weihnachtsfest in Lahausen. Daran erinnert er sich noch ganz genau. Seine frisch angetraute Frau Margret und er konnten sich keinen Festtagsbraten leisten. Also setzte sich Siegmund Lange mit einem Landschaftsgemälde unterm Arm aufs Fahrrad und fuhr von Haus zu Haus, um einen Käufer für das Bild zu finden. Und tatsächlich zahlte ein Kunstfreund die damals stolze Summe von 45 Mark dafür. Der Gänsebraten war gerettet.

Die Malerei kennt für den Rentner keine Grenzen. In der Vergangenheit hat er jede Menge Auftragsarbeiten erledigt. Seine künstlerischen Qualitäten sprachen sich schnell rum, bis weit über den Freundes- und Kollegenkreis hinaus. Auf Bestellung hat er sogar die Kunstwerke alter Meister kopiert, teilweise neu interpretiert. In Gessel verewigte er den Kopf eines Pferdes auf einer Stalltür. Und auch die Wände seines Wohnhauses in Barrien zieren großflächige Gemälde.

Siegmund Langes gegenständliche Arbeiten grenzen zum Teil an Fotorealismus. Meisterhaft gelingt es ihm, Perspektiven und Proportionen herauszuarbeiten. Doch auch mit den modernen Strömungen in der Kunst hat er sich auseinander gesetzt. „Abstrakte Bildgestaltung macht eine Menge Spaß und ist eine Herausforderung auf einer völlig anderen Ebene“, sagt der 87-Jährige. „Beim Spiel mit Formen und Farben kann ich meiner Phantasie freien Lauf lassen.“

Seit einiger Zeit verbringt Siegmund Lange deutlich weniger Zeit hinter seiner Staffelei, da er sich rund um die Uhr der Pflege seiner Frau widmet.

Doch wenn sich eine freie Stunde ergibt, zieht es ihn sofort in sein Atelier. „Dann werden die Formate halt ein bisschen kleiner“, lächelt er. „Für mich ist Malerei eine Form der geistigen Erholung. Sie hält mich fit und jung.“

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