Wie der Sieg beim „perfekten Dinner“ das Leben von Gero Eichberger veränderte

„Gero, ich will ein Schoko-Soufflé von dir!“

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Seit April 2015 betreibt Gero Eichberger ein Koch-Blog. Was zunächst ein Tipp unter Freunden und Insider war, genießt seit dem „perfekten Dinner“ steigende Bekanntheit.

Syke - Von Frank Jaursch. Ein einziger Punkt fehlte Gero Eichberger zum „perfekten Dinner“: Bei der gleichnamigen Fernseh-Kochshow gaben seine Mitstreiter dem Syker 39 von 40 möglichen Punkten. Das reichte locker für den Wochensieg. Doch die Bedeutung, die die Fernsehsendung für den 48-Jährigen bis heute hat, geht weit über den Wert des Sieges hinaus.

„Es war um ein Vielfaches schöner, als ich mir je erträumt habe“, schwärmt Eichberger auch noch Monate nach den kulinarischen Kräftemessen. Und er geht noch weiter: „Das kommt ganz knapp hinter der Geburt meiner Tochter“, sagt er. Aber bei diesem Satz blitzt der Schalk noch ein bisschen stärker als sonst aus seinen Augen.

Ende Oktober waren die Fernsehleute zu Gast bei Hobbyköchen in Syke, Weyhe, Achim und Bremen. Fünf Abende lang drehte sich alles ums Essen, jeweils ein Teilnehmer bekochte seine vier Konkurrenten mit einem Drei-Gänge-Menü, und die verteilten Punkte – für das Essen und das Drumherum.

Vom ersten Tag an hatte der Syker das Gefühl, in eine gute Runde geraten zu sein. „Das war sehr befreiend. Alles tolle Menschen. Und je weiter fortgeschritten die Woche war, desto prickelnder wurde es.“ Zu vielen anderen Kandidaten hat er bis heute engen Kontakt, auch zu einigen Mitgliedern der insgesamt drei begleitenden Fernsehteams.

Das Ergebnis durfte Eichberger niemandem vor der Ausstrahlung verraten. Erst im Januar liefen die fünf Folgen im Fernsehen. Die abschließende Freitagsfolge mit sich selbst als Gastgeber verfolgte Eichberger daheim – mit gut zwei Dutzend Gästen und einem großen Pott Chili con Carne.

Selfies bei McDonald‘s – und sein Blog explodiert

Applaus und Jubel, als sein Sieg verkündet wurde. Doch dass der Wahnsinn damit erst begann, konnte Eichberger nicht ahnen.

Denn in der Folgezeit lernte der Versicherungskaufmann ein kleines bisschen kennen, wie es ist, so etwas wie eine Berühmtheit zu sein. Fremde Menschen sprechen ihn an, loben seine Kochkünste. Bei McDonald‘s fragen ihn Jugendliche, ob sie ein Selfie mit ihm machen können. Die „allerschönste Begegnung“ war aber der Ausruf einer ihm unbekannten Frau aus einem Auto heraus: „Gero, ich will ein Schoko-Soufflé von dir!“

Außergewöhnliche Auswirkungen hatte die Sendung auch auf sein kleines Hobby (neben dem Kochen) – sein Koch-Blog. Unter „gregorkocht.com“ veröffentlicht er seit April 2015 viele seiner Lieblingsrezepte im Internet. Die Homepage, die zuvor nur für einen kleinen Kreis bekannt war, hatte schon während der letzten „Dinner“-Folge geradezu explodierende Klickzahlen zu vermelden.

„Während der Sendung hatte ich 13000 Zugriffe“, staunt Eichberger. In den folgenden Wochen verfünffachte sich die Zahl der „Follower“. Eichberger lehnte zudem rund 350 Freundschaftsanfragen auf Facebook ab.

Auch in den – naturgemäß sehr kritischen – Internet-Foren des TV-Senders Vox kam das nahezu perfekte Kochen (Eichberger: „Ich hätte mir weniger Punkte gegeben“) außergewöhnlich gut weg. Steckt da vielleicht doch ein wenig der heimliche Berufswunsch Koch in dem Versicherungs-Experten?

„Vor 20 Jahren habe ich mal kurz vor dieser Entscheidung gestanden“, erzählt er – als in seiner Heimatstadt Uchte die älteste Kneipe dichtmachte. Und noch einmal, es ist gar nicht so lange her, juckte es den begeisterten Hobbykoch in den Fingern: „Als Grete Otersen zugemacht hat.“ Doch es blieb ein Gedankenspiel. „Vielleicht“, sinniert er, „hätt ich‘s machen sollen.“

Dem 48-Jährigen Tim-Mälzer-Fan ist die geradlinige, klassische Küche näher als Gaumenfreuden mit zu viel Schnickschnack. „Ich mach mir auch gern mal ‘ne Currywurst“, verrät er. Und gewährt einen kurzen Blick auf das selbst entwickelte Rezept für „die perfekte Currywurst-Sauce“.

Die meisten seiner Rezepte allerdings hat er nicht selbst kreiert, sondern aus hunderten Kochbüchern und -zeitschriften zusammengesucht. So reicht seine kulinarische Bandbreite vom Chili con Carne (aus der „Brigitte“ von 1990) bis zum „Gewokten Rindfleisch in roter Chili-Erdnusssauce“, dem jüngsten Eintrag in seinem Blog.

Und so sehr der Syker das Kochen auch genießt, unterm Strich ist es für ihn keine Zauberei, etwas Leckeres hinzubekommen. „Wer lesen kann“, lacht Gero Eichberger, „der kann auch kochen.“

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