Sie nehmen (fast) alles

Syker Unternehmerpaar sammelt Sachspenden für Flutopfer in Ahrweiler

Janine Wienecke und Thorsten Selle sammeln Sachspenden für die Flutgebiete in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Bürgermeisterin Suse Laue ist von diesem privaten Engagement begeistert und unterstützt es, in dem die Stadt Lagerflächen für die Spenden zur Verfügung stellt.
+
Janine Wienecke und Thorsten Selle sammeln Sachspenden für die Flutgebiete in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Bürgermeisterin Suse Laue ist von diesem privaten Engagement begeistert und unterstützt es, in dem die Stadt Lagerflächen für die Spenden zur Verfügung stellt.

Syke – Thorsten Selle und Janine Wienecke brauchen alles. Von der Spitzhacke bis zum Dosenöffner und von der Kaffemaschine bis zum Gefrierschrank. Nicht für sich selbst. Die Beiden sammeln Sachspenden für die Flutregion Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Seit den katastrophalen Überschwemmungen von Mitte Juli sind beide fast jedes Wochenende in der Region, um den Menschen dort beim Aufräumen und Wiederaufbauen zu helfen. Ganz privat, ehrenamtlich und auf eigene Kosten. Selle kann anpacken. Vor gut einem Jahr hat er sich mit einem Unternehmen für Baum- und Gartenpflege selbstständig gemacht. Als vor sechs Wochen die Nachrichten von den schweren Überschwemmungen durch alle Medien gingen, hat er nicht lang gezögert, sondern – wie viele andere Handwerker auch – sein Werkzeug eingepackt und ist hingefahren, um zu helfen. Janine Wienecke ist seine Lebensgefährtin und Mitarbeiterin im Betrieb. „Angefangen haben wir damit, Keller vom Schlamm zu befreien“, erzählt Selle. „Dann: Kaputte Fenster rauszuschlagen. Fußböden. Alles, was mit Holz zu tun hat.“ Zuletzt hat er neben einem Schulgelände Bäume gefällt, um Platz für die Container für die Bautrupps zu schaffen. „Wir wollen einfach nur helfen, so lange bis keine Hilfe mehr gebraucht wird.“

Das geht jetzt sozusagen in Phase 2: Waren zunächst ausdrücklich keine Sachspenden für die Flutopfer erwünscht, sondern Geldspenden, sieht es jetzt genau andersrum aus. Die Häuser werden in absehbarer Zeit wieder bewohnbar sein. Aber dann brauchen die Leute Tische, Stühle, Betten, Külschränke, Kochgelegenheiten. Praktisch alles für den täglichen Bedarf.

„Es gibt dort Familien, die haben buchstäblich nichts mehr“, erzählt Selle. „Als das Wasser kam, sind die nachts aus dem Bett und im Schlafanzug aus der Wohnung. Und dann hat das Wasser alles weggespült. Die hatten nicht mal mehr ne Unterhose.“

Für Thorsten Selle und Janine Wienecke war klar: Dafür wollen sie sammeln. Auf Facebook hatten sie nach einer Lagerhalle gesucht. Bürgermeisterin Suse Laue hat das gesehen. „Eine Lagerhalle haben wir zwar nicht, aber dafür ein leerstehendes Hotel“, war die Überlegung. Selle hat sich das angesehen und festgestellt: Das passt. Und jetzt stellt die Stadt Räume in Wessels Hotel als Lagerflächen zur Verfügung.

In Absprache mit der Verwaltung im Landkreis Ahrweiler haben Selle und Wienecke eine Liste mit Gegeständen zusammengestellt, an denen dort dringender Bedarf besteht.

Wer dabei mithelfen möchte, kann seine Spenden bei Wessels Hotel im ehemaligen Frühstücksraum (im Neubau übern Hof) abgeben. Im Prinzip ab sofort. „Ich bin montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr hier“, sagt Janine Wienecke. Freitag fahren beide wieder nach Ahrweiler. Und vielleicht können sie die ersten Spenden dann schon mitnehmen.

Alles, was in Richtung groß und schwer geht – Möbel, Kühlschränke und dergleichen – werden Selle und Wienecke ab Oktober per Lkw dorthin bringen. So lange werde es wohl noch dauern, bis die Wohnungen wieder hergerichtet sind.

Die Spenden dürfen gerne gebraucht sein. „Es sollte aber vernünftiges, heiles Material sein und kein Sperrmüll“, sagt Thorsten Selle. „Sonst können wir es nicht mitnehmen. Und wir können nicht auch noch einen Müllcontainer hier aufstellen, um die Sachen zu sortieren.“

  • Das alles wird benötigt:
  • Werkzeug und Handwerk
  • Panzer-Tape, Kabeltrommeln, Planen, Sicherheitsschuhe, Malerfolie, Farbe, Tapeten, Pinsel, Bohrhämmer, Meißel, Spitzhacken, Schutzbrillen, Bautrockner und Trocknungsgeräte , Brechstangen, Hörschutz, Vorschlaghämmer, Multi-Tools
  • Haushalt
  • WC-Reiniger, Glasreiniger, Waschmittel, Batterien, Wischmopp, Küchenpapier, Dosenöffner, Wäscheleine, Spülmittel, Kerzen, Taschenlampen, Kaffeemaschinen, Toaster, Betten, Matratzen, Decken, Kopfkissen, Bettwäsche, Tische, Stühle, Kühlschränke, Gefrierschränke, Waschmaschinen, Badmöbel, Küchen, Decken- und Stehlampen
  • Essen und Trinken
  • Lange haltbare Lebensmittel, Konserven, Öl, Margarine, Kaffee, Tee, Mineralwasser, Gewürze, Einweggeschirr, Tragetaschen
  • Körperpflege / Hygiene
  • Zahncreme, Zahnbürsten, Mundwasser, Duschgel, Shampoo, Rasierer, Rasierschaum, Haargummis, Bürsten, Nagelscheren
  • Für Kinder
  • Schulmaterial (Hefte, Blöcke, Zirkel, Rucksäcke, ...), Kinderwagen, Spielzeug, Bücher

Von Michael Walter

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet

Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet

Containerweise Sperrmüll statt Spenden für das Hochwassergebiet
Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“

Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“

Strecke Sulingen-Nienburg: Leeres Gleisbett ist „ein Ärgernis“
„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor

„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor

„Traf den Nerv der Zeit“: Ohne Frank Pinkus steht dem Weyher Theater ein Kraftakt bevor
Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Frank Pinkus ist tot: 62-Jähriger erleidet wohl Herzinfarkt auf der Bühne

Kommentare