Kreislandwirt berichtet

Angst vor der Schweinepest erreicht auch den Landkreis Diepholz

Ein Ferkel und eine Muttersau in einem Freiluft-Stall.
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Ob klassische Mast oder Öko-Haltung (Foto) - Landwirte stehen vor enormen Herausforderungen, seit bei einem Wildschwein in Brandenburg die ASP festgestellt wurde. Dem Markt droht ein Kollaps.

Die Angst geht um unter den Schweinemästern und Ferkelerzeugern im Landkreis Diepholz. Nach einem bestätigten Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei einem Wildschwein in Brandenburg ist nichts mehr, wie es war. Kreislandwirt Wilken Hartje befürchtet, dass nicht wenige Schweinehalter aufgeben.

Landkreis  Diepholz – Schwein gehabt – so hatte die Botschaft für die Schweinehalter Anfang  Februar 2020 im Landkreis Diepholz gelautet. Vor fast acht Monaten schien die Lage noch relativ entspannt. Wenigstens zeitweise hatten die Mäster und Ferkelerzeuger 2019 ein bisschen Schwein gehabt: „Die Preise bei den Ferkeln kletterten pro Tier um 50 Prozent und bei den Mastschweinen um 20 bis 60 Cent pro Kilo“, rechnete Kreislandwirt Wilken Hartje damals vor.

Der Spitzenpreis pro Kilo lag bei 2,03 Euro. „Weil weltweit so viele Tiere fehlten“, erläuterte der Kreislandwirt den Hintergrund. Denn in China, dem Land mit der größten Schweineproduktion weltweit, war die gefürchtete Afrikanische Schweinepest (ASP) ausgebrochen: „China hat dabei – im Vergleich – den gesamten Schweinebestand der EU verloren: 250 Millionen Schweine.“ Dass die ASP schon im Februar vor den Toren Brandenburgs und Sachsens stand, betrachtete Wilken Hartje – selbst Schweineproduzent – mit Sorge. Zwar würden an der Grenze zu Polen Schutzzäune errichtet. Aber der Mensch bleibe als Überträger der Seuche ein Unsicherheitsfaktor.

ASP würde den Markt nach China komplett blockieren

„Kommt die ASP nach Deutschland, dann sind wir nicht mehr Exportland. Dann ist der Markt in China blockiert, und dann ist mit sinkenden Preisen zu rechnen“, erläuterte Hartje das Schreckensszenario der Schweinezüchter in der Region – und genau das ist jetzt eingetreten. „Der Markt spielt verrückt“, beschreibt der Kreislandwirt die wirtschaftlichen Folgen des nur einen ASP-verseuchten Wildschweins in Brandenburg. Eine neue Herausforderung für die Schweinehalter in der Region, die erst vor wenigen Wochen mit der Corona-Krise und dem Schlacht-Giganten Tönnies zu kämpfen hatten (wir berichteten). Weil die Verarbeitung der Schlachttiere dort still stand, herrschte Stau im Schweinestall – auch in denen im Landkreis Diepholz. Nur mit Verzögerung – und viel zu oft mit finanziellen Verlusten – konnten die Mäster ihre Tiere verkaufen.

Und nun? „Der Preis fällt bis zu 20 Cent pro Kilo am Tag“, hat der Kreislandwirt nach dem ASP-Fall in Brandenburg beobachtet. Rechne man das auf einen Stall durchnittlicher Größe pro Jahr um, läge der Verlust bei 80.000 Euro pro Jahr – pro Mäster, stellt Wilken Hartje klar. Man muss wissen: Viele Faktoren wirken bei der Schweinemast. Kommen die Ferkel dafür aus Deutschland, Holland oder Polen – und zu welchem Preis? Damit sind die Mäster erheblich von Preis und Angebot ihrer Zulieferer, sprich Ferkelerzeuger, abhängig.

Alle nur denkbaren Schutzmaßnahmen müssen umgesetzt werden

Aber umgekehrt gilt das genauso. Will heißen: Auch die Ferkelpreise, die schon während der Corona-Krise beim Schlacht-Giganten Tönnies dramatisch gesunken waren, weil bei den Mästern Stau im Schweinestall herrschte, sinken mit dem ASP-Ausbruch in Brandenburg.

Für Schweinehalter ist aktuell wichtig, so betont der Kreislandwirt, alle nur denkbaren Schutzmaßnahmen vorzunehmen. Denn klar ist Fachleuten längst: „Das Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen.“ Das kann auch über den Magen geschehen. Genau deshalb ist der Rest der Salami, den Lastwagenfahrer achtlos an einem Parkplatz wegwerfen, ein Riesenproblem: Ist in diesem nur geräucherten Fleisch der ASP-Erreger vorhanden und fressen Wildschweine die kontaminierten Wurstreste, kann sich der Erreger weiter verbreiten. Dabei kommt es vor allem auf das Verhalten von Einreisenden aus dem Osten an, weil die ASP dort bereits verbreitet ist.

Der Landkreis Diepholz hat schon vor Monaten Vorsorge getroffen – und im Zuge dieser Sicherheitsmaßnahmen auch eine Partnerschaft mit der Kreisjägerschaft geschlossen, damit per Kadavertonnen etwaige Infektionsgefahren unterbunden werden (wir berichteten).

Schweinehalter setzen auf strikte Abriegelung

Den Schweinehaltern im Landkreis Diepholz hilft das jetzt wenig. Sie setzen auf strikte Abriegelung, so Hartje, um sich vor den fatalen Folgen der Seuche zu schützen. Zäune seien eine erprobte Maßnahme. Denn weil das Virus über Körperflüssigkeiten übertragen werde, könne es zumindest nicht über die Lüftungsanlage oder Tore in den Stall gelangen.

Aber: Im Kontakt von Tier zu Tier kann selbst eine Maus, die sich durch eine Stallritze zwängt, zur akuten Gefahr werden. Alle nur möglichen und denkbaren Schutzmaßnahmen müssten Schweinemäster nun sicherstellen, betont der Kreislandwirt.

Für die Schweinemäster und die Ferkelerzeuger gehe es mittlerweile um die sprichwörtliche Wurst: „Man hat jegliche Planungssicherheit verloren“, beschreibt Hartje die aktuelle Situation der Landwirte.

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