Die Sichtachse des Bösen

„Durchfahrt verboten“ – wo bisher ein Stoppschild reichte

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Neue Verkehrsführung in Steimke. Beim Bahnübergang an der Alten Poststraße (roter Kreis) ist die Durchfahrt zur B 6 ab jetzt verboten. 

Von einem Tag auf den anderen standen sie plötzlich da: Zwei rote runde Schilder mit weißen Querbalken. „Durchfahrt verboten“ signalisieren sie dem Verkehr an der Einmündung der Alten Poststraße auf die B 6. Bisher hatte dort lediglich ein Stoppschild gestanden. Jetzt ist den Anliegern des kleinen Wohngebiets – etwa drei Dutzend Häuser – der größere von nur zwei Wegen hinaus versperrt.

Steimke - Wer auf die B 6 will, muss jetzt auf der Straße Am Feldrain in Richtung Heiligenfelde fahren. Erst am Hillerser Weg gelangt man dann auf die Bundesstraße. Eine dritte Verbindung führt die Alte Poststraße bis zu Löwenherz hinab und von da über die Straße Siebenhäuser Richtung Waldstraße, ist aber eine Buckelpiste und teilweise noch nicht mal asphaltiert.

Die Anwohner ärgern sich gleich aus zwei Gründen. Erstens halten sie die neue Verkehrsführung für deutlich schlechter als die alte, zweitens hat sie niemand vorab darüber informiert.

„Das war nicht so geplant“, gibt Bürgermeisterin Suse Laue zu. „Die Landes-Eisenbahnaufsicht hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt und mit der Staatsanwaltschaft gewunken.“

Grund: Die Alte Poststraße kreuzt unmittelbar an der Einmündung zur B 6 den Schienenweg des Kaffkiekers. Durch die bauliche Situation ist die Sicht auf die Gleise relativ schlecht. Wer aus dem Wohngebiet kommt, muss sich langsam an das Gleis herantasten, um sehen zu können, ob aus Syke ein Zug kommt. Die andere Seite ist besser einzusehen. Zwar fährt auf dieser Strecke gefühlt nur alle 23 Jahre eine Bahn. Die Landesbehörde ist aber offenbar trotzdem zu der Ansicht gelangt, dass an dieser Sichtachse des Bösen ein einfaches Stoppschild keine ausreichende Sicherung des Bahnübergangs ist. Und deshalb hat die Stadt ihn dichtmachen müssen. Zumindest aus Richtung Wohngebiet. Von der B 6 aus ist das Abbiegen in die Alte Poststraße weiter möglich.

Wer auf die Bundesstraße will, muss über die Straße Am Feldrain bis zum Hillerser Weg fahren.

Freya Söchtig ist die zuständige Sachbearbeiterin im Syker Rathaus. „Das war eine Vorgabe, die wir umsetzen mussten“, sagt sie.

Auslöser war eine sogenannte Bahnübergangsschau im vorigen Jahr. Die sind gesetzlich vorgeschrieben und werden in regelmäßigen Abständen wiederholt. Schon in der Vergangenheit ist die Landesbehörde vor allem bei unbeschrankten Bahnübergängen oft sehr streng und kritisch gewesen, was ihr nicht selten als kleinlich ausgelegt wird. Zumal die Frage, wie oft überhaupt ein Zug kommt, für ihr Urteil eher nebensächlich ist.

Noch während dieser Woche habe die Stadt versucht, sich mit der Landesbehörde auf eine andere Regelung zu einigen, sagt Suse Laue. „Das hat nicht geklappt. Und dann sitzen die am längeren Hebel.“ Freya Söchtig ergänzt: „Dass die uns praktisch ein Ultimatum gestellt haben, hat uns jetzt etwas überrascht. Da blieb leider keine Zeit mehr, die Anwohner zu informieren.“ Dass soll jetzt zumindest nachträglich noch passieren.

Die Stadtverwaltung ist sich bewusst, dass die neue Verkehrsführung nicht gut ist. Die Straße Am Feldrain ist lang und schmal, es gibt keine Fuß- oder Radwege dort. „Aber aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus“, sagt Freya Söchtig. Sie und ihre Chefin setzen jetzt auf die nächste Verkehrsschau mit Polizei und Behörden. „Vielleicht erhalten wir da ein paar Aufschlüsse, wie wir die weiteren Verkehre führen können“, sagt Suse Laue. Damit meint sie vor allem die Radfahrer. Denn auch für die gilt das Verbot. Heißt: Absteigen und schieben.

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