Serie Erster Weltkrieg – Teil 4 / Keine Nachricht von der Front in den ersten Kriegswochen / Fehlen der Männer macht sich bei der Ernte bemerkbar

„Seit acht Tagen das Zeug nicht ausgehabt“

Heinrich Willenbruch aus Wachendorf schickte seinen Eltern dieses Bild von einer Feldküche an der Front. Ob er selbst darauf zu sehen ist, ist nicht bekannt.
+
Heinrich Willenbruch aus Wachendorf schickte seinen Eltern dieses Bild von einer Feldküche an der Front. Ob er selbst darauf zu sehen ist, ist nicht bekannt.

Syke - Von Michael Walter. Wie haben die Menschen vor 100 Jahren den Weg in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs erlebt? Mit welchen Erwartungen gingen die jungen Männer aus Syke und umzu in den Krieg? Welche Sorgen und Nöte hatten ihre Angehörigen und Freunde, die daheim blieben? Wir wirkte sich der Krieg im Alltag aus? Mit einer kleinen Artikel-Serie wollen wir uns diesen Fragen annähern. Indem wir ein Streiflicht auf die Ereignisse vor 100 Jahren werfen.

Am Vormarsch durch das neutrale Belgien war unter anderem das 10. Armeekorps beteiligt, in dem viele junge Männer aus Syke und umzu dienten. Der Barrier Pastor Heinrich Adolph Schmidt schreibt dazu in seiner Chronik:

„Eine besondere Beunruhigung für die Einwohner war es in den ersten langen Wochen des Krieges, daß keine Privatnachrichten (Briefe und Karten) aus dem Felde eintrafen. Die Post war gesperrt, damit der Aufmarsch unserer Heere den Feinden nicht vor der Zeit bekannt werden sollte. Es gingen Wochen ins Land, bis die ersten Nachrichten eintrafen. Mit welcher Freude sie empfangen wurden, läßt sich kaum beschreiben. Da gehörten wirklich alle zusammen, und die Briefe wurden allen Nachbarn gezeigt und zum Lesen gegeben.“

Auch daheim hatte die Post mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Pastor Schmidt: „Unsere beiden Briefträger, Winter und Sieling, sowie der in Okel, Bruns, hatten sofort mit ins Feld rücken müssen, und Hülfsbriefträger waren wegen der drängenden Erntearbeiten nicht zu bekommen.“

Meta Meyer aus Gessel schreibt in einem Brief an ihre Schwester in Wachendorf: „Mutter und ich müssen jetzt tüchtig mit anfassen helfen, denn die Arbeit muß fertig und sie hilft am besten über Schweres hinweg. Heute wollen wir Hafer mähen. Fröhlken helfen uns, und unsere helfen ihnen dann wieder. Liebe Meta, allein würden Mutter und ich auch nicht fertig mit unserm Volk. Heut ist unser Vater mit den Pferden hier, ich glaube nicht, daß wir eins herzugeben brauchen. Wir hätten sie aber gern alle drei hergegeben und unsere lieben Jungens hierbehalten. Willi hat noch nicht geschrieben wir erwarten heute was.“

In Belgien selbst bekam Heinrich Willenbruch aus Wachendorf zunächst nur die Folgen des Vormarschs mit. Am 24. August schreibt er: „Serraing bei Lüttich (Belgien) – Euer Sohn Heinrich sendet Euch die herzlichsten Grüße. Vor einigen Tagen die furchtbarsten Verwüstungen gesehen in der Nähe der Festung Lüttich. Liegen in der Schule mit 250 Mann im Quartier. Seit 8 Tagen das Zeug nicht ausgehabt.“

Ganz in der Nähe der von deutschen Truppen verwüsteten Universitätsstadt Löwen war um diese Zeit Albert Seevers aus Barrien. Er schreibt in seinem Kriegstagebuch: „Am 26.August, um 5 Uhr morgens, ging es weiter. Durch Bouillon gestärkt, erhielt unser Zug den Auftrag, die vor uns liegenden Häuser in Brand zu stecken, aus denen Franctireurs unsere Kavalleriepatrouillen beschossen hatten, die den Feind aus nächster Nähe erkundigten. Alle Männer sollten erschossen werden, jedoch waren von diesen nur wenige zurück geblieben. Frauen und Kinder konnten wir meist nur als Bewohner feststellen, die weinend und klagend unser Mitgefühl erweckten und ja natürlich auch verschont blieben.

Mit 2 Bataillonen stießen wir darauf bei Werehler auf den feindlichen linken Flügel. Das Gelände war unübersichtlich. Bevor wir die feindlichen Truppen sahen, schlugen schon deren Granaten bei uns ein und brachten die ersten Toten und Verwundeten. Nur vorwärts! dachte ich, damit man den Feind sehen und ihn aufs Korn nehmen kann. Ein dauerndes Pfeifen und Zischen über uns gab uns Beweis für das schlechte Schießen der belgischen Truppen. Gegen 1 Uhr zog der Feind sich zurück.

So hatten wir unsere Feuertaufe empfangen; ein Angstgefühl habe ich nicht empfunden, wohl aber einen fieberhaften Durst.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

So kaufen Sie Neuwagen online

So kaufen Sie Neuwagen online

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Meistgelesene Artikel

Pilot-Projekt: „Sprungbrett“ ins Berufsleben

Pilot-Projekt: „Sprungbrett“ ins Berufsleben

Mehr Desinfektion, weniger Grundreinigung: Corona verändert Arbeit der Firma Stark

Mehr Desinfektion, weniger Grundreinigung: Corona verändert Arbeit der Firma Stark

Gratis Lebensmittel im E-Center für alle, bei denen gerade jeder Groschen zählt

Gratis Lebensmittel im E-Center für alle, bei denen gerade jeder Groschen zählt

Kommentare