Serie: Bauvorhaben, die in der Schublade verschwanden / Teil 1 – Die Raiffeisen-Silos an der Gartenstraße

Schwieriges Objekt mit reichlich Potenzial: Die zwei Türme

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Und so sieht es dort tatsächlich aus. Interessantes Detail: Die Überdachung der Laderampe findet sich auf der Skizze links als umlaufende Pergola wieder.

Syke - Von Michael Walter. Es gibt Bauplanungen aus denen nie etwas wird: Weil die Zeit über sie hinweg rollt, weil sich kein Investor findet oder weil sich keine politischen Mehrheiten dafür ergeben. Und es gibt Entwürfe, die nur eine Zwischenstation darstellen zwischen der reinen Idee und dem, was letzten Endes tatsächlich gebaut wird. Beide haben eines gemeinsam: Sie verschwinden in der berühmten Schublade. Die im Rathaus hat Bauamtsleiter Timo Fleckenstein jetzt für uns mal aufgemacht.

Der Blick hinein offenbart eine ganze Reihe von Skizzen und Entwürfen: Bild gewordene Überlegungen, was einmal sein könnte, wenn… Manche bestehen nur aus wenigen Federstrichen. Andere sind ausgefeilter. Einige sind sogar Entwürfe für die Entwicklung ganzer Wohnquartiere, wie zum Beispiel für die westliche Seite der Gartenstraße. Und ihr Verfasser ist sich bewusst, dass sie in dieser Form wahrscheinlich niemals realisiert werden.

Die Gartenstraße hat schon Fleckensteins Vorgänger beschäftigt. Genauer: die zum Bahndamm gelegene Seite. Seit die Raiffeisen-Genossenschaft den Eisenbahnanschluss dort aufgegeben hat, ist das gesamte Gelände potenzielles Verkaufsobjekt.

Ein paarmal war die Stadt sehr interessiert. Etwa als sie vor fünf, sechs Jahren einen neuen Standort für die Feuerwehr gesucht hat. Dann wieder gab es Überlegungen, dort „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen.

Beide Entwicklungen scheiterten schon in der Anfangsphase. Bei der Gartenstraße als Feuerwehrstandort war das Killerkriterium damals die Lärmbelastung. Und zwar nicht die Belastung für die Feuerwehrleute durch die Bahnlinie hinter dem Grundstück, sondern die Belastung für die Anwohner gegenüber durch den Lärm, den die Feuerwehr bei Alarm verursachen würde. Die Stadt hätte eine riesige Lärmschutzwand zur Straße hin errichten müssen.

Unter dem Stichwort „bezahlbares Wohnen“ hatten der damalige Bauamtsleiter Peter Pesch und Stadtplaner Rolf Kück dann eine kompakte Wohnsiedlung auf dem Areal entwickelt. Der Rat konnte sich dafür jedoch nicht erwärmen.

„Das Gelände ist schwierig“, sagt Timo Fleckenstein. Die Lage unmittelbar an der Bahn bedeutet Lärm und Erschütterungen. Und aus der damaligen Suche nach einem Feuerwehrstandort ist bekannt, dass der Boden zumindest stellenweise belastet ist. Ein Überraschungspaket, das am liebsten niemand aufmachen möchte.

„Gleichzeitig ist diese Fläche aber auch durchaus attraktiv“, hält Fleckenstein die Nähe zum Bahnhof entgegen. „Dort müsste man doch spezielle Wohnformen entwickeln können.“ Zumal die beiden Silo-Türme geradezu prädestiniert für Loftwohnungen sind. Die zählen wegen der oft sehr luxuriösen Modernisierung alter Industriebauten zwar normalerweise eher zu den teuersten Wohnungen auf dem Markt. Das ursprüngliche Loft-Konzept, das um 1940 in den USA erdacht wurde, zielte aber gerade auf das Erschaffen vergleichsweise günstigen Wohnraums durch einfache, aber praktische Umbauten von Industriehallen.

Fleckenstein könnte sich in den Türmen – je nachdem – acht kleine oder vier große Wohnungen vorstellen. Auch die anschließende Halle würde er in Wohnungen umbauen. „Dazu sechs bis acht eingeschossige Neubauten in ähnlicher Größe wie auf der Straßenseite gegenüber.“ Gemeinsame Gärten könnten die einzelnen Gebäude miteinander verbinden. Genug Parkplätze gäbe es längs der Bahn.

Ob sich je ein Investor dafür finden würde, ist eine rein akademische Frage: Timo Fleckenstein hatte quasi noch den Zeichenstift in der Hand, als die Raiffeisengenossenschaft diesen Teil ihres Geländes verkaufen konnte. „Dort ist jetzt ein Handel für historische Autoteile. Baulich sind keine großen Veränderungen zu erwarten.“

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