Serie: Bauvorhaben, die in der Schublade verschwinden / Teil 4: Manchmal geht‘s auch anders / Hauptstraße 22

Die Kunst des Machbaren

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Und das ist der Alternativvorschlag des Syker Bauamtsleiters Timo Fleckenstein. Er hat den Investor damit überzeugt. Grafiken: Stadt Syke

Syke - Von Michael Walter. Es ist kein Geheimnis: Wenn‘s ums Bauen geht, kollidieren oft die Interessen zwischen dem, der bauen will, und denen, die drumherum wohnen. Besonders, wenn es nicht um einen privaten Bau geht, sondern ein gewerblicher Investor im Spiel ist, der sein Wohn- oder Geschäftshaus anschließend vermieten oder weiterverkaufen möchte.

Der Investor möchte in solchen Fällen meist so kostengünstig wie möglich bauen. Das Resultat ist dann häufig ein Gebäude aus der Kategorie „Klotz mit Glas“. Die Nachbarn hätten dagegen gern einen Bau, der sich möglichst harmonisch in die Umgebung einfügt.

In manchen Fällen können Stadt und Politik die Marschroute ziemlich genau vorgeben. Etwa indem sie über Festsetzungen im Bebauungsplan bis ins Detail Formen, Farben und Material für einen Neubau vorschreiben.

Häufig sind Bebauungspläne aber veraltet und von den Entwicklungen im Baurecht überholt worden. Mitunter können dann viel höhere Gebäude erlaubt sein als die Planverfasser es ihrerzeit beabsichtigt hatten. Und manchmal gibt es überhaupt keine Bebauungspläne. Das sind dann so genannte „34er-Gebiete“, benannt nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches, der solche Fälle regelt. Ein Gummiparagraph, denn er besagt sinngemäß lediglich, Neubauten müssen zum Bestand passen. Was das im Einzelfall heißt, ist jedoch in vielerlei Hinsicht interpretierbar.

Ob veralteter B-Plan oder 34er-Gebiet: Oft kann die Stadtverwaltung dann nur versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten um einen Kompromiss herbeizuführen. Nicht immer gelingt das. Es gibt durchaus Investoren, an denen sich Bauamtsleiter Timo Fleckenstein die Zähne ausbeißt. Dann gehen Entwürfe und Gegenentwürfe zwischen Rathaus und Bauherrn hin und her, ohne dass beide Seiten auf einen Nenner kommen. Und wenn in solchen Fällen bereits Baurecht besteht, kann Fleckenstein noch so sehr mit Ästhetik und städtebaulichen Gestaltungsgrundsätzen argumentieren: Der Bauherr macht dann, was er will und darf.

Doch es geht auch anders: Das aktuelle Bauvorhaben an der Hauptstraße22 ist für Fleckenstein geradezu ein Musterbeispiel für einen konstruktiven Dialog zwischen Bauamt und Investor.

An dieser Adresse standen bis vor kurzem noch die Löwenapotheke und das Wohngebäude, an das sie angeschlossen war. Letzteres stammte noch vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Der klassizistische Gebäudekörper war zwar inzwischen überformt, aber noch erkennbar.

Obwohl das alte Gebäude dort nur eingeschossig war, ist heute an dieser Stelle eine deutlich höhere Bauweise zulässig. Insofern war es sowohl rechtens als auch wenig überraschend, dass der Investor dort mit zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss plante.

Die Formgebung des geplanten Neubaus mit Satteldach und einer Fassade mit zwei Spitzgiebeln und einem Rundgiebel (linke Skizze) hielt Fleckenstein indes für unpassend. Also zeichnete er einen Gegenentwurf, der die Formsprache des Altbaus stärker aufgreift: Mit Krüppelwalmdach, kleinen Dachgauben und einem klassizistisch ausgeprägten Giebel sowie mit Laibungen, die ebenfalls an das alte Gebäude erinnern. Der Investor ließ sich darauf ein. „Er hat meinen Entwurf nahezu 1:1 übernommen“, freut sich der Syker Fachbereichsleiter.

Warum ist das für ihn so wichtig? – Weil der Erhalt gewachsener baulicher Strukturen für ihn extrem wichtig ist, wenn es darum geht, der Stadt ein Gesicht zu geben, mit dem die Einwohner sich identifizieren können. „Wir brauchen Architektur, bei der die Leute sagen: Das ist Syke!“

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