Die Kunst des Sich-Bewerbens

Selbstvermarktung für Berufsschüler

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„Verkaufen Sie mir doch mal 'n Kugelschreiber!“ – Personalcoach Michael Weber konfrontiert seine Schüler in simulierten Vorstellungsgesprächen gern mit Situationen, wie sie in der Realtität durchaus häufig vorkommen. - Foto: Jantje Ehlers.

Syke - Von Michael Walter. „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich in Ihrem Hause um einen Ausbildungsplatz als...“ – Wer sein Bewerbungsschreiben so anfängt, macht zwar kaum etwas falsch, aber eigentlich auch nichts richtig.

Die Chance, die erste Hürde eines Einstellungsverfahrens zu nehmen und überhaupt wahrgenommen zu werden, steigt damit nicht. Wie es besser geht, lernten am Freitag 15 Schüler der Berufsfachschule Wirtschaft bei einem Tagesseminar in der Kreissparkasse. „Selbstvermarktung für Berufsschüler“ nennt Michael Weber das. 

Er ist ein alter Hase in diesem Metier. Seit 2001 ist er Personalberater und hat in dieser Zeit etwa 30.000 Schüler gecoacht. Weber ist studierter Betriebswirt und war früher Produktmanager bei Onko. Das war mal – die Älteren werden sich noch erinnern –  eine der beliebtesten Kaffeemarken in Deutschland.

Worauf Personalchefs achten

Ja, und worauf achten Personalchefs nun, wenn sie zum ersten Mal eine Bewerbung in die Hand nehmen? „Ein knackiger erster Satz kann da nicht schaden“, sagt Weber. „Damit man überhaupt erstmal weiterliest.“ Und dann kommt es darauf an, Firma, Beruf und Person unter einen Hut zu bringen.

Was das heißt, ist: „Ich muss erklären können, warum ich mich gerade bei dieser Firma bewerbe und warum gerade ich der richtige für diese Stelle bin“, sagt Weber. Und dabei können durchaus Dinge eine entscheidende Rolle, über die sich viele Jugendliche gar nicht im Klaren sind. „Dinge, die sie nie erwähnen würden, weil sie für sie selbstverständlich sind“, sagt Weber.

„Spiele ich in einem Verein? Bin ich vielleicht Schiedsrichter? Engagiere ich mich ehrenamtlich für andere? Ein Personalchef liest das so: Der Handballer, der nebenbei auch noch schiedsrichtert, ist unheimlich hartnäckig und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem ist er teamfähig und – je nach Position – auch sehr kreativ.“

Beispiele aus der Praxis

Anderes Beispiel: „Jemand kann in der Schule vielleicht die letzte Schnarchnase sein, fährt auf dem elterlichen Hof aber regelmäßig Landmaschinen für 450.000 Euro, hat Kenntnisse in GPS-Steuerung und ist bis nachts um 24 Uhr bei der Ernte auf dem Feld.“ Webers Botschaft: Bringt er das rüber, hat seine Bewerbung ungleich bessere Chancen, als wenn er es bei den bloßen Schulnoten belässt.

„Bewerben ist ein Prozess“, sagt Weber. „Die Bewerbungen um ein Praktikum sehen anders aus als die nach dem Praktikum um einen Ausbildungsplatz. Und die nach der Ausbildung sehen noch wieder anders aus. Die Basis dazu legen die Schulen, und das tun die meisten inzwischen sehr ordentlich. Wir setzen hier das i-Tüpfelchen drauf.“

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