Seilgarten soll bei Kindern sprachliche Fähigkeiten fördern

Besser sprechen durch Balancieren

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Mit Klettern und Balancieren die Sprachfähigkeit fördern – das ist der Ansatz eines bundesweiten Projekts, das gestern beim Waldkindergarten im Friedeholz zu Gast war.

Syke - Von Michael Walter. Ganz ohne Angst klettert der kleine Junge auf das wackelige Seil, das sich in Knöchelhöhe von einem Baumstamm zum anderen spannt. „Wetten, ich bin schneller drüben als du?“, ruft er seiner Erzieherin zu. Und ohne die Antwort abzuwarten, balanciert er von einem Ende zum anderen. Dabei stützt er sich mit einem großen Stock ab, den er sich zuvor im Wald gesucht hat.

Knapp 150 Kinder aus den Kitas Lüttje Lüüd, Wundertüte, Okeler Land und Henstedt tobten sich gestern an einem Niedrigseilgarten aus, den Bea Linnert vom Baumcircus aus Bassum beim Waldkindergarten im Friedeholz aufgebaut hatte.

Was das Ganze bemerkenswert macht: Dieser Seilgarten dient zur Verbesserung der Sprachfähigkeiten und ist Teil eines bundesweiten Projekts mit dem Titel „Frühe Chancen – Sprache und Integration“.

„Das läuft jetzt bereits im vierten Jahr“, sagt Anke Grätsch. Sie koordiniert für die Stadt Syke den Bereich Sprachförderung an den städtischen Kindergärten. Durch einen Zeitungsartikel war sie auf dieses Projekt aufmerksam geworden und hatte dafür gesorgt, dass sich auch die Stadtverwaltung dafür bewirbt. Und jetzt strahlt sie wie ein Honigkuchenpferd beim Anblick der vielen Kinder, die auf den unterschiedlichen Stationen des Seilgartens klettern, balancieren und schaukeln.

Bewegung und Körperbeherrschung sind unbestritten wichtig. Aber was hat das mit Sprachförderung zu tun? – „Sprache ist Bewegung in feinster Form“, sagt Anke Grätsch und erklärt: „Zum Sprechen benötigen wir die Koordination von ungefähr 100 verschiedenen Muskeln.“ Und Kinder – so fährt sie fort – würden immer vom Groben zum Feinen lernen. Ergo dient die Förderung der Motorik automatisch auch zur Förderung der Sprachfähigkeit.

Aber die Kinder können doch schon alle sprechen, die sich da tummeln?!

„Ja, auf den ersten Blick“, sagt Grätsch. „Auf den zweiten bemerken wir aber einen wachsenden Bedarf an Förderung. Bei der Lautbildung, aber auch in Sachen Wortschatz und Grammatik. Vielen Kindern fällt es schwer, ganze Sätze zu bilden. Zuhause kommen sie damit meist durch. Wenn sie sich aber mit anderen Kindern auseinander setzen müssen, wird das zum Problem.“

Neben dem motorischen Training soll der Seilgarten also auch noch ein soziales Training bewirken. Aber selbst wenn das alles so zutrifft: Ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es sich dabei nur um eine einmalige Aktion handelt? „Ja“, nickt Anke Grätsch. „Aber jeder einzelne Tropfen ist immer noch besser als gar kein Tropfen.“ Grätsch blickt sich um: „Wenn wir diesen Seilspielplatz für eine ganze Woche hier hätten, könnten wir beobachten, wie die Kinder daran wachsen, sich zunehmend mehr zutrauen und sicherer werden.“

Es soll ein Folgeprojekt geben. Geplanter Start: Im nächsten Jahr. „Syke wird sich auch dafür wieder bewerben“, weiß Anke Grätsch jetzt schon. „Ich hoffe, dass wir dann wieder berücksichtigt werden.“

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