„Jungs!“ im Kreismuseum

Diese Ausstellung weckt Kindheitserinnerungen

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Kuratorin Dr. Elsbeth Kautz und einige Exponate der Ausstellung „Jungs!“, die von Sonntag an im Kreismuseum zu sehen ist.

Syke - Von Frank Jaursch. Ein bisschen Junge steckt in jedem Mann, heißt es. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, wie viel Kind noch in ihm steckt, dem sei in den kommenden Wochen ein Besuch im Kreismuseum ans Herz gelegt: Im Sonderausstellungsbereich ist vom kommenden Sonntag an die Ausstellung „Jungs! – Sachen, Bilder, Erinnerungen“ zu sehen.

Kuratorin Dr. Elsbeth Kautz hat in den vergangenen Monaten Erstaunliches geleistet: Um die Jungenjahre 1945 bis 1975 in der Region zwischen Weser und Hunte zu veranschaulichen, hat sie das üppig bestückte Kreismuseums-Archiv durchwühlt.

Und sie ist reichlich fündig geworden: Der blankgeliebte Kuschelteddy steht da, das hölzerne Flugzeugmodell hängt von der Decke herunter. Hier liegen der Plasticant-Bausatz und die Autoquartett-Karten, dort stehen die Dampfmaschine und das Tipp-Kick-Spiel.

Hunderte Exponate, hunderte Erinnerungen. Der Besucher der Ausstellung erlebt dabei sowohl das Fortschreiten der Jahrzehnte als auch das Älterwerden der Kinder mit. Die Veränderungen zwischen 1945 und 1975 sind enorm: Nach dem Krieg wurde noch vor allem draußen gespielt – und es gab schlichtweg nur wenig Spielzeug. Dr. Ralf Vogeding erinnert daran, dass die Kriegsgeneration zum Teil gewohnt war, dass zu Weihnachten keine neuen Artikel geschenkt, sondern „vererbt“ oder gar untereinander getauscht wurden.

Wirtschaftswunder weckt Sehnsüchte

Das änderte sich in der Wirtschaftswunder-Zeit. „Es wurde die erste Zeit des eigenen Kinderzimmers“, weiß Vogeding. Und die Zeit der ersten Sehnsuchtsobjekte. Was die Seifenkiste in den 1950er-Jahren war, wurde in den Sechzigern das Kettcar. „Die Leute, die das hatten, waren sehr beliebt“, lacht Vogeding.

Die Jahrzehnte gingen ins Land, der Wohlstand wurde größer, die Sehnsucht noch dem Besonderen blieb: Eine Carrerabahn! Wer wünschte sich nicht alles eine Carrerabahn? „Der Wohlstand kam aufs Land“, umschreibt es Vogeding. Eine Jugendzimmerszene aus den 1970er-Jahren zeigt Dual-Plattenspieler und LPs, Uher-Tonbandgerät und offene Bierdosen. Und ein paar Tonbänder, auf denen der eigene, individuelle Musikgeschmack Niederschlag fand. Vogeding: „Aus solchen Basteljungs wurden später die ersten Diskjockeys.“

Einige Exponate fallen sofort ins Auge: das Motorrad etwa – das letzte Spielzeug vorm Erwachsenwerden. Oder die Musikbox, auf der „Satisfaction“ von den Stones, Chris Roberts' „Die Maschen der Mädchen“ und die Marschmusik für Papa nebeneinander existierten.

Kleine Dinge lösen Kopfkino aus

Daneben aber sind es auch die kleinen, unscheinbaren Dinge, die das Kopfkino bei so manchem Mann in den besten Jahren anspringen lassen dürften: Plastik-Indianer, Felix-Hefte, Spielzeugautos, Legosteine.

Flankierend dazu helfen viele großformatige Fotos aus diesen Jahrzehnten dem Betrachter dabei, sich ein Bild vom Alltagsleben als Junge dieser Gegend zu machen. Zudem hat Elsbeth Kauz in vielen Einzelgesprächen die „Jungs“ von damals befragt. Auf Infotafeln geben die Aussagen von Manfred aus Syke (Jahrgang 1952), Karl-Heinz aus Kirchweyhe (Jahrgang 1952) oder Herbert aus Heiligenfelde (Jahrgang 1956) Zeugnis über das Leben.

Für die Konzeption konnte Kautz dabei auf Bewährtes zurückgreifen: Im vergangenen Jahr waren bereits die Mädchen drangewesen – „das Gleiche in Pink“, lacht Kautz. Für die Eröffnung der Ausstellung bietet die Geschichts- und Kulturwissenschaftlerin am Sonntag um 15 Uhr eine Führung an, in der sie einen Einblick in das Entstehen der Ausstellung gibt. Der Eintritt ist an diesem Tag kostenlos.

Anschließend ist die Ausstellung „Jungs! – Sachen, Bilder, Erinnerungen“ noch bis zum 22. Oktober zu sehen.

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