Schwarzangler im Visier der Fischereiaufseher

„Die holen raus, was sie an den Haken bekommen“

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Zu zweit sind die amtlich bestellten Fischereiaufseher regelmäßig unterwegs, wenn sie die Angler an den Vereinsgewässern überprüfen. In dieser gestellten Szene lassen sich Dieter Hilbert (Mi.) und Berndt Franz von dem 14-jährigen Nachwuchsangler Timon Franz die nötigen Papiere zeigen.

Syke - Wer ohne Angelschein und nötiger Erlaubnis Fisch aus einem Gewässer herausholt, kümmert sich wenig um Schonzeiten, Mindestmaße und Tierschutzauflagen.

„Die holen alles raus, was sie an den Haken bekommen“, sagt Berndt Franz, Mitglied im Angelsportverein Syke und Obmann der von der Stadt Syke bestellten, ehrenamtlichen Fischereiaufseher. Im Gesseler Bruch seien beispielsweise Aalschnüre mit mehreren Haken, Ködern und einem Gewicht im Wasser ausgelegt gewesen. „Die Aale, die da anbeißen, verenden qualvoll“, sagt Franz. Auf der Jagd nach Bachforelle, Barsch oder Scholle setzen Schwarzangler ebenso Reusen und Stellnetze ein. Oft holen sie den Fisch ohne Kescher ans Ufer und setzen zu kleine oder geschützte Exemplare nicht zurück ins Wasser. Manche lassen gar die Tiere so lange auf dem Trockenen zappeln, bis sie schließlich verenden.

Derartiges Verhalten ist kein Kavaliersdelikt. Laut § 293 Strafgesetzbuch droht Fischwilderern eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Tatsächlich dürfte die große Mehrheit der Schwarzangler aber keinerlei Sanktionen zu spüren bekommen. Grund: Sie bleiben schlicht unentdeckt.

Die 13, dem Syker Angelsportverein angehörigen Fischereiaufseher fahren zwar jetzt wieder täglich die Vereinsgewässer ab und halten nach Schwarzanglern Ausschau, doch sind die Pachtgewässer weitläufig und gut verteilt. So gehören neben den Teichen in Syke, Bassum, dem bis zum Kirchweyher See reichenden Hacheabschnitt auch die Weser mit ihren Nebengewässern wie Wieltsee und Alte Weser im Bereich der Gemeinde Weyhe zum überwachten Gebiet. Um die Weser kümmern sich die Syker Angelsportler als Mitglied der Pachtgemeinschaft Weser IV.

„Nicht einmal ein Prozent der Schwarzangler wird erwischt“, ist sich Fischereiaufseher Franz sicher. So überführen die Syker höchstens fünf bis sechs Schwarzangler im Jahr. „Die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche“, sagt Franz.

Während die Nachwuchsangler über die Unrechtmäßigkeit ihres Handelns aufgeklärt und auf das reguläre Angeln im Verein aufmerksam gemacht werden (der Angelschein kann ab 14 Jahren erworben werden, jüngere Kinder können unter Aufsicht angeln), nehmen die Aufseher die älteren Schwarzangler genauer unter die Lupe.

Handelt es sich um einen Bremer Angler – der Stadtstaat gewährt seinen Bewohnern in Bremischen Gewässern eine Angelerlaubnis –, ist er erstmalig auffällig geworden und zeigt er sich einsichtig, „kommen sie zum Teil mit einer Verwarnung davon“, sagt Franz. Ansonsten wird Anzeige erstattet, wie der Vereinsvorsitzende Gerd Gerdes betont. Kann sich der Fischwilderer nicht ausweisen, wird die Polizei gerufen.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Diepholz wurden im vergangenen Jahr vier Fälle von Fischwilderei registriert, aufgeklärt und an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verden werden derartige Anzeigen maßvoll behandelt. „Fischwilderei ist nicht das Delikt, bei dem bei einem erstmaligen Vergehen durch einen einsichtigen Menschen unbedingt eine Anklageerhebung erfolgen muss“, sagt Sprecher Lutz Gaebel. Die Strafprozessordnung lasse eine Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld oder gegen eine Geldauflage zu. Wobei trotz dieser allgemein gültigen Vorgaben natürlich in jedem Einzelfall zu entscheiden sei. Welche Strafen bislang wegen Fischwilderei verhängt wurden, vermag Gaebel nicht zu sagen. Derartige Aufzeichnungen lägen ihm nicht vor.

Fischereiaufseher Franz und seine Kollegen wissen da mehr. In der Regel wird ein überführter Fischwilderer mit einem Strafgeld zwischen 100 bis 200 Euro belegt.

Den rund 500 Mitgliedern des Angelsportvereins Syke dürfte die Bestrafung nur recht sein. Immerhin sind es die Vereinsangler, die sich um die Pflege der Vereinsgewässer und den Fischbestand kümmern. Mit beträchtlichem Aufwand: Bei den Arbeitsdiensten werden die Ufer der Flüsse, Teiche und Seen regelmäßig von Müll gesäubert und hier und da wuchernder Pflanzenwuchs zurückgeschnitten.

Vor allem aber sorgt der Verein für einen gesunden und ausreichenden Fischbestand in seinen Pachtgewässern. Der Syker Angelsportverein führt daher einmal im Jahr in einzelnen Gewässern einen Neubesatz mit ausgewählten Jungfischarten durch. Die Kosten liegen jeweils bei 5000 bis 6000 Euro. Für den Besatz der Gewässer der Pachtgemeinschaft Weser IV steuern die Syker zusätzlich rund 2000 Euro bei.

Gern investiertes Geld, immerhin soll der Besatz den artenreichen Fischbestand sichern. Holen Schwarzangler den Fisch – leider oftmals auch die Jungfische, die sich noch nicht reproduzieren konnten – aus den Gewässern, schauen die Vereinsangler in die Röhre. Vor allem aber wird die nachhaltige Entwicklung des Gewässers gestört.

Info zu Angelschein und -karte

Wer in Niedersachsen an einem Gewässer angeln darf und wer nicht, ist klar geregelt. Zunächst einmal muss der Angler einen „Angelschein“ besitzen. Diesen wiederum gibt es nur nach einem Ausbildungskurs und bestandener Fischerprüfung. Außerdem benötigt der Angler einen Fischereischein („Angelkarte“), der es ihm erlaubt, in einem bestimmten Gewässer zu angeln. Wer Mitglied in einem Angelverein ist, kann in den vom Verein gepachteten Gewässern seine Angel auswerfen. Angler können natürlich auch außerhalb der Vereinsgewässer ihrem Hobby nachgehen, dafür müssen sie eine Angelkarte oder Gastkarte erwerben, die vom Eigentümer oder Pächter des Gewässers ausgestellt wird.

Gastkarten im Bereich der Vereine der Pachtgemeinschaft Weser IV kosten am Tag 8 Euro, für eine Woche 20 Euro. Jährlich geben die acht Vereine der Pachtgemeinschaft rund 1000 Gastkarten aus.

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