Unternehmer informieren sich

Beim Business-Lunch dreht sich alles um Sicherheit am Arbeitsplatz

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Erstes Business-Lunch im neuen Jahr: Referentin Ute Schäfers (links) und Elena Albertin von der Stadtverwaltung freuten sich über gut zwei Dutzend Zuhörer.

Syke - Von Michael Walter. Arm gebrochen, Bein gebrochen, weil die Mitarbeiterin über eine offen stehende Schublade gestolpert ist, und eine saftige Rechnung für den Arbeitgeber, der danach neue Büromöbel mit selbst zuziehenden Schubladen anschaffen musste: So einen Fall hat Ute Schäfers tatsächlich mal in Hamburg aufnehmen müssen. Darüber berichtete die Expertin in Sachen Sicherheit am Arbeitsplatz Donnerstag beim ersten Syker Business-Lunch im neuen Jahr.

Gut zwei Dutzend Unternehmer waren der Einladung von Stadtverwaltung und IHK ins Restaurant Maximilian gefolgt und verfolgten ein lebhaftes Kurzreferat der Expertin aus Barrien.

18 Jahre lang war Ute Schäfers Führungskraft in einem Kernkraftwerk. „2015 habe ich dann meinen eigenen Atomausstieg gemacht“, erzählt sie. „Und sie strahlt immer noch“, scherzt Co-Gastgeber Constantin von Kuczkowski von der Syker Außenstelle der Industrie- und Handelskammer.

Nach einem Jahr Auszeit ist Ute Schäfers dann in die Firma ihres Mannes eingestiegen. Seitem berät sie kleine und mittelständische Unternehmen in Sachen Sicherheit am Arbeitsplatz.

„Viele wissen gar nicht so genau, was das eigentlich für sie bedeutet“, sagt Schäfers. Teils weil sie von den Berufsgenossenschaften nicht gut genug informiert werden. Teils „weil es sehr viele Scharlatane in dem Metier gibt“.

Unternehmen zu Betreuung verpflichtet

Die Ausgangssituation ist dabei im Grunde für alle gleich: Unternehmen sind verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine Betreuung zu gewährleisten. Wie die aussieht und wie intensiv die sein muss, ist dann schon wieder ganz verschieden. Das hängt nicht zuletzt von der Größe des Betriebs ab. Für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern gelten andere Bestimmungen als für größere.

Die vorgeschriebenen regelmäßigen Unterweisungen sind das Eine. Woran es öfter mangelt, ist die Dokumentation. Und das kann für ein Unternehmen schmerzhafte Folgen haben. Schäfers: „Stellen Sie sich vor, ein Dachdecker stürzt vom Dach. Der Chef hat ihn zwar vorschriftsmäßig über Risiken, Gefahren und die richtigen Verhaltensweisen am Arbeitsplatz informiert, kann das aber nicht nachweisen. Dann gibt es keine Kostenübernahme durch die Berufsgenossenschaft und der Betrieb muss Behandlungs- und Folgekosten selbst tragen.“

Bestimmungen wirken mitunter unsinnig

Manche Bestimmungen wirken unsinnig. „Auch Betriebe, die nur Männer beschäftigen, müssen eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Mutterschutzgesetz machen. Der Gesetzgeber verlangt das so“, gibt Schäfers ein Beispiel. Oder dass alle elektrischen Geräte im Betrieb regelmäßig inspiziert werden müssen. Constantin von Kuczkowski: „Privat muss ich das nicht machen. Da drängt sich der Eindruck auf: Den Unternehmer kann man ja melken.“ Schäfers: „Den Eindruck habe ich auch. Aber die Versicherer sind da sehr hinterher. Es sind schon Großbrände durch überlastete Steckdosen entstanden.“

Würde man alle Bestimmungen 1:1 umsetzen - so ein weiterer Kritikpunkt - käme man gar nicht mehr zum Arbeiten. Ute Schäfers: „Stimmt. Aber dafür gibt es ja Dienstleister.“

Leserbrief zum Thema

Zum Kurzreferat über Sicherheit am Arbeitsplatz von Unternehmensberaterin Ute Schäfers beim Business-Lunch am Donnerstag äußert sich die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse und zitiert unseren Bericht:

„Stellen Sie sich vor, ein Dachdecker stürzt vom Dach. Der Chef hat ihn zwar vorschriftsmäßig über Risiken, Gefahren und die richtigen Verhaltensweisen am Arbeitsplatz informiert, kann das aber nicht nachweisen. Dann gibt es keine Kostenübernahme durch die Berufsgenossenschaft und der Betrieb muss Behandlungs- und Folgekosten selbst tragen.“

Das ist kompletter Unsinn. Wenn ein Mitarbeiter bei einem Arbeitsunfall verletzt wird, kümmert sich die Berufsgenossenschaft um die Heilbehnadlung und finanzielle Entschädigung. Ob die Unterweisung sttgefunden hat oder dokumentiert ist, tut nichts zur Sache.

Christian Sprotte, Pressesprecher, Köln

Leserbriefe geben die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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