Die „Schießaffaire“ im Friedeholz

Wie ein Schusswechsel heute vor 115 Jahren wohl zur Gründung des MGV Barrien führte

Foto aus der Chronik des Gesangvereins: Eine Vatertagstour führte in den 50er-Jahren zum Gasthaus Finkenhütte, das weithin als „Café Alma“ bekannt war und dessen Wirtin Alma Meyer (mit weißer Schürze) die „Barrier Sängerknaben“ bewirtete. Repro: Heiner Büntemeyer
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Foto aus der Chronik des Gesangvereins: Eine Vatertagstour führte in den 50er-Jahren zum Gasthaus Finkenhütte, das weithin als „Café Alma“ bekannt war und dessen Wirtin Alma Meyer (mit weißer Schürze) die „Barrier Sängerknaben“ bewirtete.

Syke/Barrien- Von Heiner Büntemeyer. Am 12. April feiert der Männergesangverein Barrien sein 125-jähriges Bestehen. Es ist eigentlich müßig, noch darüber zu spekulieren, welche Umstände wohl dazu geführt haben mögen, seinerzeit diesen Verein zu gründen. Aber es gab da im Gründungsjahr 1894 eine sehr merkwürdige „Affaire“ im Syker Friedeholz, die dazu geführt haben könnte, die Gründung eines Gesangvereins in Barrien zu verwirklichen.

Am 5. Januar 1894 berichtete die „Syker Zeitung“: „Eine merkwürdige Schießaffaire bildet hier seit gestern den Gesprächsstoff. Vorgestern Abend gingen zwei Herren aus Barrien, die von einem kleinen Hunde begleitet waren, hier ihrem Heim zu und trafen auf der Chaussee am Friedeholz einen denselben Weg fahrenden Wagen, dessen Führer nebenher ging. Als der Hund diesen anbellte, zog der Mann einen Revolver hervor und gab zwei Schüsse ab.

Die beiden Herren machten den Fuhrmann auf das Ungehörige des Schießens aufmerksam, worauf nochmals zwei Schüsse als Antwort erfolgten, von denen die Kugeln an den Köpfen der beiden Herren vorbeigepfiffen sein sollen. Diese zogen sich nun schleunigst in das Gehölz zurück, verfolgten jedoch bald wieder den Wagen, um an dem Schild desselben den Besitzer kennenzulernen.

Bei ihrer Annäherung erfolgte abermals ein Schuss, der die Herren zur Umkehr und zur Erstattung einer Anzeige bei dem Gendarmen veranlaßte.

Die Nachforschungen ergaben, daß der Fuhrwerksbesitzer ein Handelsmann aus dem Kreis Hoya war. Derselbe will nur auf den ihn belästigenden Hund geschossen haben. Näheres wird wohl demnächst die eingeleitete Untersuchung ergeben.“

Und was hat das mit unserem Gesangverein zu tun? Möglicherweise eine ganze Menge, denn die beiden Herren, von denen in dem Artikel die Rede ist, waren Kantor Jordan und Lehrer Tepe aus Barrien. Sie kamen an jenem Abend aus Syke und wollten heim. Dabei könnte es durchaus so gewesen sein, dass sie an einer Gesangsprobe des Männergesangvereins „Germania“ Syke teilgenommen hatten. Sie waren beide begeisterte Sänger. Vielleicht war ihnen der Fußweg nach Syke ohnehin zu beschwerlich. Jetzt hatten sie gemerkt, dass dieser Weg auch nicht ungefährlich war. Möglicherweise führte das bei ihnen zu dem Entschluss, in Barrien einen Barrier Gesangverein zu gründen.

Schon gut drei Monate später, am 12. April 1894, war es jedenfalls so weit: Vermutlich im damaligen Gasthaus Kayhausen gründeten 19 Sangesbrüder den „Männergesangverein Barrien“. Chorleiter war Lehrer Tepe.

Aber zurück zu der „Schießaffaire“ im Friedeholz. Im März fand die Gerichtsverhandlung statt, über die von der „Syker Zeitung“ am 7. März 1894 unter anderem wie folgt berichtet wurde:

„Der Handelsmann Fritz H. aus Haendorf war angeklagt, am Abend des 3. Januar dieses Jahres auf der Chaussee im Friedeholze bei Syke den Kantor Jordan und den Lehrer Tepe aus Barrien mit einem Verbrechen bedroht zu haben.

Der Angeklagte fuhr am genannten Tage mit einer Ladung Kälber und Schweine von seinem Heimatorte nach Bremen. Im Friedeholze angelangt, woselbst er neben seinem Wagen herging, will er von einem kleinen Hunde ins Bein gebissen sein. Der Angeklagte gab darauf zwei Schüsse aus einem Revolver auf den Hund ab.

Nach dem Schießen hörte er laut reden und sah nun zwei Personen auf dem Bankett neben dem Wagen hergehen, welche ihn wegen des Schießens zur Rede stellten. Hierdurch entstand ein Wortwechsel, welchen die beiden Fußgänger dadurch ein Ende zu machen suchten, dass sie eiligen Schrittes vorausgingen, um aus der Nähe des Fuhrmannes zu entkommen. Sie erhielten nun außer verschiedenen Schimpfreden ebenfalls zwei Schüsse nachgesandt.

Jetzt gingen sie seitwärts in den Wald, um den Fuhrmann vorausfahren zu lassen, worauf derselbe nochmals einen Schuß auf sie abfeuerte. Der Schuß ging so nahe an ihnen vorbei, daß sie die Kugel pfeifen hörten.

Der Angeklagte wurde noch an demselben Abend verfolgt und seine Persönlichkeit festgestellt. Heute gibt er an, daß im Friedeholz schon öfters Leute angefallen seien. Da er stets viel Geld bei sich führe, habe er sich einen Revolver gekauft, um sich damit schützen zu können. Er hätte deshalb die Schüsse abgegeben, weil er geglaubt habe, die beiden Personen hätten ihn anfallen wollen. Er hätte dieselben nicht bedrohen, sondern nur bange machen wollen.

Der Amtsanwalt beantragte eine Woche Gefängnis. Das Gericht verurteilte ihn zu 90 Mark Geldstrafe, eventuell 10 Tagen Gefängnis.“

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