„Schulklassen kommen nicht mehr“

Museen verzeichnen Negativrekord

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Landrat Cord Bockhop, Praktikantin Suzanne Foxley, Mitarbeiterin Christine Hillenbrand und Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding (von links) schauen sich eine neue Ausstellungsstation in der umgestalteten Handwerksabteilung im Kreismuseum an.

Syke - Von Julia Kreykenbohm. „Wir reden lieber über das Jetzt als über das, was war“, sagte Sabine Hacke. Für die Leiterin eines Museums vielleicht eine etwas kuriose Aussage, denn schließlich gelten diese Einrichtungen als die Hüter und Bewahrer der Vergangenheit.

Doch angesichts der Besucherzahlen, die das Dümmermuseum für 2016 verzeichnet, kann man sie verstehen.

So wenige Besucher wie seit zehn Jahren nicht mehr

Nur 6412 Gäste kamen in die Einrichtung – ein trauriger Rekord, denn das ist die niedrigtse Zahl seit zehn Jahren. 2015 konnten die Mitarbeiter noch 7254 Gäste begrüßen. Dabei hat das Museum einiges zu bieten: einen rekonstruierten Nachbau eines Bootes der Jungsteinzeit, eine Medienstation und einen großen Raum, der es Besuchergruppen möglich macht, ungestört am Mikroskop zu forschen. Auch die vier Sonderausstellungen hätten eine tolle Resonanz gehabt.

„Leider sind wir auch immer sehr wetterabhängig, auch wenn wir eine Indoor-Einrichtung sind“, so Hacke. Doch Fakt sei: Kommen keine Tagesgäste an den Dümmer, bleibt auch das Museum größtenteils leer. Trotz der Entwicklung arbeite eine „glückliche Mannschaft“ im Dümmermuseum, erklärte Hacke fast kämpferisch im Betriebsausschuss. Für dieses Jahr seien keine großen Projekte geplant, da man die Kräfte für 2018 bündele, denn dann feiert das Museum sein 50-jähriges Bestehen.

Eventkultur macht den Museen zu schaffen

Ein Problem sei auch die blühende Eventkultur am Dümmer, die ihnen oft die Besucher abspenstig mache. Ein weiterer Knackpunkt sei, dass immer weniger Schulklassen zu Besuch kommen. Ein Problem, das auch das Kreismuseum in Syke kennt, wie Leiter Dr. Ralf Vogeding bestätigte.

Dieser zeigte zunächst Bilder von der neu gestalteten Abteilung zum ländlichen Handwerk und Gewerbe im Kreismuseum Syke: Ein alter Dachdeckerfahrstuhl baumelt von einer Vorrichtung herab. Darunter liegen Werkzeuge, die die Arbeiter im Jahr 1939 verwendet haben. An einer anderen Station laden Schubladen zum Ausziehen ein. Darin befinden sich zahlreiche verschiedene Pinsel, wie sie die Maler früher benutzten. Jedem Handwerk ist eine eigene kleine Station gewidmet, alles liebevoll aufgebaut und die einzelnen Exponate in Szene gesetzt. „Das ist kein Alltagskram, sondern das sind Zeugnisse historischer Entwicklung“, betonte Vogeding.

Aktionstage litten 2016 unter schlechtem Wetter

Für jeden Handwerker oder zumindest am Handwerk Interessierten müsste es eine Freude sein, durch diesen neu gestalteten Bereich zu schlendern. Das hoffen auch die Verantwortlichen mit Blick auf die Besucherzahlen, die – wie beim Dümmermuseum – im vergangenen Jahr rückläufig waren.

Während 2015 noch 40.955 Menschen den Weg ins Museum fanden, kamen 2016 nur 36.744. Das letzte Mal rutschte die Besuchermarke im Jahr 2008 unter die 40.000 Personen-Marke. Dieses sei im Wesentlichen Folge einiger Aktionssonntage im Frühjahr und des Kunsthandwerkermarktes Anfang November, die unter relativ schlechtem Wetter gelitten hätten, heißt es in dem Jahresbericht, den das Kreismuseum dem Betriebsausschuss vorlegte.

Dem gegenüber habe die Anzahl und Frequentierung der kulturellen Veranstaltungen unter anderem inklusive der Arbeits- und Gesprächskreise, Handwerksseminare nicht nur gehalten, sondern sogar noch ausgebaut werden können.

Schullandschaft hat sich verändert

Rückläufig waren auch die Gruppenbesucher. „Besonders die Situation mit den Schulklassen ist nicht einfach“, erklärte Vogeding. „Wir haben viel weniger Anfragen als früher. Die Schullandschaft hat sich verändert und das bekommen wir zu spüren.“ Vielleicht habe es mit dem Ganztagesprogramm zu tun oder auch mit der Inklusion, denn natürlich bedeutete es für Lehrer einen größeren Aufwand, Kinder mit Handicap auf einen Ausflug ins Museum mitzunehmen. „Vielleicht holen sich die Schulen aber auch Experten ins Haus, die zu einem Thema etwas erzählen.“ 

Vogeding weiß, dass auch andere außerschulische Lernorte mit schwindenen Schülergruppen zu kämpfen hätten. Doch für den Museumsleiter steht fest: „Wir sind guten Mutes.“ Allerdings gab der Museumsleiter auch zu bedenken, dass sich diese Entwicklung vermutlich nicht wieder ändern werde und deswegen damit zu rechnen sei, dass auch in den kommenden Jahren die Besucherzahl unter 40 000 bleibt.

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