Jahrgänge starten schrittweise

Schulstart mit krassen Corona-Auflagen: „Wirkt wie ein Gefängnis mit klaren Regeln“

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Arbeiten mit Mund-Nasen-Masken: Die halbe Klasse der 10d der Carl-Prüter-Schule in Sulingen.

Seit Anfang der Woche haben auch die Schulen im Landkreis Diepholz unter strengen Hygieneauflagen wieder mit dem Unterricht im Klassenraum begonnen. Seinen gewohnten Gang geht allerdings derzeit noch nichts.

Sulingen / Syke - „Es ist komisch“, sagt der 17-jährige Devin aus Sulingen. Er ist Schüler der Klasse 10d der Carl-Prüter-Schule, und er gehört zu den Schülern, die im Rahmen der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen am Montag wieder mit dem Unterricht vor Ort an der Sulinger Oberschule begonnen haben.

Die 10d wurde – wie die übrigen Abschlussklassen auch – in zwei Lerngruppen aufgeteilt, die jeden zweiten Tag in der Schule im Wechsel Unterricht erhalten. Nicht die einzige Veränderung, so Schulleiter Christopher Axmann: Man habe zunächst angefangen festzustellen, welche Lehrkräfte den Risikogruppen angehören; gerade in den Abschlussjahrgängen habe man viele Kollegen daher durch andere Lehrkräfte ersetzen müssen, die ihre Lerngruppen zum Teil aber noch nicht kennen.

Diese Kollegen verbrächten nun den ganzen Tag mit der jeweiligen Gruppe: Sie nähmen sie morgens vor der Schule in Empfang, begleiteten sie in den Pausen und verabschiedeten sie mittags nach Hause.

Für die einzelnen Klassen habe man einen zweiwöchigen Stundenplan erstellt: Erteilt werde Unterricht in den Hauptfächern, jahrgangsübergreifender Unterricht und Sport seien nicht möglich. Weil niemand sechs Stunden am Stück Mathematik oder Deutsch lernen könne, werde von den Fachlehrern so lange wie möglich im Fach unterrichtet, und in der restlichen Zeit betreuten sie die Schüler beim Erledigen ihrer Aufgaben aus den anderen Fächern, sagt Axmann.

Unterricht startet unter strengen Corona-Maßnahmen: Versetzte Pausenzeiten

Weitere Maßnahmen sollen die Ansteckungsgefahr zusätzlich mindern: Die Klassen sind über das ganze Schulgebäude verteilt, die Pausenzeiten sind so versetzt, dass die Gruppen einander nicht begegnen, die Türen bleiben offen, am Eingang stehen Desinfektionsmittel, und sobald sie den Klassenraum verlassen, müssen die Schüler ihre Mund-Nasen-Masken anlegen.

Devins Mitschüler Tim (17) aus Sulingen wäre lieber zuhause geblieben: „Es ist langweilig, sechs Stunden in einem Raum zu sitzen, wir können in den Pausen so gut wie gar nichts machen.“ Es sei zwar langweilig, stimmt Devin zu, „aber es ist gut, dass man wieder einen normalen Rhythmus hat.“

Das bestätigt auch Stefanie Buschhorn, die ersatzweise die Klasse in Mathematik unterrichtet: „Man hat endlich wieder ein Ziel, warum man aufsteht.“ So seien die Schüler bereits um 8 Uhr wach, zuvor habe sie frühestens um 10 Uhr eine Reaktion von ihren Schülern erhalten, und von manchen auch erst kurz vor dem Schlafengehen.

Flatterband sorgt für Abstand in der Carl-Prüter-Schule.

Unterricht in der Corona-Krise – Schulleiter: „Wirkt eher wie ein Gefängnis“

„Die Schüler waren heute etwas eingeschüchtert von der Situation“, hat Axmann beobachtet. Das Ganze wirke weniger wie eine Schule, eher wie ein Gefängnis mit sehr klaren Regeln: „Das ist anstrengend und macht keinen Spaß.“

Wie lange das so möglich sei, wisse er allerdings nicht. Die dreiköpfige Schulleitung habe zuvor drei Tage lang einen Plan entwickelt, um die Maßnahmen umzusetzen, und die Klassenlehrkräfte hätten dann Kontakt zu den einzelnen Haushalten aufgenommen. Derzeit habe man pro Tag rund 60 Schüler aus den sechs Abschlussklassen in der Schule, aber ab dem 18. Mai sollten auch die Jahrgänge 7 und 8 hinzukommen, und dann werde es mit dem Einhalten des Abstandes deutlich schwieriger.

Herausfordernd sei es auch für die Lehrkräfte in anderer Hinsicht: Es erfordere ein erhöhtes Maß an Abstimmung zwischen den Lehrkräften – „es gibt Lehrkräfte, die besser mit der Situation umgehen können und kommunikativ sind, und bei anderen scheint die Kommunikation nicht ganz so ausgeprägt zu sein.“

Coronavirus bestimmt den Alltag: Räume der BBS Europaschule werden täglich desinfiziert

Auch an der BBS Europaschule, der größten im Landkreis Diepholz, hat Corona den vertrauten Schulalltag tief greifend verändert. Von den sonst bis zu 1.500 Schülern dürfen aktuell nur zwischen 200 und 350 pro Tag am Unterricht teilnehmen. 39 Klassenräume sind nutzbar und so strukturiert, dass der gebotene Mindestabstand in jedem Fall garantiert ist. Maximal zehn Schüler bekommen in einem Raum Unterricht. Tag für Tag werden die Räume desinfiziert.

Das Tragen von Masken ist dringend empfohlen. Ohne geht BBS-Direktor Horst Burghardt nicht über den Schulhof, er will ein deutliches Zeichen setzen.

Vollzeit, Teilzeit in dualer Ausbildung oder Berufsvorbereitung: Das Bildungsangebot der BBS ist so unterschiedlich und vielfältig, dass bei der Gestaltung der neuen Unterrichtspläne immens viele Details und Kriterien berücksichtigt werden müssen. Anweisungen, Lageplan und Eingänge, Corona-Stundenpläne und Frühaufsicht, der Landes-Rahmenhygieneplan, Ergänzungen sowie weitere Informationen: Horst Burghardt und sein Team haben ein umfangreiches Strategie- und Informationspaket erarbeitet – nachzulesen auf der Internetseite der Schule.

Denn faktisch die Bevölkerung eines ganzen Dorfs – 1.500 Schüler – müssen mit Informationen versorgt werden: Wann hat wer an welchen Tagen Unterricht? In der laufenden Phase A sind es insgesamt 700 pro Woche, die direkt in der BBS Europaschule lernen. Alle anderen arbeiten zuhause – mit Lehrplänen und Aufgaben, die ihnen ihre jeweiligen Lehrkräfte zur Verfügung stellen. „Das läuft gut“, bilanziert BBS-Direktor Horst Burghardt. Aber es sei deutlich aufwendiger als in der Schule, weil genaue Erläuterungen und Erklärungen mitgeschickt werden müssten.

Corona-Krise: BBS Europaschule will schrittweise Schülerzahlen erhöhen

Nach drei Wochen beginnt Phase B – dann dürfen wieder 500 Schüler pro Tag an der BBS lernen, bis am 25. Mai Phase C beginnt, in der es pro Tag wieder 700 Schüler sein sollen.

Regelmäßig trifft sich die Schulleitungsrunde an der BBS Europaschule, um Erfahrungen zu reflektieren und Pläne zu optimieren. Alle Mitarbeiter – ob Lehrkräfte oder andere Funktionsträger an der Schule – würden sehr engagiert mitziehen: „Hut ab vor dem, was sie leisten!“, zollt Horst Burghardt ihnen großen Respekt.

Die Grundschule am Lindhof in Syke nimmt am Montag ihren Schulbetrieb wieder auf – „für die vierten Klassen“, erklärt Tina Lehmann von der Schulleitung. Nach mehreren Wochen zu Hause mag insbesondere bei den Grundschülern die Vorfreude darauf gestiegen sein, die Freunde, Klassenkameraden und Lehrer wiederzusehen. „Wir werden immer nur halbe Klassen hier haben. Montags hat also Gruppe A Unterricht, dienstags Gruppe B und so weiter“, erklärt Lehmann. Maximal zehn Jungen und Mädchen haben zusammen Unterricht, sodass höchstens 50 Kinder am Tag vor Ort sind. Insgesamt gibt es fünf vierte Klassen an der Grundschule.

Tina Lehmann und Marcel Hakkel, die Leiter der Grundschule am Lindhof Syke, freuen sich auf den Schulstart.

Syker Grundschule am Lindhof bietet „Kinder-Homeoffice“ während der Corona-Pandemie an

Diejenigen, die den einen Tag zu Hause bleiben, nutzen das „Kinder-Homeoffice“. Von den Lehrern bekommen sie am Schultag die Materialien, so Lehmann.

„Wichtig ist, dass die Basiskompetenzen gestärkt werden sollen, aber wir werden den Lernstoff nicht wie vorher weiterführen können. Das ist gar nicht möglich“, betont sie. Mit Mathe Deutsch, Englisch und Sachunterricht soll der Unterricht weitergehen. „Musikunterricht und Religion werden auch ein bisschen dabei sein.“ Die Sportstunden fallen aus. Bewegungseinheiten solle jeder Lehrer selbst anbieten.

Da in den Klassenräumen der Mindestabstand eingehalten werden muss, erfolge der Unterricht frontal. „Aber wir haben Smartboards“, fügt Marcel Hakkel von der Schulleitung hinzu, der am Montag mit dem Matheunterricht startet.

Corona-Pandemie in Syke – Schulleiterin Lehmann: „Abstandhalten ist machbar“

Zusätzlich soll nur ein Kind an einem Tisch sitzen. „Es wird für die Schüler auch nur einen Eingang geben. Ich denke, wir sind gut aufgestellt“, so Lehmann. Sie ergänzt: „Im Unterricht mache ich mir da keine Sorgen. Das Abstandhalten innerhalb des Klassenraumes ist machbar. Es geht um die eigene Gesundheit und um die der anderen. Wir haben ja eine ganz andere Verantwortung. Je kleiner die Kinder sind, desto mehr Nähe brauchen sie auch.“

In einem Brief wurden die Kinder vorab darüber informiert, in welcher Gruppe sie eingeteilt sind und wie sie sich richtig verhalten müssen. Mundschutze sind im Unterricht keine Pflicht, in den Pausenzeiten können die Lehrkräfte und Schüler individuell entscheiden, ob sie einen tragen wollen. „Jede Klasse wird andere Pausenzeiten haben, sodass sie sich nicht begegnen“, sagt Hakkel. Eine Lehrkraft beaufsichtigt die Gruppe. Die Schüler dürfen auch nur einzeln auf die Toilette gehen.

„Ich denke, der erste Tag wird daraus bestehen, dass wir uns darüber austauschen, wie die letzten Wochen waren. Dann erklären wir, wie sie sich die Hände richtig waschen und desinfizieren und wie wichtig es im Moment ist, Abstand zu halten“, erklärt Lehmann. Sie und Hakkel freuen sich aber, dass es wieder losgeht. „Eine Schule ohne Kinder ist komisch“, sagt sie.

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