Vorsitzender in Gödestorf

Merten Klusmann ist Schützenchef – mit 25

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Merten Klusmann engagiert sich seit Jahren für die Gödestorfer Vereine – Fußball, Feuerwehr und Schützenverein. 

Gödestorf - Von Robin Grulke. Wie haben Sie sich Ihr Leben mit 25 vorgestellt? Großstadt, Partnerschaft oder auf Reisen? Wahrscheinlich hatten Sie nicht den Traum, bereits Vorsitzender eines Schützenvereins zu sein. Merten Klusmann ist anders. Seit Anfang des Jahres leitet er den Gödestorfer Schützenverein und bereut seine Entscheidung „bislang kein Stück“.

Alte Männer mit runden Bäuchen und vollen Gläsern – das Klischee eines Schützenvereins beinhaltet keine Mittzwanziger, die sich beherzt darum kümmern, welcher Spielmannzug beim Schützenfest musizierend durch ihr Dorf läuft. Der Gödestorfer Verein ist eine Ausnahme, meint Klusmann. Rund ein Drittel der Mitglieder seien im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Klusmann selbst entdeckte im besonders jungen Alter den Verein für sich.

Acht Jahre war er alt, als er den ersten Schritt in Richtung Dorfverein machte. Der Anmeldung für den Schützenverein 1999 folgten schon bald Teilnahmen an Kreis- und Landeswettkämpfen im Sportschießen. „Wenn man vom Dorf kommt, wird einem das in die Wiege gelegt“, erzählt Klusmann.

Mit wechselnder Begeisterung verbrachte Klusmann die nächsten Jahre vorwiegend im örtlichen Fußballverein und in der Jugendfeuerwehr. Das Sportschießen stellte er hinten an, verlor den Verein aber nie aus dem Blick.

Mit 16 Jahren gründete Klusmann gemeinsam mit seinen Freunden einen Dorfverein. Die Partys mit Menschen aus der Gegend haben die Gödestorfer stärker zusammengeschweißt, das ist noch heute so. Mit dem Unterschied, dass Klusmann den Dorfverein nicht mehr leitet. Die Verantwortung gab er ab, als er 2014 das Amt des stellvertretenden Kassenwarts im Schützenverein annahm.

Alles im Blick – Merten Klusmann macht sich ein Bild von den steigenden Mitgliederzahlen im Schützenverein.

Einmal im Vorstand angekommen, bekam Klusmann ein Gefühl dafür, wie es ist, dem Schützenverein unter die Arme zu greifen. Als im Frühjahr dieses Jahres die Hauptversammlung anstand und sich kein Nachfolger für die Vorsitzende fand, wurde er von seinen Kameraden „schon ein bisschen bearbeitet“, erzählt Klusmann. Er hätte sich aber ohnehin für den Posten bereit erklärt.

„Witzeleien“ bezüglich seines neuen Amts gebe es in seiner Fußballmannschaft schon mal, und die älteren Kameraden hätten sich vereinzelt über das Alter ihres neuen „Anführers“ gewundert. Doch der Großteil von Familie, Freundeskreis und Schützen haben ihm gratuliert und seien bislang glücklich mit seiner Arbeit, berichtet Klusmann.

Durch den Wechsel zur jüngeren Generation – seine Vorgängerin verabschiedete sich im Alter von 58 Jahren – habe sich allerdings nicht viel geändert. „Hier und da ein paar Details“, sagt Klusmann, große Reformen blieben aus.

„Ein Abend in der Woche bleibt vielleicht mal frei“

Und was macht der 25-Jährige nun, an der Spitze eines traditionellen Schützenvereins? Telefonieren, planen und Arbeiten verteilen, meint Klusmann. „Ein Abend in der Woche bleibt vielleicht mal frei.“ Merten Klusmann opfert einen Großteil seiner Freizeit für seinen Verein. Aktuell ist er damit beschäftigt, nach der Zusage des Spielmannzuges Bassum auch einen Bandauftritt für das Schützenfest im Juni unter Dach und Fach zu bekommen.

Und was sagt Merten Klusmann zu dem Vorurteil, beim Schützenverein gehe es „nur ums Saufen“? Immerhin gehört er selbst eher noch zur feierwütigen, jüngeren Generation. „Nein!“ Merten Klusmann kann den Vorwurf nicht nachvollziehen. „Das kann man auf alle Sparten niederschreiben.“ Auch beim Fußball werde nach dem Training das ein oder andere Bier geleert, das könne man nicht einfach den Schützen unterjubeln. Immerhin gehörten zu dem Verein auch diverse Aktionen, die einfach für die Gemeinschaft gedacht sind, ohne kollektives Berauschen.

So fahren die Gödestorfer Schützen zusammen zum Spargelessen und treten noch in diesem Monat eine Reise nach Groningen in den Niederlanden an. „Die wollen da nicht saufen, die wollen wirklich Blumen kaufen“, versichert der Vorsitzende.

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